Buckelwal vor Wismar: Morddrohungen gegen Behördenmitarbeiter wegen Umgang mit Wal

Datum10.04.2026 16:57

Quellewww.zeit.de

TLDRNachdem die Rettung eines gestrandeten Buckelwals vor Wismar aufgegeben wurde, erhalten die zuständigen Behörden Morddrohungen. Tausende E-Mails mit z.T. strafrechtlich relevanten Inhalten werden geprüft. Die Entscheidung, den Wal sterben zu lassen, basiert auf wissenschaftlichen Gutachten, da Rettungsversuche als aussichtslos eingestuft wurden.

InhaltDie Behörden haben die Rettung des gestrandeten Wals aufgegeben. Das führt laut dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zu Drohschreiben. Man prüfe Anzeigen. Wegen des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals gehen nach Angaben des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern Drohungen bei verschiedenen beteiligten Stellen ein. Das Ministerium, Feuerwehr, Polizei, Bürgerbüros und nachgeordnete Behörden erhalten nach Angaben von Ministeriumssprecher Claus Tantzen tausende E-Mails mit Bezug zum Wal. Diese enthielten teilweise Morddrohungen. Was möglicherweise strafrechtlich relevant sei, werde ans Innenministerium weitergeleitet, wo Anzeigen geprüft würden, sagte Tantzen der ZEIT. Der Sprecher betonte gleichzeitig, dass auch viele Menschen, die sich meldeten, berechtigte Sorgen hätten oder ernstgemeinte Hinweise lieferten. "Die Mails von Menschen, die uns nicht mit dem Tode drohen", würden ernst genommen und möglichst auch beantwortet. Wegen der Flut an Zuschriften könne das jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Tier war vor zweieinhalb Wochen zunächst am Ostseestrand des Ortsteils Niendorf der Gemeinde Timmendorfer Strand stecken geblieben. Nachdem Helfer mit Baggern einen Graben um den Wal ausgehoben hatten, konnte er sich wenige Tage später nachts zunächst selbst befreien. Kurz darauf strandete er vor Wismar erneut. Am 7. April entschied Mecklenburg-Vorpommers Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens, keine Rettungsversuche mehr zu unternehmen und den Wal "in Ruhe sterben zu lassen". Diese Entscheidung sei ihm so schwergefallen "wie wohl keine andere in meinem bisherigen politischen Leben", teilte Backhaus mit. Jedoch habe "kein ernstzunehmender Experte auf der Welt" ein anderes Vorgehen empfohlen. Auch eine Euthanasierung des Wals komme laut den Experten der Internatio­nalen Walfangkommission (IWC) nicht infrage. Um den Wal wurde eine Schutzzone eingerichtet, die nicht befahren werden darf.  Wie lange der Wal noch leben wird, ist unklar. Fachleuten zufolge liegt er im Sterben.