Abschiebungen aus Deutschland um ein Fünftel gestiegen

Datum25.10.2025 07:56

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Abschiebungen aus Deutschland sind von Januar bis September 2023 um etwa 20 % auf 17.651 gestiegen, im Vergleich zu 14.706 im Vorjahr. Linken-Innenexpertin Clara Bünger kritisiert diese Entwicklung scharf, insbesondere die Abschiebungen in Länder mit repressiven politischen Verhältnissen wie der Türkei. Unter den Betroffenen sind viele Kinder und ältere Menschen. Für 2024 werden rund 20.000 Abschiebungen erwartet, zudem plant Bundesinnenminister Dobrindt eine Wiederaufnahme von Abschiebungen nach Syrien.

InhaltVon Januar bis September mussten 17.651 Menschen Deutschland verlassen, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Linken-Innenexpertin Clara Bünger kritisiert diese Entwicklung scharf. Es ist eines ihrer Kern-Anliegen: Die CDU will Abschiebungen beschleunigen und ausweiten. Dieses Ziel hat sie in diesem Jahr straff verfolgt, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht. Demnach ist die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland in diesem Jahr deutlich gestiegen. Von Januar bis September wurden 17.651 Menschen abgeschoben, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 14.706. Das entspricht einem Anstieg von rund einem Fünftel, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet.   Die meisten Betroffenen wurden in die Türkei (1614) und nach Georgien (1379) abgeschoben. Bei fast jeder fünften Person 3.095 handelte es sich um ein Kind oder einen Jugendlichen. 275 Personen waren 60 bis 70 Jahre alt, 54 Menschen älter als 70 Jahre. Im Gesamtjahr 2024 wurden rund 20.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Die Linken-Innenexpertin Clara Bünger kritisierte die Entwicklung scharf. "Wenn es darum geht, die Zahl der Abschiebungen in die Höhe zu treiben, kennen die Behörden kaum noch Tabus", sagte sie der Zeitung. "Massenhafte Abschiebungen in ein Land wie die Türkei, das Linke, Kurden, Oppositionelle unterdrückt? Unter den aktuellen politischen Verhältnissen in Deutschland offenbar kein Problem", kommentierte Bünger. Die Verantwortlichen schreckten nicht davor zurück, Kinder und Jugendlichen abzuschieben, die in die Schule gehörten, oder alte und chronisch kranke Menschen. "Diese Politik verletzt die Menschenwürde der Betroffenen, sorgt für Angst und Schrecken unter Personen mit unsicherem Aufenthaltsrecht, und sie macht das Leben der Menschen in Deutschland kein Stück besser oder sicherer", sagte Bünger der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bald könnte auch Syrien als Land hinzukommen, in das mehr Menschen abgeschoben werden: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte angekündigt, noch in diesem Jahr eine Vereinbarung mit Syrien treffen zu wollen, um nach 14 Jahren wieder in das Land abschieben zu können. Zunächst soll es um Straftäter gehen. Mehrere Verwaltungsgerichte hatten zudem geurteilt, dass für arbeitsfähige Männer unter bestimmten Umständen kein sogenanntes Abschiebungsverbot für Syrien gilt.