Datum12.04.2026 00:03
Quellewww.zeit.de
TLDRUSA und Iran ringen in Friedensverhandlungen um Kontrolle der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Während die USA die Durchfahrt von Kriegsschiffen zur Minenräumung melden, dementiert der Iran dies und droht mit "starker Antwort" bei Versuchen, die Meerenge mit Kriegsschiffen zu passieren. Nur Handelsschiffe dürfen unter Auflagen durchfahren. Die Verhandlungen, vermittelt durch Pakistan, sind wegen dieser Konflikte in eine Sackgasse geraten.
InhaltDer Iran droht US-Kriegsschiffen mit einer "starken Antwort", sollten sie die kritische Meerenge durchqueren. Mehreren Öltankern war die Durchfahrt aber erlaubt. Bei den Friedensverhandlungen zum Irankrieg ringen die USA und der Iran um Kontrolle über die für den weltweiten Ölhandel kritische Straße von Hormus. Das US-Militär teilte am Abend mit, zwei Kriegsschiffe hätten die seit Wochen vom Iran blockierte Meerenge passiert, um eine Minenräumaktion zu beginnen. Der Iran dementierte die Angaben. "Die Entscheidung über die Durchfahrt von welchem Schiff auch immer liegt bei den Streitkräften der Islamischen Republik des Irans", sagte ein iranischer Armeesprecher nach Angaben des Staatsfernsehens. Die Verhandlungen dauerten nach Informationen der Nachrichtenagentur AP aus US-Regierungskreisen am späten Samstagabend an. Unterhändler beider Seiten sprechen unter Vermittlung von Pakistan in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad miteinander. Es sei die "letzte Gelegenheit", einen gemeinsamen Rahmen mit den Amerikanern zu finden, sagte die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna. Zunächst hatte es ausgesehen, als hätte der Iran die Gespräche abgebrochen – die iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars sprachen von "überzogenen Forderungen" der US-Seite. Die Financial Times berichtete, die Verhandlungen seien wegen der Straße von Hormus in eine "Sackgasse" geraten. Iranische Medien berichteten später jedoch, auch eine Verlängerung am nächsten Tag sei möglich. Unklar ist, inwieweit die Wasserstraße wieder befahrbar ist. Die iranische Revolutionsgarde hat iranischen Medien zufolge angekündigt, es sei nur nicht-militärischen Schiffen erlaubt, die Straße von Hormus zu durchfahren. Die Erlaubnis gelte zudem nur unter spezifischen Bedingungen. Auf jeden Versuch, die Wasserstraße mit einem Kriegsschiff zu durchfahren, werde der Iran eine "starke Antwort" geben. Die Stellungnahme bezieht sich auch auf einen Versuch der USA, die Straße von Hormus aus eigener Kraft zu öffnen. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstagnachmittag mitgeteilt, die USA hätten mit dem "Prozess zur Freigabe der Straße von Hormus" begonnen. In seinem Onlinedienst Truth Social schrieb er: "Wir beginnen jetzt den Prozess, die Straße von Hormus freizuräumen, als Gefälligkeit für Länder auf der ganzen Welt, einschließlich China, Japan, Südkorea, Frankreich, Deutschland und viele andere." Laut dem US-Militärkommando Centcom haben zwei US-Kriegsschiffe die Meerenge bereits durchfahen. Sie seien Teil einer umfassenden Mission, mit der die für den Öl- und Gashandel wichtigen Wasserstraße von Seeminn befreit werden solle. Die Minen seien von der iranische Revolutionsgarde gelegt worden. Iranische Staatsmedien meldeten dagegen, dass ein US-Militärschiff beim Versuch, die Meerenge zu durchqueren, zur Umkehr gezwungen worden sei. Auch der iranische Armeesprecher Ebrahim Zolfaghari widersprach. Die Angaben des US-Militärs würden "scharf zurückgewiesen", sagte er nach Anaben des Staatsfernsehens. Schifffahrtsdaten des Dienstes LSEG zufolge haben erstmals seit der Feuerpause zwischen den USA und dem Iran drei Supertanker die Straße von Hormus passiert. Dabei handle es sich um die unter liberianischer Flagge fahrende Serifos sowie die chinesischen Schiffe Cospearl Lake und He Rong Hai dabei die iranische Insel Larak. Der Ölstaat Katar teilte unterdessen mit, er nehme seine Seeschifffahrt ab Sonntag 6 Uhr wieder in vollem Umfang auf. Der Beschluss soll demnach auf "alle Kategorien von Schiffen und Transportmitteln auf See" ausgeweitet werden. Es war unklar, ob die Entscheidung bedeutet, dass katarische Schiffe auch die Straße von Hormus wieder passieren dürfen. Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar ist die Straße von Hormus quasi gesperrt. Das iranische Militär droht, Schiffe beim Durchfahrtsversuch anzugreifen. Mehrere Tanker wurden bereits attackiert und standen in Flammen. Durch die Wasserstraße wird rund ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases transportiert. Zudem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion. In der Folge stiegen die Ölpreise weltweit auf mehr als 100 US-Dollar je Barrel. Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen zu den Verhandlungen in unserem Liveblog.