Datum11.04.2026 08:13
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Oscar-prämierte Dokumentarfilm "Ein Nobody gegen Putin" von Pawel Talankin beleuchtet die Verbreitung von Propaganda an russischen Schulen. Talankin, aus der Kleinstadt Karabasch, dokumentierte die Umerziehung von Kindern nach Beginn des Ukraine-Krieges. Obwohl von Russland verboten und als "ausländischer Agent" eingestuft, sendet der Film eine wichtige Botschaft über den Widerstand gegen staatliche Repression und die Bedeutung des Redens.
InhaltEin 35-Jähriger stellt sich mit der Kamera gegen den Kreml – und gewinnt einen Oscar. Vier Astronauten zeigen unsere Welt ganz neu. Und: Wann Paartherapie hilft. Die guten Nachrichten der Woche. Herzlich willkommen zu Alles Gute, dem SPIEGEL-Newsletter mit ausschließlich guten Nachrichten. Schön, dass Sie da sind! Ich möchte Ihnen heute von Pawel Talankin erzählen. Einem Mann, der bis vor Kurzem noch nie einen größeren Flughafen von innen gesehen hatte. Einem Pädagogen aus Karabasch, einer Kleinstadt im Ural. Und einem Oscarpreisträger. Talankin arbeitete als Videobeauftragter an einer Schule, als Russland die Ukraine überfiel. Was danach geschah, filmte er: Lehrer, die Kindern Propaganda-Märchen über den Krieg erzählten. Wagner-Söldner, die Jugendliche im Granatweitwurf gegeneinander antreten ließen. Ein Bildungsministerium, das vorschrieb, welche Lieder die Schüler zu singen hatten. Talankin war der Einzige im Kollegium, der sich wehrte. Er forderte die Schulleitung auf, Putins Porträts abzuhängen. "Er ist ein Mörder, ein Henker!", sagte er. Man schickte ihn nach Hause, damit er sich beruhige. Im Sommer 2024 schmuggelte er sein Material außer Landes. Stets mit der Angst im Nacken, Beamte könnten ihn am Flughafen aufhalten. Sie taten es nicht. In Panik versetzte ihn stattdessen eine Stewardess, die seinen Namen über die Lautsprecheranlage aufrief. Sie brachte ihm ein Mittagessen, das sein Team bestellt hatte. Meiner Kollegin Anastasia Trenkler erzählte er im Interview, wie er sich dabei fühlte: "Ich verspeiste es als Festmahl zu Ehren meines Lebens!" Aus dem Material, das er filmte, entstand "Ein Nobody gegen Putin", produziert unter anderem von BBC, ZDF und Arte. Der Film gewann beim Sundance Festival, bei den Baftas – und den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Russland verbot ihn, Talankin wurde als "ausländischer Agent" eingestuft. In Karabasch, sagt Talankin, hätten trotzdem alle den Film gesehen. Manche schrieben ihm voller Dankbarkeit, andere nannten ihn einen Verräter. Beides zeige, dass die Leute reden. Und das sei das Wichtigste. Warum er die Aufnahmen veröffentlichte? "Ich hatte kein moralisches Recht, es nicht zu tun", sagte er meiner Kollegin. Wenn sich die Welt in zehn oder fünfzehn Jahren frage, warum die russische Gesellschaft noch aggressiver geworden sei, werde dieser Film die Antwort sein. Hier können Sie das Interview lesen . Ein neuer Blick aufs UniversumAufnahmen von Kratern, die noch kaum erforscht sind, eine Sonnenfinsternis im All und eine untergehende Erde: Die Crew der aktuellen Mondmission Artemis 2 hat spektakuläre Fotos geschickt. Hier sind die schönsten. Und hier können Sie nachlesen, wie die drei Astronauten und die Astronautin zu Stars im Internet geworden sind. Was Wissenschaftlerinnen durch die aktuelle Mission alles lernen können, erfahren Sie hier . Mehr Meer wird geschütztDie Weltgemeinschaft hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Insgesamt 10,01 Prozent der Ozeane sind offiziell als Schutz- und Erholungsgebiete ausgewiesen. Doch bis 2030 muss laut Uno noch mehr getan werden. Was helfen soll, lesen Sie hier. Rententipps von unseren Nachbarn2026 soll die Altersvorsorge grundlegend reformiert werden. Aber wie? Das weiß die Bundesregierung noch immer nicht. Der SPIEGEL hat in sechs Ländern die Lösungsideen unter die Lupe genommen, von