Iran: Ajatollah Mojtaba Khamenei soll angeblich schwer verletzt und gezeichnet sein

Datum11.04.2026 16:11

Quellewww.spiegel.de

TLDRAjatollah Mojtaba Khamenei, Nachfolger seines verstorbenen Vaters als Oberster Führer Irans, soll sich trotz schwerer Verletzungen von einem Angriff erholen. Laut Reuters ist sein Gesicht gezeichnet und er hat Beinverletzungen erlitten. Trotzdem soll er geistig fit sein und an wichtigen Entscheidungen teilnehmen. Seine Abwesenheit von der Öffentlichkeit und die Fragen zu seiner tatsächlichen Machtposition beherrschen die öffentliche Diskussion und befeuern Spekulationen.

InhaltÜber den Zustand von Mojtaba Khamenei ist seit Wochen nichts bekannt. Nun berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, Irans neues Oberhaupt erhole sich von dem Angriff, bei dem sein Vater starb – sei aber geistig fit. Der Oberste Führer Irans, Ajatollah Mojtaba Khamenei, soll sich angeblich noch immer von schweren Verletzungen erholen. Diese hatte er wohl bei dem Luftangriff zu Beginn des Krieges erlitten, bei dem sein Vater und Vorgänger starb. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei Insider. Das Gesicht des 56-Jährigen sei beim Beschuss des Gebäudekomplexes im Zentrum Teherans schwer gezeichnet worden, sagten ​drei Personen aus dem engeren Umfeld Khameneis der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem habe Khamenei eine erhebliche Verletzung an einem oder beiden Beinen erlitten. Die Angaben lassen sich bislang nicht unabhängig verifizieren. Bei dem Angriff am Anfang des von den USA und Israel am 28. Februar begonnenen Krieges ‌wurde das damalige geistliche und politische Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei getötet. Zum Nachfolger wurde Anfang März sein Sohn Mojtaba Khamenei gewählt, der seither jedoch nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Es stellt sich die Frage, ob er überhaupt in der Lage ist, die Staatsgeschäfte zu führen – und das in einer für Iran äußerst gefährlichen Lage. Am Samstag haben in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entscheidende Gespräche mit den USA  über eine Beendigung des Krieges begonnen. Den Insidern zufolge, die anonym bleiben wollten, erholt sich Khamenei von seinen Verletzungen und soll geistig fit sein. Er nehme per Audiokonferenz an Treffen mit ranghohen Angehörigen der ​Führung teil und sei in die Entscheidungsfindung bei wichtigen Themen wie dem Krieg und den Verhandlungen mit den USA eingebunden, sagten zwei der Insider. Die Berichte aus dem Umfeld Khameneis sind ⁠die bislang detaillierteste Beschreibung des Zustands ⁠des neuen Obersten Führers. Seit dem Luftangriff und seiner Ernennung zum Nachfolger seines Vaters am 8. März wurden weder ein Foto noch Videos oder Tonaufnahmen von Mojtaba Khamenei veröffentlicht. Erklärungen von ihm wurden verlesen. Khameneis Aufenthaltsort und sein Zustand bleiben für die Öffentlichkeit unbekannt. Khamenei wurde am 28. Februar verletzt. Bei dem Angriff wurde sein Vater Ali Khamenei getötet, ‌der seit 1989 regiert hatte. Unter den Opfern waren auch Mojtaba Khameneis Ehefrau sowie sein Schwager und seine Schwägerin. Eine offizielle iranische ​Erklärung zum Ausmaß von Khameneis Verletzungen ‌gab es nicht. Ein Nachrichtensprecher im Staatsfernsehen bezeichnete ihn nach seiner Ernennung jedoch als "Dschanbas", ein Begriff für im Krieg schwer verwundete Personen. Unabhängig von der Schwere seiner Verletzungen sei es unwahrscheinlich, dass der neue und weniger erfahrene Führer die allumfassende Macht seines Vaters ausüben könne, sagte Alex Vatanka vom Middle East Institute. "Mojtaba wird eine ‌Stimme sein, aber nicht die entscheidende", sagte Vatanka. Er muss sich erst noch "als glaubwürdige, mächtige, übergeordnete Stimme beweisen". Im theokratischen System Irans liegt die höchste Macht beim Obersten Führer, einem schiitischen ‌Geistlichen, der von einer Versammlung aus 88 Ajatollahs ernannt wird. Der erste Oberste ​Führer, Ajatollah Ruhollah Khomeini, genoss als charismatischer Anführer der Revolution unangefochtene Autorität. Sein Nachfolger, Ali Khamenei, ‌war ein weniger verehrter Kleriker, hatte aber als Präsident Irans gedient. Er festigte seine Autorität nach seiner ‌Ernennung 1989 über Jahrzehnte, teilweise durch die Stärkung ​der Revolutionswächter. Sein Sohn Mojtaba war als einflussreiche Figur im Büro seines Vaters jahrelang an der Machtausübung auf höchster Ebene beteiligt und baute Beziehungen zu führenden Persönlichkeiten der mächtigen Revolutionswächter auf. Obwohl er wegen seiner Verbindungen ​zu der Elitetruppe, die auch wirtschaftlich überaus einflussreich ist, weithin als Fortsetzer des Hardliner-Kurses seines Vaters gelte, sei ⁠über seine Weltanschauung wenig bekannt, sagte Expertin Vatanka vom Middle East Institute. Khameneis Abwesenheit wird in ​den iranischen ​sozialen Medien und in Chatgruppen rege diskutiert – wenn die lückenhafte Internetverbindung es denn zulässt. Verschwörungstheorien über seinen Zustand und darüber, wer das Land regiert, sind weitverbreitet. Ein populäres Meme, das online kursiert, zeigt einen leeren Stuhl im Scheinwerferlicht mit der Frage: "Wo ‌ist Mojtaba?" Mojtaba Khamenei war jahrzehntelang Strippenzieher im Machtzentrum seines Vaters. Seine engsten Vertrauten sind für Gier und Brutalität bekannt. Was über seinen Machtzirkel bekannt ist, lesen Sie hier .