Datum10.04.2026 14:27
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche hat keine Kostenberechnungen für die geplante Grüngasquote im Gebäudesektor vorgelegt. Diese Quote, die ab 2028 eingeführt werden soll, könnte laut Experten zu erheblichen Mehrkosten für Verbraucher führen. Grüne kritisieren dies als "ideologischen Blindflug", da grundlegende Kostenprognosen fehlen. Das Ministerium verweist auf zukünftige Marktentwicklungen.
InhaltKatherina Reiche hat sich für eine Grüngasquote beim Heizen starkgemacht, obwohl ihr Ministerium die möglichen Kosten für Verbraucher bisher anscheinend nicht berechnet hat. Die Grünen monieren einen "ideologischen Blindflug". Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Das Bundeswirtschaftsministerium hat bisher keine Berechnungen durchgeführt, wie stark die geplante Quote für grünes Gas deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher künftig belasten könnte. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch hervor. "Etwaige Mehrkosten oder auch Bandbreiten solcher Mehrkosten können nicht beziffert werden", heißt es in dem Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Frage nach den Kosten werde man bei der Ausarbeitung des Gesetzes behandeln. Die Koalition hatte sich Ende Februar auf Eckpunkte für das sogenannte Gebäudemodernisierungsgesetz verständigt. Zu den Vereinbarungen gehört, ab 2028 eine Grüngas- und Grünheizölquote in Höhe von bis zu einem Prozent einzuführen. Die Quote soll danach kontinuierlich steigen. Bis zum Sommer soll auf Basis der Eckpunkte ein Gesetz erarbeitet werden. Fachleute warnen seit Längerem, dass die Quote sich als Kostentreiber für Verbraucher entpuppen könnte. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (DIW) von Anfang November könnten einem durchschnittlichen Zweipersonenhaushalt, der Gas für Raumwärme und Warmwasser einsetzt, schon bei einer Quote von sieben Prozent jährliche Mehrkosten von 178 Euro entstehen. Zuletzt warnte das Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI vor erheblichen Mehrkosten. Das Wirtschaftsministerium hat trotz dieser Warnungen offenbar bisher keine eigenen Berechnungen angestellt. "Die Entwicklung von Preisen und Kosten wird stark von der konkreten Ausgestaltung der Quote und den Marktgegebenheiten abhängen", schreibt es in seiner Antwort an Audretsch. Der aber fragt nun, wie man sich grundsätzlich auf eine solche Quote einigen kann, ohne zumindest erste Kostenprognosen anzustellen. "Frau Reiche rät zu mehr Gasheizungen, ohne jegliche Zahlen und Fakten zu den Kosten", moniert er. Das sei ein "ideologischer Blindflug". Audretsch kritisiert außerdem, dass Reiche in Interviews mit dem Deutschlandfunk und der ARD auf einzelne günstige Angebote für Grüngas auf dem Vergleichsportal Verivox verwiesen habe – obwohl das Portal im Durchschnitt davon ausgeht, dass die Beimischung von Grüngas die Tarife derzeit um 25 Prozent verteuern würde. Diese "faktenfreie Ideologie" führe die Menschen in Deutschland "in die Irre", kritisiert er. Reiche indes hatte unter anderem in der ARD erläutert, dass sich der Markt für Grüngas in den kommenden Jahren erst noch entwickeln werde. Dann würden sich auch entsprechende Preise bilden. Bei der Einführung des Biosprits habe das auch geklappt. Sie plädiere dafür, nicht jede mögliche Lösung vorab zu zerreden.