denen sich Deutschland etwas abschauen könnte . Zahl neuer E-Autos steigt um 66 ProzentOb es den deutschen Premiumherstellern gefällt, ist fraglich. Doch immer mehr Deutsche setzen auf Autos ohne Benzinmotor. Elektroautos überholen sie in der Neuwagenstatistik, wohl auch dank neuer Fördermittel und der hohen Spritpreise. Eine Kleinstadt digitalisiert sich selbstIm Münsterland will ein Techunternehmen eine Stadt digitalisieren. Es kooperiert mit dem Rathaus und übernimmt leer stehende Immobilien. Das Ziel: schaffen, was dem Staat nicht gelingt. Das sorgt für Wirbel – und viele neue Ideen , hat meine Kollegin Elisa Schwarze recherchiert. Die stärksten Fotos des JahresFeuer, Tränen, große Liebe: Die Vorauswahl im Wettbewerb um das beste journalistische Foto des vergangenen Jahres steht. Die Bilder beim World Press Photo Contest zeugen von Kriegen und Krisen – und Momenten der Hoffnung. Hier sehen Sie die Bilder. So gelingt IntegrationIn "Hoffnungshäusern" leben Einheimische und Geflüchtete unter einem Dach. Das simple Konzept schafft, was Politik oft nicht gelingt: echter Zusammenhalt. Wie das Konzept jetzt weiter wachsen soll, lesen Sie hier in der Reportage meiner Kollegin Jule Lutteroth. Was tun, wenn mein Kind Adipositas hat?Rund eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland leben mit Adipositas. Die Kinderärztin Susann Weihrauch-Blüher erklärt, worauf Eltern von Anfang an achten sollten. Und was sie über Abnehmspritzen für Kinder denkt . So gelingen heikle Gespräche mit Familie und FreundenDiskussionen übers Gendern, Migration oder den Nahostkonflikt enden oft hitzig. Mit Freunden oder Verwandten kann das schwierig werden. Mediatorin Katty Nöllenburg erklärt Ihnen im "Smarter leben"-Podcast, wie wir trotzdem ins Gespräch kommen. Mit 18 kostenlos durch Europa reisenTausende junge Deutsche können ab Juli kostenlos per Zug durch Europa reisen. Was es braucht, um eins der Gratistickets zu ergattern, und wie lange man damit fahren kann – hier erfahren Sie es. Keine Angst vor der AngstDer Arm kribbelt, der Puls rast, der Brustkorb wird eng, und dann kommt die Angst. Und danach die Angst vor der Angst. Viele junge Frauen leiden darunter. In Norwegen wurde ein Programm dagegen entwickelt – das jetzt auch vielen anderen Menschen helfen kann . Diese Rechte haben Lufthansa-PassagiereDie Flugbegleiter der Lufthansa wollen streiken, zahlreiche Flüge drohen auszufallen. Wann steht Betroffenen eine Entschädigung zu, wann muss die Airline das Hotel bezahlen? Eine hilfreiche Übersicht. Und sonst?Möchte ich Ihnen noch kurz von Donya erzählen. Sie ist ein Teenager in Afghanistan und träumt davon, Wissenschaftlerin zu werden. Seit die Taliban Mädchen den Schulbesuch ab der siebten Klasse verboten haben, lernt sie heimlich weiter. In einem kleinen Raum in einem Privathaus, zusammen mit 30 anderen Mädchen. Ihre ältere Schwester unterrichtet sie. Sie sind sehr leise, damit niemand Verdacht schöpft. Abends programmiert Donya, bis ihr die Augen zufallen, und zeichnet, "damit die Dunkelheit in meinem Kopf etwas Farbe bekommt". Meine Kollegin Susanne Koelbl, die selbst seit Jahren unerschrocken aus Afghanistan berichtet und die Taliban aus erster Hand kennt, hat mit Donya gesprochen. Über Mädchen in ihrer Klasse, die zum Heiraten gezwungen wurden. Über eine Welt, in der Mädchen auf der Straße nicht lachen dürfen. Und über eine Botschaft, die die 14-Jährige an uns alle richtet: "Ihr sollt wissen, dass es mich gibt – und viele Mädchen wie mich. Wir sitzen in Zimmern versteckt und versuchen weiterzulernen, obwohl uns fast alles verboten wurde." Das ganze Interview mit dieser unglaublich mutigen jungen Frau können Sie hier nachlesen . Ich wünsche Ihnen ein sonniges und erholsames Frühlingswochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen. Herzliche Grüße Ihr Jan Petter, Redakteur im Nachrichtenressort des SPIEGEL