Datum10.04.2026 14:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRFahrzeugabwärme trägt spürbar zur Erwärmung von Städten bei, was bisher oft unterschätzt wurde. Forscher berechneten, dass der Verkehr die Temperaturen in Manchester um bis zu 0,35 Grad Celsius und in Toulouse um durchschnittlich 0,4 Grad erhöht. Diese Erwärmung kann Hitzewellen verschärfen und den Hitzestress erhöhen, auch in Innenräumen. Das neue Computermodell ermöglicht es, den Einfluss von Fahrzeugen auf die städtische Hitze besser zu verstehen und potenziell durch Elektromobilität zu reduzieren.
InhaltMotoren und Bremsen von Fahrzeugen treiben die Temperaturen in Städten nach oben. Forscher haben den Effekt genauer untersucht. Er wirkt klein, könnte aber unangenehme Folgen haben. In Städten staut sich Hitze im Sommer besonders stark – nun haben Forscher berechnet, wie stark Fahrzeuge durch Motoren, Bremsen und sonstige Abwärme direkt zu dieser Erwärmung beitragen. Dieser Beitrag sei bislang oft übersehen worden, heißt es im Fachjournal "Journal of Advances in Modeling Earth Systems" . Die Forschenden der Universität Manchester entwickelten ein Computermodell, in das sie Daten der Verkehrsbetriebe aus dem Großraum der Stadt sowie weitere öffentlich verfügbare Daten einspeisten. Das Modell wendeten sie auf Manchester sowie auf die französische Stadt Toulouse an. Für Manchester kam das Team zu dem Schluss, dass die direkt durch Verkehr verursachte Hitze die Temperaturen im Sommer um rund 0,16 Grad Celsius erhöht und im Winter um 0,35 Grad. Das dichter bebaute Zentrum von Toulouse erwärmte der Straßenverkehr im Jahresdurchschnitt um 0,4 Grad. Zwar mögen diese Differenzen klein erscheinen, könnten aber während extremer Hitzewellen relevant werden, schreiben die Autoren. Zur Einordnung: Seit den Siebzigerjahren erwärmte sich die Erde durch den Klimawandel im Schnitt um 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt; zuletzt beschleunigte sich die Entwicklung. Unter anderem untersuchten die Forscher eine Hitzewelle in Großbritannien aus dem Jahr 2022. Die Verkehrshitze erhöhte damals die Temperaturen in der Stadt am Nachmittag. Sie blieben bis in die Nacht hoch, was sich negativ auf den gesundheitsschädigenden Hitzestress auswirkte. Das Team fand außerdem heraus, dass die Erwärmung durch Fahrzeuge nicht nur die Außentemperatur erhöht, sondern auch Innenräume aufheizt. Auf der Straße verursachte Hitze könne in Gebäude gelangen und dort den Bedarf an Klimaanlagen vergrößern, schreiben die Autoren. Der Forscher Zhonghua Zheng von der Universität Manchester erklärte, die Forschung zur städtischen Wärmeentwicklung habe sich bisher auf Gebäude, Materialien und Bodenoberflächen konzentriert. Nun sei es möglich zu berechnen, wie sich die Wärme von Fahrzeugen sowie Straßen, Gebäuden und der Umgebung beeinflussen. In vielen Fällen trage der Verkehr ähnlich viel oder sogar mehr zum Entstehen urbaner Hitzeinseln bei wie Gebäude. Zusätzlich kann man mit dem Modell unterschiedliche Fahrzeugarten untersuchen. So kann beispielsweise simuliert werden, wie sich die Hitzebelastung verändert, wenn mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind. Diese erzeugen nur einen Bruchteil der Abwärme von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.