Datum11.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Mecklenburg-Vorpommern steigen die Anzeigen wegen Hass und Hetze im Internet. Allein die Online-Wache der Polizei registrierte 2023 insgesamt 783 Meldungen, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Vorfälle reichen von Beleidigungen bis hin zu Volksverhetzung. Aktuell prüfen die Behörden sogar Strafanzeigen wegen der Anfeindungen gegen Helfer im Fall des gestrandeten Buckelwals. Die Landesregierung konnte keine Auskunft über den Ausgang der Verfahren geben, da eine manuelle Prüfung zu aufwendig wäre.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kriminalität“. Lesen Sie jetzt „Mehr Anzeigen wegen Hass und Hetze im Netz“. Drohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen - im aktuellen Drama um den gestrandeten Buckelwal vor Poel sehen sich Mitarbeiter von Behörden, Wissenschaftler und Helfer teils wüsten Beschimpfungen im Internet ausgesetzt. Das ist kein Einzelfall: Die Ermittler in Mecklenburg-Vorpommern bekommen immer mehr Anzeigen wegen Hass und Hetze im Internet auf den Tisch. Bei der Online-Wache der Landespolizei, die es seit 1. Februar 2023 gibt, gingen im vergangenen Jahr 783 Meldungen ein - nach 589 im Jahr davor. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der fraktionslosen Landtagsabgeordneten Eva Maria Schneider-Gärtner hervor. Im ersten Jahr waren demnach von Februar bis Dezember 344 Vorfälle gemeldet worden. Weitere 280 Vorkommnisse leitete das Bundeskriminalamt 2025 an die Behörden in MV weiter, weil mögliche Beschuldigte im Nordosten leben, wie es weiter hieß. Im Jahr davor waren es 299 gewesen. Wie die Ermittlungsverfahren ausgegangen sind, die nach den Hinweisen eingeleitet wurden, konnte die Landesregierung nicht sagen. Für jeden einzelnen Fall müsste dies von Hand geprüft werden, wie es hieß. "Selbst bei optimistischer Zeitplanung würden dafür circa 33 Arbeitstage anfallen." Dies sei mit der Pflicht zur unverzüglichen Beantwortung Kleiner Anfragen nicht zu vereinbaren. Ermittelt wurde etwa wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten, Gewaltdarstellung, Verleumdung oder Bedrohung. Andere Tatvorwürfe waren den Angaben zufolge Volksverhetzung, das gefährdende Verbreiten personenbezogener Daten oder die Beschimpfung von Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. Nach den Anfeindungen gegen Behörden, Wissenschaftler und Helfer im Wal-Drama prüft die Landesregierung in Schwerin, Strafanzeigen zu erstatten. "Was strafrechtlich relevant ist, wird zur Anzeige gebracht", sagte der Sprecher von Umweltminister Till Backhaus (SPD), Claus Tantzen. Im Umwelt- und im Innenministerium würden entsprechende Äußerungen gesammelt und geprüft. Die Emotionen entzünden sich vor allem an der Entscheidung der Behörden, keine Rettungsaktionen mehr für den Wal zu unternehmen, weil er Experten zufolge bereits im Sterben liegt. Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte: "Diese aufgeheizte Stimmung, die in Teilen von Social Media abläuft sowie in anderen Bereichen, macht mich traurig, tief traurig." © dpa-infocom, dpa:260411-930-930709/1