Schnapsbrennen: US-Gericht kippt 158 Jahre altes Verbot für privates Schnapsbrennen

Datum11.04.2026 10:59

Quellewww.zeit.de

TLDREin US-Gericht hat das fast 158 Jahre alte Verbot des privaten Schnapsbrennens für verfassungswidrig erklärt. Das Gesetz aus dem Jahr 1868, das die Umgehung von Alkoholsteuern verhindern sollte, wurde als unnötiges Mittel zur Ausübung der Steuerhoheit kritisiert. Vier Hobby-Destillateure argumentierten erfolgreich für das Recht, Spirituosen zu Hause zu destillieren. Die Richterin betonte, dass das Verbot Steuereinnahmen minderte und einer unbegrenzten Bundesgewalt ähneln könnte.

InhaltIn den USA privat Schnaps brennen? Das konnte bislang eine empfindliche Geld- oder gar Haftstrafe nach sich ziehen. Jetzt urteilte ein Gericht, das Verbot sei unzulässig. Ein US-Berufungsgericht hat das ​fast 158 Jahre alte Verbot für das private Brennen von Schnaps für verfassungswidrig erklärt. Das Gericht in New Orleans bezeichnete das Gesetz als ein unnötiges und unzulässiges Mittel ​des Kongresses, seine Steuerhoheit auszuüben. Es gab ⁠damit der gemeinnützigen Hobby Distillers Association und ​vier ihrer Mitglieder Recht. Diese hatten argumentiert, dass es den Menschen ‌freistehen ⁠sollte, Spirituosen zu Hause zu ​destillieren, sei es als Hobby oder für den Eigenbedarf. In einem Fall ging es darum, ein ​Rezept für Apfelkuchen-Wodka umzusetzen. Das Verbot stammte aus dem Juli 1868 und sollte unter anderem die Umgehung der Alkoholsteuer verhindern. Verstöße konnten mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Dollar geahndet werden. Die zuständige Richterin Edith Hollan Jones erklärte, das ⁠Verbot habe die ​Steuereinnahmen im Gegenteil verringert, da es das Brennen von Spirituosen ‌von vornherein unterbinde. Folge man ‌der Logik der Regierung, so Jones, könne der ​Kongress praktisch jede Tätigkeit zu Hause unter Strafe stellen, die sich der Aufmerksamkeit der Steuerfahnder entziehen könnte, einschließlich Fernarbeit ​aus dem eigenen Büro. "Ohne ein begrenzendes Prinzip würde die Theorie der Regierung unsere Verpflichtung verletzen, die Verfassung sorgfältig zu lesen, um die Schaffung ‌einer allgemeinen Bundesgewalt ähnlich der Polizeigewalt zu vermeiden", schrieb ​die Richterin. Andrew Grossman, einer der Anwälte der Kläger, nannte ⁠die Entscheidung "einen wichtigen ​Sieg für die individuelle Freiheit", der es ‌den Klägern erlaube, "ihrer Leidenschaft nachzugehen, in ihren Häusern edle Getränke zu destillieren". Er fügte hinzu: "Ich ‌freue mich schon darauf, ihre Erzeugnisse zu probieren." Das US-Justizministerium nahm zunächst nicht ​Stellung.