Datum25.10.2025 07:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Konflikt mit der slowenischsprachigen Minderheit in Kärnten, der zuvor beruhigt schien, könnte durch jüngste Vandalismusakte an zweisprachigen Ortstafeln neu entfacht werden. Extremisten haben mehrere Schilder in der Region verunstaltet, was bei der slowenischen Gemeinde und anderen Anwohnern Besorgnis auslöst. Der Artikel reflektiert auch über die historische Eskalation des Konflikts und die Verwicklungen des Staates bei jüngsten Protesten, während eine Podcast-Serie die Beziehungen zwischen FPÖ und Burschenschaften thematisiert.
InhaltDer Konflikt mit der slowenischsprachigen Minderheit in Kärnten schien befriedet. Nun wollen ihn einige Extremisten neu entfachen. Und: der vierte Teil unseres Podcasts zu Österreichs Burschenschaften. Wir beschäftigen uns heute mit Ortsschildern in Kärnten, die einen alten Konflikt neu befeuern könnten. Außerdem: der vierte Teil unseres Podcasts zu Österreichs Burschenschaften. Vergangene Woche wurden in Kärnten wieder Ortstafeln beschmiert. An insgesamt acht Schildern in der zweisprachigen Region um Bleiburg/Pliberk und Bad Eisenkappel/Železna Kapla wurde die slowenische Ortsbezeichnung schwarz übermalt. Die Polizei ermittelt, sie geht aufgrund der vermuteten Route von ortskundigen Tätern aus. Ein Polizist erinnert sich: "Die letzte Ortstafel bei uns wurde 2022 beschmiert." Seit 2012 gab es 28 derartige Sachbeschädigungen. Die neuen Tafeln sind foliert, die Farbe ließ sich dieses Mal rasch und leicht entfernen. Der Ärger und die Verunsicherung in der slowenischen Gemeinde, aber auch bei den meisten anderen Bewohnern sind groß: Der Konflikt zwischen slowenisch sprechenden und deutsch-sprechenden Kärntnern schien längst überwunden, die zweisprachigen Ortstafeln sind eine Selbstverständlichkeit geworden, aber offenbar noch immer nicht bei allen. Es war Jörg Haider, der gerade auch als Landeshauptmann von Kärnten in den 2000er-Jahren den Streit um die Ortstafeln eskalierte, indem er sie abmontieren, versetzen, ersetzen oder umgestalten ließ. Dieser Konflikt konnte erst ein Jahrzehnt später beruhigt werden – und ist jedem Kärntner, vor allem der slowenischsprachigen Minderheit noch gut erinnerlich. Die jetzt verunstalteten Ortstafeln finden sich allesamt in direkter Umgebung oder auf den Anfahrtswegen zum Peršmanhof, einer bedeutsamen Gedenkstätte der Kärntner Slowenen. Dieser Hof beherbergt ein Museum zu Geschichte und Widerstand der Kärntner Slowenen während des Nationalsozialismus. Im April 1945 wurden hier vier Erwachsene und sieben Kinder der Familien Sadovnik und Kogoj von einem SS-Polizeiregiment ermordet. Obwohl die Täter bekannt waren, kam es auch nach dem Krieg nie zu einer Anklage. Im Juli 2025 kam es an dieser Stelle wieder zu einem Polizeieinsatz. Ein Großaufgebot der Polizei stürmte das Gelände, angeblich gab es Beschwerden über illegales Zelten und andere Verwaltungsübertretungen. Es gab Festnahmen. Der Klub slowenischer Studierenden in Wien hatte gemeinsam mit dem Museum ein antifaschistisches Bildungscamp organisiert. Es brauchte ganze drei Monate, bis Innenminister Gerhard Karner am Donnerstag schließlich einen Bericht der von ihm eingesetzten Untersuchungskommission vorlegen konnte. Fazit: Der Einsatz war rechtswidrig, der Einsatzleiter war dazu gar nicht befugt. Er wurde erst einmal von seiner Dienststelle versetzt, es gibt strafrechtliche und disziplinarrechtliche Anzeigen gegen den Beamten des Landesamts für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung. Andere hochrangige Beamte, die am Einsatz teilgenommen hatten und denen die Rechtswidrigkeit des Einsatzes und der Einsatzleitung bewusst gewesen sein müsste, wie etwa der Bezirkshauptmann, kommen ohne Verfahren davon. Eine Entschuldigung bei den so rüde behandelten jungen Menschen oder bei der slowenischen Volksgruppe kam Innenminister Karner trotz mehrfacher Nachfragen von Journalistinnen und Journalisten bei dieser Gelegenheit nicht über die Lippen. In der aktuell laufenden fünfteiligen "Inside-Austria"-Podcast-Serie dreht sich weiterhin alles um die Macht der Burschenschaften. In Folge vier betreten wir das Parkett der Parteipolitik – und der Wiener Hofburg, wo sich jedes Jahr Burschenschafter und das rechte "Who's who" Europas auf dem sogenannten Akademikerball treffen. Ausgerichtet wird dieser offiziell von der FPÖ, Landesgruppe Wien. Feiern, Tanzen, Networking – der Termin zeigt wie kein anderes Ereignis die Nähe der Partei zu den Burschenschaften. Doch wie weit reichen die Seilschaften wirklich? Wurde die FPÖ von den schlagenden Studentenverbindungen unterwandert? Der Ex-FPÖ-Politiker und ehemalige Corpsbruder Alexis Pascuttini kennt die Verflechtungen aus erster Hand. Er beschreibt seinen Aufstieg in der Grazer FPÖ – und erinnert sich an den Moment, als ihm klar wurde, wie weit der Einfluss der Studentenverbindungen reicht. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen aus Wien, Ihr Michael Völker, Ressortleiter Innenpolitik und Chronik, DER STANDARD Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.