Datum12.04.2026 13:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei der Parlamentswahl in Ungarn zeichnet sich eine außerordentlich hohe Wahlbeteiligung ab, die die von 2022 übertrifft. Die Wahl gilt als entscheidend für die Zukunft Ungarns, insbesondere für das Ende oder die Fortsetzung der Regierung von Rechtspopulist Viktor Orbán. Herausforderer Péter Magyar bezeichnete die Wahl als "zwischen Ost und West" und zeigte sich siegessicher. Orbán seinerseits äußerte ebenfalls Zuversicht. Magyars Partei Tisza hat mit Kritik an Korruption und der Wirtschaftslage Zulauf gefunden, während Orbán für einen russlandfreundlichen Kurs steht.
InhaltBis zum Mittag haben weit mehr Menschen ihre Stimme abgegeben als bei der Wahl 2022. Viktor Orbáns Herausforderer Péter Magyar sprach nach seiner Stimmabgabe von einer "Wahl zwischen Ost und West". Bei der Parlamentswahl in Ungarn zeichnet sich eine sehr hohe Wahlbeteiligung ab. Fünf Stunden nach Öffnung der Wahllokale haben nach Angaben der zentralen Wahlbehörde bereits 37,98 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Damit lag die Beteiligung deutlich höher als bei der letzten Parlamentswahl 2022 zum selben Zeitpunkt, als sie 25,8 Prozent betrug. Das regierungskritische Portal "hvg.hu" nennt dies bereits einen "absoluten Rekord". Die Wahl gilt als wichtigste Wählerentscheidung seit der demokratischen Wende 1989/90. Sie entscheidet über Ende oder Fortsetzung der Regierung des Rechtspopulisten Viktor Orbán. Jüngsten Umfragen zufolge hat Orbáns konservativer Herausforderer und ehemaliger Vertrauter Péter Magyar gute Chancen auf einen Wahlsieg. Es sei eine Wahl "zwischen Ost und West", sagte Magyar nach seiner Stimmabgabe am Sonntag in Budapest. Seine Partei Tisza werde die Wahl gewinnen. "Die einzige Frage ist, ob mit einer einfachen oder einer Zweidrittelmehrheit". Auch der seit 2010 amtierende Ministerpräsident Orbán von der nationalistischen Partei Fidesz gab sich zuversichtlich. "Ich bin hier, um zu gewinnen", sagte er nach seiner Stimmabgabe. Magyar hat mit seiner neu gegründeten Tisza-Partei Unzufriedenheit über Korruption und die Wirtschaftslage im Land aufgegriffen. Orbán steht für einen russlandfreundlichen Kurs und blockiert EU-Hilfen für die Ukraine. Die EU-Kommission hat 17 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln für Ungarn unter Verweis auf Korruption und mangelnde Rechtsstaatlichkeit eingefroren. Wenige Tage vor der Wahl reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Ungarn, um für Orbán zu werben. Wegen des ungarischen Wahlsystems, das ländlichen Wahlkreisen ein Übergewicht gibt, bräuchte Tisza wohl einen deutlichen Vorsprung gegenüber Fidesz, um eine Regierungsmehrheit im Parlament zu erreichen. Orbán hatte das Wahlrecht in den vergangenen Jahren mehrfach zu seinem Vorteil verändert. Andere Parteien könnten laut Umfragen an der Fünfprozenthürde scheitern, besonders bei hoher Beteiligung. Dies betrifft vor allem die rechtsextreme Partei "Mi Hazánk". Die Wahllokale schließen um 19 Uhr. Mit ersten vorläufigen Ergebnissen wird kurz danach gerechnet.