Datum12.04.2026 04:30
Quellewww.zeit.de
TLDREin Leipziger Studienrat sammelte über Jahrzehnte einen einzigartigen Münzschatz, den er im Zweiten Weltkrieg vergrub. Nach seiner Flucht nach Frankfurt lagerte die Sammlung in einem Bankschließfach. Nun wurde der Schatz mit 45 antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen und Medaillen dem Landesmünzkabinett in Halle geschenkt. Darunter sind eine seltene persische Gold-Dareike und ein bedeutender thrakischer Stater. Ein Teil der Sammlung wird ab 2027 ausgestellt.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Museen“. Lesen Sie jetzt „Einzigartiger Münzschatz von Sammler nun in Halle“. Es ist eine Geschichte, wie sie kaum außergewöhnlicher sein könnte: Über Jahrzehnte hinweg trug der Leipziger Studienrat und Sammler Friedrich Mann (1894-1993) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen einzigartigen Münzschatz zusammen. Als die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zunahmen, vergrub er die wertvolle Sammlung vermutlich 1941 oder 1942 in seinem Schrebergarten in Leipzig – ein Geheimnis, das er mit niemandem teilte. "Nur er kannte das Versteck", sagt Ulf Dräger, Leiter des Landesmünzkabinetts Sachsen-Anhalt im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale). Nach dem Krieg habe Mann den Schatz unbeschadet wieder ausgegraben und an seinen neuen Wohnort Frankfurt am Main mitgenommen. Dort lagerte die Sammlung über Jahrzehnte hinweg in einem Bankschließfach. Erst im Herbst vergangenen Jahres trat die Tochter Manns an das Landesmünzkabinett heran und bot die Sammlung als Schenkung an. Sie umfasst insgesamt 45 Münzen und Medaillen aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit. Warum Halle? "Eine alte Verbundenheit mit der Stadt. Die Frau hatte in Halle studiert", sagt Dräger. "Als ich die Stücke zum ersten Mal sah, stockte mir der Atem. Eine derartige Qualität hatte ich nicht erwartet", so der Sammlungsleiter. Viele der Münzen wirkten nahezu prägefrisch. Vor der Übernahme wurden sämtliche Objekte wissenschaftlich untersucht und auf ihre Echtheit geprüft. Nach Abschluss der Begutachtung konnte der spektakuläre Neuzugang öffentlich gemacht werden. Einzelne Stücke sollen ab 2027 in der Dauerausstellung präsentiert werden. Besonders herausragend sind mehrere Stücke aus der Antike. Dazu zählt eine persische Gold-Dareike aus der Zeit zwischen 400 und 330 vor Christus. "Sie ist jetzt die älteste Münze in der Sammlung der Moritzburg und äußerst selten", sagt Dräger. Der Dareikos, eingeführt unter König Dareios I., galt als wichtigste Goldmünze des Perserreichs und als Leitwährung im östlichen Mittelmeerraum. Ebenfalls von großer Bedeutung ist ein goldener Stater des thrakischen Königs Lysimachos (305–281 v. Chr.). Das Exemplar wurde als posthume Prägung vermutlich zwischen 150 und 140 vor Christus in Byzantion, dem heutigen Istanbul, hergestellt. Nach Einschätzung Drägers könnte die Münze aus dem 1908 entdeckten Schatzfund von Zooapse (Tuapse/Russland) am Schwarzen Meer stammen. Etwa 30 bis 50 Exemplare wurden auf Auktionen zwischen 1910 und 1920 veräußert. Der Begriff "Stater" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Gewicht. Im Laufe der Zeit wurde der Name dann für konkrete Münztypen verwendet. Das Landesmünzkabinett in Halle wurde 1950 gegründet und zählt heute zu den bedeutenden numismatischen Sammlungen Deutschlands. Es bewahrt rund 50.000 Münzen und Medaillen sowie etwa 60.000 Geldscheine auf. © dpa-infocom, dpa:260412-930-933186/1