Datum10.04.2026 21:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Journalist Oleg Roldugin, bekannt für Recherchen zu Korruptionsfällen mächtiger russischer Beamter wie Dmitri Medwedew und Ramsan Kadyrow, wurde zu einem Monat Untersuchungshaft verurteilt. Ihm wird illegale Informationsbeschaffung vorgeworfen, was er bestreitet. Die Festnahme erfolgte kurz nach einer Razzia bei der Zeitung „Nowaja Gaseta“. Dies geschieht vor dem Hintergrund von zunehmendem Druck auf die einst führende unabhängige russische Zeitung, die wegen ihrer Berichterstattung über den Ukraine-Krieg und Menschenrechte unter staatlicher Zensur steht.
InhaltOleg Roldugin hatte zu mächtigen russischen Beamten recherchiert. Ermittler werfen ihm vor, er habe illegal Informationen zusammengetragen. Für einen Monat soll er in U-Haft. Der Journalist weist die Vorwürfe von sich. Der russische Journalist Oleg Roldugin, der über mutmaßliche Korruptionsfälle unter ranghohen russischen Beamten berichtet hatte, ist in Untersuchungshaft. Einen Tag nach der Razzia bei der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta" in Moskau hat ein Gericht am Freitag die Untersuchungshaft angeordnet. Die Ermittler gingen davon aus, dass Roldugin gemeinsam mit Unbekannten illegal Informationen zusammengetragen und veröffentlicht habe, die "personenbezogene Daten" enthielten, teilte das Gericht im Moskauer Bezirk Twerskoi im Onlinedienst Telegram mit. Roldugin bleibe bis zum 10. Mai in Gewahrsam. Bei seiner Anhörung plädierte Roldugin auf nicht schuldig. Laut "Nowaja Gaseta" kritisierte Roldugins Anwältin Marina Andrejewa die Ermittlungen. Die Organisation "Komitee zum Schutz von Journalisten" forderte Roldugins sofortige Freilassung. Maskierte Sicherheitskräfte hatten nach Angaben der "Nowaja Gaseta" am Donnerstag die Räume der Zeitung in Moskau durchsucht. Roldugin wurde festgenommen. Er berichtete unter anderem über mutmaßliche Korruptionsfälle des ehemaligen Präsidenten Dmitrij Medwedew und des Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow. Die "Nowaja Gaseta" war viele Jahre Russlands führendes investigatives und unabhängiges Medium. Wegen der Recherche und der kritischen Berichterstattung zur Menschenrechtslage in Russland steht die Zeitung stark unter Druck. Sie stellte die Produktion im Inland ein, nachdem Russland zu Beginn seines Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 die militärische Zensur eingeführt und der Zeitung die Drucklizenz entzogen hatte. Die Zeitung hatte den russischen Angriff auf die Ukraine als Krieg bezeichnet. Offiziell darf dieser in Russland jedoch nur "militärische Spezialoperation" genannt werden. 2021 hatte der damalige Chefredakteur Dmitrij Muratow den Friedensnobelpreis erhalten. Mehrere Reporter der "Nowaja Gaseta" wurden ermordet, unter ihnen Anna Politkowskaja, die jahrelang zu Vorwürfen in Bezug auf das Vorgehen der russischen Armee in Tschetschenien recherchiert hatte. Sie wurde im Oktober 2006 in ihrem Wohnhaus in Moskau tot aufgefunden.