Datum11.04.2026 12:08
Quellewww.spiegel.de
TLDRTrotz sinkender Rohölpreise bleiben die Spritpreise hoch. Ölkonzerne nutzen angeblich Krisen zur Gewinnsteigerung. Autofahrer können durch spritsparendes Fahren und Apps Geld sparen. Mittelfristig sind E-Autos oder eine Reduzierung der Autonutzung empfehlenswert. Der Staat fördert den Umstieg auf E-Mobilität.
InhaltTrotz Feuerpause in Iran bleiben die Benzin- und Dieselpreise hoch. Autofahrerinnen und Autofahrern verrate ich hier ein paar Tricks, wie sie der Kostenfalle entkommen können. Eine Woche lang, vom 1. bis zum 7. April, sind die Spritpreise an jedem Tag gestiegen. Teilweise kostete der Diesel mehr als 2,50 Euro pro Liter. Das ist erstaunlich, denn zu dieser Zeit hatten die Mineralölkonzerne ihren Einkauf längst erledigt, bereits Wochen oder Monate zuvor. Den Autofahrerinnen und Autofahrern wurde dennoch erklärt, die Preise gingen wegen des Irankriegs, wegen des knappen Rohöls und der horrenden Preise auf den Weltmärkten in die Höhe. Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von "Finanztip" und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken "Finanztip" bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "taz". Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld. Am Mittwoch, nach der Nachricht über eine 14-tägige Feuerpause, fielen die Preise an den Rohölmärkten dann drastisch. Die Preise an vielen Zapfsäulen aber nicht, weder in Städten noch in ländlichen Regionen oder Ballungsräumen. Hier das Beispiel einer konkreten Tankstelle im nordrhein-westfälischen Hamminkeln-Brünen: Dort lag der Preis für E10 am 7. April bei 2,15 Euro, stieg dann am Mittag des 8. April auf 2,25 Euro, um sich anschließend bei 2,13 Euro einzupendeln. An einer Tankstelle in Berlin stieg der Dieselpreis am 8. April mittags von 2,38 auf 2,45 Euro, um bis 18 Uhr wieder auf 2,35 Euro zurückzufallen. Nur sehr vereinzelt gab es tatsächlich deutliche Preisnachlässe, wie zum Beispiel an einer "Star"-Tankstelle in Duisburg-Walsum. Dort fiel der Dieselpreis am Mittwoch zwischen 12 Uhr und 18 Uhr von 2,46 Euro auf 2,29 Euro. Wenn die Autonation einen Nachweis gebraucht hätte, dass Konzerne die realen Preissteigerungen an den Ölmärkten nutzen, um die Kunden auszunehmen – hier war er. Sogar der ADAC ist auf der Palme und greift das Kartellamt an, dass es gegen die Abzocke nicht schnell und entschieden genug vorgehe. "Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird und die Behörden in der Beobachterrolle bleiben", schimpfte der Technik- und Verkehrspräsident des Autoclubs, Karsten Schulze. Steffen Bukold aus Hamburg, anerkannter Experte für die Ölmärkte, rechnete für Greenpeace aus , dass die Ölkonzerne in Deutschland schon im März an jedem Kriegstag 25 Millionen Euro Zusatzgewinne durch höhere Margen kassiert hätten – doppelt so viel wie in Frankreich oder Spanien. Die Profispekulanten an den Börsen waren ohnehin überzeugt, der Krieg werde sich vor allem positiv auf die Bilanzen der Ölkonzerne auswirken. Deren Kurse sind in den vergangenen drei Monaten im Schnitt um 40 Prozent gestiegen. Egal, ob Europas Konzerne BP, Total und Shell oder US-Konzerne wie Exxon und Chevron. Shell ist heute an der Börse 70 Milliarden Dollar mehr wert als Anfang 2026. Können Sie als Kundin oder Kunde etwas gegen die Abzocke zu Ihren Lasten tun? Ja! Kurzfristig können Sie das Standardprogramm zum Spritsparen abspielen. Die Tipps kamen früher von Greenpeace, heute von der Internationalen Energieagentur (IEA): In Deutschland können Sie natürlich eine App zum preiswerten Tanken nutzen. Und ja, seit Anfang April verlegen Sie das Tanken am besten auf den späten Vormittag, bevor die Konzernchefs die Preise an den Zapfsäulen wieder um sieben bis zehn Cent pro Liter erhöhen. Damit können Sie pro Tankfüllung mehrere Euro sparen. Machen wir uns nichts vor. Mittel- und langfristig geht es natürlich um die Frage, ob wir ein