Bildungsmisere: Forscher: Bildung muss Chefsache im Kanzleramt werden

Datum25.10.2025 04:30

Quellewww.zeit.de

TLDRBildungsforscher Klaus Zierer fordert, Bildung zur Chefsache im Kanzleramt zu machen, nachdem deutsche Schüler wiederholt bei Bildungsstandards versagen. Er spricht von einem "nationalen Bildungsnotstand" und kritisiert, dass milliardenschwere Programme seit dem Pisa-Schock keine Verbesserungen gebracht haben. Zierer plädiert für einen Sonderbeauftragten, der parteipolitische Ideologien überwindet und die Zusammenarbeit mit Bildungsexperten sicherstellt, um optimalen Bildungsbedingungen zu schaffen. Sein Appell erfolgt im Kontext des jüngsten IQB-Bildungstrends, der Defizite bei Neuntklässlern in Mathematik und Naturwissenschaften aufzeigt.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Bildungsmisere“. Lesen Sie jetzt „Forscher: Bildung muss Chefsache im Kanzleramt werden“. Nach dem erneut schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei einem Bildungsmonitor verlangt der Bildungsforscher Klaus Zierer einen Sonderbeauftragten für Bildung im Kanzleramt. "Unser Land ist am Tiefpunkt, was Wissen und Können, Interesse und Motivation beim Lernen betrifft", sagte der Augsburger Schulpädagoge. Man müsse von einem "nationalen Bildungsnotstand" sprechen. Mitte Oktober hatte der jüngste IQB-Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen Defizite bei Neuntklässlern in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften aufgezeigt. Jeder Dritte verfehlte in den Testaufgaben die Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss in Mathematik. Zuvor hatten auch bereits andere Studien schlechter werdende Leistungen der Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Jahrgangsstufen in Deutschland dokumentiert. "Politisch wird auf die jüngste Bildungspleite mit "Besorgnis" reagiert, aber der politische Kurs wird in der Regel nicht geändert, was wirklich besorgniserregend ist", sagte Zierer. Alle milliardenschweren Programme, die es seit dem Pisa-Schock vor rund einem Vierteljahrhundert gegeben habe, hätten offensichtlich nichts gebracht. "Bildung muss nun Chefsache werden, um die sich im Kanzleramt ein Sonderbeauftragter kümmert, der den Bildungsdiskurs von parteipolitischen Ideologien befreit, die Bildungsminister der Länder an die Hand nimmt und einen pädagogischen Kompass mitbringt", sagte der Ordinarius für Schulpädagogik der Universität Augsburg. Bisher sei Bildungspolitik in Deutschland vor allem fachfremde Parteipolitik. "Gute Bildungspolitiker strengen sich an, optimale Rahmenbedingungen für bestmögliche Bildung für die Schüler zu schaffen und beziehen dabei die Expertise von Fachleuten mit ein, auch wenn dies Parteiprogrammen oder persönlichen Karrieremotiven entgegensteht", meinte Zierer. Zierer hat zahlreiche Publikationen zu den Problemen der deutschen Schulen veröffentlicht. Er zählt zu den bekanntesten Schulpädagogen des Landes. © dpa-infocom, dpa:251025-930-205521/1