Institut Iliade: Die Neue Rechte trifft sich in Paris und erzieht ihren Nachwuchs

Datum11.04.2026 14:06

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Institut Iliade organisiert in Paris sein 13. Kolloquium, eine zentrale Veranstaltung der europäischen Neuen Rechten, die junge Menschen indoktrinieren soll. Die Teilnehmer werden darin geschult, die "europäische Zivilisation" vor Migration zu schützen und folgen der Verschwörungserzählung vom "Großen Austausch". Das Institut, Nachfolger der GRECE-Gruppe, knüpft an die metapolitischen Strategien der französischen Neuen Rechten an.

InhaltRechte Verschwörungserzählungen prägen die Arbeit des französischen Instituts Iliade. Auf der Konferenz der Neuen Rechten wird die junge Generation indoktriniert. Mitten im Zentrum der französischen Politik trifft sich an diesem Wochenende die Neue Rechte Europas. Hier veranstaltet das Institut Iliade sein 13. Kolloquium. Diese zentrale Organisation der europäischen Rechten residiert im Maison de la Chimie in Paris, nur wenige Gehminuten von der französischen Nationalversammlung entfernt. Das Institut Iliade konzentriere sich auf die Schulung junger Menschen, sagt Politikwissenschaftler Jean-Yves Camus. Pro Jahrgang betreffe das rund 20 Personen im Alter zwischen 21 und 39. Sie sollen lernen, Europas Zivilisation vor einer angeblichen Bedrohung durch Migration zu schützen. "Es ist die wichtigste öffentliche Veranstaltung des Instituts", sagt Camus. Der Politikwissenschaftler arbeitet bei der Beobachtungsstelle für politische Radikalisierung der Fondation Jean-Jaurès in Paris. Seiner Einschätzung nach nehmen mehr als 1.000 Personen an der Konferenz teil. Die meisten kommen aus Frankreich, hinzu kommen Verlage, Aktivisten und Parteien aus ganz Europa. Aus Deutschland reisten zur letzten Konferenz unter anderem der AfD-Bundestagsabgeordnete Torben Braga, das rechtsextreme Compact-Magazin, Aktivistinnen der Gruppe Lukreta sowie der neurechte Jungeuropa Verlag, der offizielle Partner des Instituts. Sie alle sind aus der rechten bis rechtsextremen Szene bekannt. Das Institut Iliade wurde 2014 im Andenken an Dominique Venner gegründet, einen bekannten Vertreter der französischen Neuen Rechten, der Nouvelle Droite. Venner nahm sich im Jahr zuvor in der Kathedrale Notre-Dame das Leben. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, er lehne sich gegen das "Verbrechen, das unsere Völker durch andere ersetzen will", und opfere den Rest seines Lebens als "Protest und Aufruf zu einem Neubeginn". Damit spielte Venner auf den sogenannten "Großen Austausch" an: Dieser rechtsextremen Verschwörungserzählung zufolge wird die "autochthone" Bevölkerung Europas, also diejenigen, die in den Augen der Rechten zuerst da waren und deswegen ein Anrecht auf das Land hätten, gezielt durch Migranten ersetzt. Venner hatte in den Sechzigerjahren mit dem Ziel einer rechten Kulturrevolution die Gruppe GRECE gegründet (Groupement de recherche et d'études pour la civilisation européenne), die Vorgängerorganisation des Instituts Iliade. Die letzten bekannten Aktivitäten von GRECE liegen Jahre zurück. An seine Stelle als zentrale Institution der Neuen Rechten ist das Iliade getreten. Es will eigenen Angaben zufolge das geistige Erbe Venners fortführen und die europäische Zivilisation vor dem Szenario des "Großen Austauschs" bewahren. Dafür veröffentlicht es eigene Publikationen, organisiert sein jährliches Kolloquium in Paris und bietet staatlich nicht anerkannte Ausbildungen an. Die Relevanz dieses Ausbildungsprogramms des Instituts Iliade hebt auch Cornelia Ruhe von der Universität Mannheim hervor. Sie forscht mit ihrem Kollegen Thomas Wortmann zu Bildungsstrategien der Neuen Rechten in Deutschland und Frankreich. Im Rahmen der sogenannten Promotions werden Ruhe zufolge den Teilnehmenden in Workshops und Seminaren neben weltanschaulichen auch strategische Grundlagen vermittelt, etwa im Hinblick auf die Organisation von Kampagnen. "Das Ganze ist mit dem Nimbus versehen, die europäische Zivilisation vor angeblichen Bedrohungen zu retten – von der Migration bis hin zu Verfallserscheinungen, die man der französischen Regierung zuschreibt", sagt Ruhe. Mit seiner Arbeit knüpft das Iliade an die Tradition der Neuen Rechten in Frankreich an, deren Ursprung in den Sechzigerjahren liegt. Damals prägten Anhänger der Neuen Rechten die Idee der Metapolitik, die für Institutionen wie das Iliade noch heute grundlegend ist: In Anlehnung an das Konzept der kulturellen Hegemonie des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci wird politische Macht demnach im außerparlamentarischen, kulturellen Raum erlangt. Und das ist ihr Ziel.