eigenes Auto brauchen, ob wir einen Verbrenner benötigen und regelmäßig fahren wollen oder müssen. Je städtischer Sie leben und je besser dort der öffentliche Nahverkehr ausgebaut ist, desto eher lässt sich auf das Auto verzichten. Großstädter sind da klar im Vorteil, das muss man einräumen. Gleichzeitig werden sie für ihre Autonutzung und fürs Parken in Deutschland auch noch subventioniert. Der öffentliche Platz unter Bäumen, an dem mein Auto in Berlin 23 Stunden am Tag parkt, würde als Grundstück auf dem Immobilienmarkt 80.000 bis 100.000 Euro kosten. Ich bezahle aktuell 20,40 Euro Gebühren für zwei Jahre. In Stockholm kostet ein solcher Platz an der Straße in der Innenstadt zwischen 1200 und 1800 Euro im Jahr, in den Vororten immer noch 300 Euro. Aber in vielen Kommunen und auf dem Land geht es aktuell nicht ohne Auto. Ob es drei oder vier sein müssen, sei mal dahingestellt. Mein Taxifahrer in Leipzig erklärte mir am Mittwoch detailreich, warum die vier Erwachsenen seiner Familie fürs Leben in einer Kleinstadt nahe Leipzig vier Autos benötigten. Dann stellt sich die Frage: welches Auto? Hier bewegt sich das Autoland Deutschland zumindest ein bisschen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat gerade für den März mitgeteilt, dass von 294.000 neuen Autos immerhin 70.700 elektrisch sind. Neben 67.000 neuen Benzinern und 37.700 neuen Dieselfahrzeugen gibt es dann noch 118.000 Hybridfahrzeuge. Hybrid, das war der letzte Schrei vor 25 Jahren. Heute müsste eigentlich auffallen, dass die meisten dieser Hybridautos gar nicht so viel weniger Sprit brauchen. Schon gar nicht, wenn sie auf langen Strecken auf dem Land bewegt werden. Ach ja, und dann fand sich nach Angaben des KBA ein einziges Brennstoffzellenauto unter den 294.000 Neuwagen, mit Erdgas und Wasserstoffantrieb gar keins. In dieser Hinsicht sind die Bürgerinnen und Bürger jedenfalls nicht "technologieoffen". Zwei weitere Details für Auto-Nerds. Der chinesische Hersteller BYD hat seinen Verkauf vervierfacht, Porsche bei den Verkäufen locker überholt und wächst weiter. Und der Ärger über Elon Musk scheint verflogen zu sein: Auch die Tesla-Verkäufe haben sich seit dem vergangenen Frühjahr vervierfacht, trotz Musks umstrittener zwischenzeitlicher Rolle in der Trump-Regierung. Keiner dieser Käufer kann also guten Gewissens den Sticker "I bought this car before Elon went crazy" aufkleben. Jetzt warten Sie vielleicht auf meine Empfehlung. Die hat für Sie persönlich drei Teile: 1. Sie haben einen Verbrenner und brauchen das Auto nicht unbedingt.Nutzen Sie ihn weniger. Ihre Tank-App und die folgenden Tipps können Ihnen beim Energie- und beim Geldsparen helfen: 2. Sie haben einen Verbrenner gekauft und können aktuell nicht auf ihn verzichten.Fahren Sie das Auto so spritsparend wie möglich (siehe oben) und solange der TÜV das zulässt. Und als nächstes Auto kaufen Sie ein elektrisches. Oder Sie leasen es. Der Staat gibt seit Januar 2026 für Familien mit Kindern und ohne hohe Einkommen wieder bis zu 6000 Euro Förderung dazu – selbst wenn Sie Ihr E-Auto nur für 36 Monate leasen. 3. Sie haben schon einen elektrischen Wagen. Prüfen Sie, wie leicht Sie eigenen Strom erzeugen können. Gerade auf dem Land wohnen viel mehr Menschen in der eigenen Immobilie und können die inzwischen sehr preiswert gewordenen Solarmodule aufs Dach schrauben lassen . 2026 gibt es in jedem Fall noch die Einspeisevergütung, auch wenn Energieministerin Katherina Reiche (CDU) deren Abschaffung plant. Und für unsere Regierenden: Nutzen Sie die neugewonnenen Chancen des digitalen Staates. Sie können inzwischen jenen Haushalten, die wegen der hohen Energiepreise Unterstützung benötigen, diese Mittel zielgenau direkt aufs Konto zahlen. Mobilitätsgeld per Direktauszahlungsmechanismus heißt das im Politsprech. Und wir anderen lernen derweil, wie wir die richtigen Schlüsse aus der zweiten großen Energiekrise in fünf Jahren ziehen.