Datum10.04.2026 14:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRTrotz neuer Vorschläge werden keine Rettungsversuche für den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee unternommen. Das Schweriner Umweltministerium begründet dies mit dem Tierwohl und der Aussichtslosigkeit weiterer Bemühungen. Experten gehen davon aus, dass das Tier im Sterben liegt. Die Entscheidung wird von internationalen Gremien unterstützt. Parallel dazu prüft die Landesregierung Strafanzeigen gegen Personen, die Drohungen gegen Behörden und Helfer ausgesprochen haben.
InhaltDer an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal atmet weiterhin. Doch trotz neuer Vorschläge soll es keine Rettungsversuche mehr geben. Das Tier soll in Ruhe gelassen werden. Der in einer Bucht vor der Insel Poel im flachen Wasser der Ostsee liegende Buckelwal wird weiter in Ruhe gelassen. Rettungsversuche sollen mit Blick auf das Tierwohl nicht mehr unternommen werden, sagte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums nach einer Lagebesprechung. Mit Blick auf ein Angebot von privater Seite, den im Schlick liegenden Wal freibaggern zu wollen, sagte der Sprecher, es werde keine Genehmigung dafür geben. "Man würde das Tier nur weiterem Stress aussetzen und müsste davon ausgehen, dass es bei nächster Gelegenheit wieder strandet." Die Behörden haben eine 500-Meter-Schutzzone um den Wal gezogen, die nicht befahren werden darf. Fachleuten zufolge liegt das Tier im Sterben. Der Wal reagiere nicht mehr auf Boote, was laut Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland ein Zeichen für den Sterbeprozess sei. Am Dienstag hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens entschieden, den Wal in Ruhe sterben zu lassen. Diese Entscheidung wird auch von dem International Whaling Commission Strandings Expert Panel (IWC SEP) unterstützt. Es betont auch, dass das Tier durch weitere Rettungsversuche nur mehr leiden würde. Der gestrandete Buckelwal sorgt weiter für heftige Reaktionen – und könnte ein juristisches Nachspiel haben. Nach Anfeindungen gegen Behörden, Wissenschaftler und Helfer prüft die Landesregierung in Schwerin, Strafanzeigen zu erstatten. "Was strafrechtlich relevant ist, wird zur Anzeige gebracht", sagte der Sprecher des Umweltministeriums. Im Umwelt- und im Innenministerium würden entsprechende Äußerungen gesammelt und geprüft, hieß es. Drohungen richteten sich etwa gegen Behördenmitarbeiter, Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und Ehrenamtliche. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Ostseebad Insel Poel, Gabriele Richter (parteilos), verurteilte die Anfeindungen deutlich. Mit großer Sorge beobachte man das Verhalten einzelner Personen, "die ohne jegliche fachliche Qualifikation den zuständigen Stellen ein vorsätzliches, kriminelles Handeln zum Nachteil des Tieres vorwerfen oder sogar Morddrohungen gegen einzelne Personen aussprechen", teilte sie bei Instagram mit . Die Gemeinde distanziere sich ausdrücklich davon.