Datum11.04.2026 04:52
Quellewww.spiegel.de
TLDREin US-Berufungsgericht hat ein fast 160 Jahre altes Verbot für das private Schnapsbrennen für verfassungswidrig erklärt. Hobby-Destillateure dürfen nun Spirituosen für den Eigenbedarf zu Hause herstellen. Das Gericht sah darin eine unzulässige Ausübung der Steuerhoheit des Kongresses und befand, das Verbot habe die Steuereinnahmen eher verringert. Die Entscheidung wird als Sieg für individuelle Freiheit gewertet.
InhaltSie klagten wegen eines Rezepts für Apfelkuchen-Wodka – und kippten ein uraltes Destillationsverbot. Ein US-Gericht gibt einem Verein von Hobby-Destillateuren Recht, Spirituosen zu Hause herzustellen. Ein US-Berufungsgericht hat am Freitag ein fast 158 Jahre altes Verbot für das private Brennen von Schnaps für verfassungswidrig erklärt. Das Gericht in New Orleans bezeichnete das Gesetz als ein unnötiges und unzulässiges Mittel des Kongresses, seine Steuerhoheit auszuüben. Es gab damit der gemeinnützigen Hobby Distillers Association und vier ihrer Mitglieder recht. Diese hatten argumentiert, dass es den Menschen freistehen sollte, Spirituosen zu Hause zu destillieren, sei es als Hobby oder für den Eigenbedarf – in einem Fall ging es darum, ein Rezept für Apfelkuchen-Wodka umzusetzen. Das Verbot stammte aus dem Juli 1868 und sollte unter anderem die Umgehung der Alkoholsteuer verhindern. Verstöße konnten mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Dollar geahndet werden. Die zuständige Richterin Edith Hollan Jones erklärte, das Verbot habe die Steuereinnahmen im Gegenteil verringert, da es das Brennen von Spirituosen von vornherein unterbinde. Folge man der Logik der Regierung, so Jones, könne der Kongress praktisch jede Tätigkeit zu Hause unter Strafe stellen, die sich der Aufmerksamkeit der Steuerfahnder entziehen könnte, einschließlich Fernarbeit aus dem eigenen Büro. "Ohne ein begrenzendes Prinzip würde die Theorie der Regierung unsere Verpflichtung verletzen, die Verfassung sorgfältig zu lesen, um die Schaffung einer allgemeinen Bundesgewalt ähnlich der Polizeigewalt zu vermeiden", schrieb die Richterin. Andrew Grossman, einer der Anwälte der Kläger, nannte die Entscheidung "einen wichtigen Sieg für die individuelle Freiheit", der es den Klägern erlaube, "ihrer Leidenschaft nachzugehen, in ihren Häusern edle Getränke zu destillieren". Er fügte hinzu: "Ich freue mich schon darauf, ihre Erzeugnisse zu probieren." Das US-Justizministerium lehnte zunächst eine Stellungnahme ab.