Nations-League-Halbfinale: Wie bei der EM, nur besser

Datum25.10.2025 00:18

Quellewww.zeit.de

TLDRIm Nations-League-Halbfinale gewinnen die deutschen Frauen gegen Frankreich 1:0 und setzen die positive Stimmung nach der EM fort. Trotz einiger verletzter Schlüsselspielerinnen zeigen die Deutschen eine starke Leistung, insbesondere Klara Bühl, die das entscheidende Tor erzielt. Bundestrainer Christian Wück hebt die spielerische Entwicklung hervor, während Spielerinnen wie Jule Brand und Camilla Küver auf sich aufmerksam machen. Kritisch bleibt jedoch die Chancenverwertung. Das Rückspiel in Frankreich steht bevor, wo die deutsche Mannschaft um den Einzug ins Finale kämpft.

InhaltWie beim epischen Sieg im Sommer gewinnen die deutschen Frauen gegen Frankreich. Mit der vertrauten Leidenschaft, aber neuen Gesichtern – und neuen Ideen. Alte, deutsche Partyregel: Wenn am Ende Wolfgang Petry läuft, war es ein gelungener Abend. Und weil der Stadion-DJ eben "Verlieben, verloren, vergessen, verzeih'n" spielte, gingen die deutschen Frauen gut gelaunt auf ihre Ehrenrunde in der Düsseldorfer Arena. In dicke lilafarbenen Jacken gehüllt, feierten sie mit den mehr als 37.000 deutschen Fans, die ebenso gut gelaunt ihre schwarz-rot-goldenen Fähnchen schwenkten und lauthals mitsangen. Aber ohne dich leben, jetzt ist es zu spät. Das 1:0 des DFB-Teams im Hinspiel des Nations-League-Halbfinals gegen Frankreich, das erste Länderspiel nach der EM im Sommer, schrieb in jedem Fall die gute Laune fort, die dieses Turnier dem deutschen Publikum machte. Das Spiel in Düsseldorf war nicht so spektakulär wie das letzte Aufeinandertreffen beider Mannschaften, aber welches ist das schon? Das EM-Viertelfinale im Sommer gehörte zu den herausragendsten Partien der deutschen Länderspielgeschichte. Nein, dieses Mal gab es keine frühe Rote Karte, kein Ausgleich in Unterzahl, kein Elfmeterschießen und erst recht keine instant ikonische Flugeinlage von Ann-Katrin Berger – allein schon, weil sie verletzt fehlte. Und dennoch gab es einige Gemeinsamkeiten zwischen beiden Partien. Allen voran: Deutschland hat gewonnen. Aber auch der Enthusiasmus, mit dem sich die deutschen Frauen in die Zweikämpfe schmissen, erinnerte an die EM. Doch dieses Mal gab sogar noch ein Update. Während die Elf bei der EM sich zwar in die Herzen der Fans kämpfte und rang, blieben spielerische Momente eher rar. In Düsseldorf aber zeigten die Deutschen, dass sie auch mit dem Ball etwas anzufangen wissen. Gegen eines der besten Teams des Kontinents waren sie die klar bessere Mannschaft.  "Das tut unglaublich gut – auch die Art und Weise. Heute hat man gesehen, was wir alles drauf haben, was für einen Fußball wir spielen wollen", sagte die Torschützin Klara Bühl. "Das war der nächste Schritt, den wir machen wollten nach der Europameisterschaft", sagte der Bundestrainer Christian Wück. Dabei hatte Wück vorher durchaus ein paar Denkaufgaben zu lösen. Es fehlte nicht nur die Torhüterin Berger, sondern mit Sarai Linder, Rebecca Knaak, Janina Minge und Giovanna Hofmann auch weitere wichtige Spielerinnen. Und als wäre das alles nicht genug, hatte sich am vergangenen Wochenende auch noch Lena Oberdorf zum zweiten Mal das Kreuzband gerissen. Jene Oberdorf, deren Präsenz und Strategentum der deutschen Mannschaft im Mittelfeld so guttäte. Dafür war Giulia Gwinn wieder mit dabei, zurück nach der Knieverletzung, wegen der sie bei der EM gleich im ersten Spiel weinend ausgewechselt werden musste. Gwinns Comeback setzte im deutschen Team eine kleine, aber höchst spannende Rochade in Gang: Carlotta Wamser, die Gwinn bei der EM rechts hinten gut vertreten hatte, rückte eine Position nach vorne. Dort spielt eigentlich Jule Brand, die dafür von Wück als Zehnerin ins Zentrum geschickt wurde. Da nämlich hatte Wück während der EM die größte spielerische Lücke ausgemacht. Ein Move, der aufging. Jule Brand ist die kreativste Spielerin im deutschen Team. Und weil sie, wenn sie auf Außen spielt, sowieso oft nach innen zieht, liegt es auf der Hand, also in diesem Fall eher auf dem Fuß, sie gleich in der Mitte zu lassen. Weil Jule Brand die neue Rolle sehr unorthodox interpretiert, mal hier auftaucht und mal dort, in der Defensive auch mal einen Ball abläuft und überhaupt sehr überraschende Ideen haben kann, fanden sich die Französinnen des Öfteren recht unsortiert wieder. Es klappte bei weitem nicht alles. Einige Male, gar nicht so selten, vertändelte Brand den Ball in aussichtsreicher Position, sah ihre Mitspielerinnen nicht, verpasste den richtigen Moment fürs Abspiel. Durchaus noch "Luft nach oben" sah Wück bei Brand. Aber man darf davon ausgehen, sie nicht zum letzten Mal auf dieser Position gesehen zu haben. Die zweite Spielerin, die sich bei dieser Partie in den Vordergrund spielte, war Camilla Küver. Die 22-jährige Innenverteidigerin vom VfL Wolfsburg machte ihr erstes Länderspiel. Wer ihr zusah, konnte glauben, es wäre ihr 50., so gelassen und stabil verteidigte sie gegen eine der besten Offensiven des Weltfußballs (Katoto! Diani! Cascarino!). Auch die anderen Jungen wie Carlotta Wamser (21), Franziska Kett (20) oder die eingewechselte Cora Zicai (20) machten durchaus Freude. Das große Aber an diesem Abend: die Chancenverwertung. Allein zwischen der 55. und 70. Minute hatte Deutschland gleich vier gute bis sehr gute Torchancen. Doch dreimal Sjoeke Nüsken und einmal die etwas überraschend als Mittelstürmerin startende Nicole Anyomi vergaben. "Das einzige Manko war die Effizienz vor dem Tor", sagte Christian Wück nach dem Spiel. So brauchte es eine typische Aktion der sehr aktiven Klara Bühl für das Tor des Tages. Von links zog sie nach innen und knallte den Ball auf den Kasten. Recht scharf, aber nicht unhaltbar. Am Dienstag tritt die deutsche Elf zum Rückspiel im französischen Caen an. Übersteht sie die Partie, steht sie im Finale der Nations League, könnte einen Titel gewinnen. Der Stadion-DJ wäre sicher bereit.