Datum22.10.2025 10:17
Quellewww.spiegel.de
TLDREin Lehrer an einer Gesamtschule in Dietzenbach, Hessen, steht unter Verdacht, das Gesicht einer 17-jährigen Schülerin mithilfe künstlicher Intelligenz in ein Pornobild montiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt wegen des Verdachts der Herstellung jugendpornografischer Inhalte. Der Lehrer wurde versetzt und hat keinen Kontakt mehr zu Schülern. Der Fall kam ans Licht, als er das Bild einem Kollegen zeigte. Die Ermittlungen dauern an, während Datenträger ausgewertet werden.
InhaltEin Lehrer an einer hessischen Gesamtschule soll das Gesicht einer minderjährigen Schülerin per künstlicher Intelligenz in ein Pornobild montiert haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Lehrer einer Gesamtschule im hessischen Dietzenbach soll mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) ein Bild erstellt haben, das ihn und eine Schülerin beim Sex zeigt. Die Staatsanwaltschaft Gießen teilte mit, dass bei ihr "seit Ende Juli 2025 ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts des Herstellens jugendpornografischer Inhalte gemäß § 184c StGB anhängig" sei. Dem beschuldigten Lehrer, der nicht vorbestraft ist, wird vorgeworfen, ein Foto vom Gesicht einer minderjährigen Schülerin mittels KI in ein pornografisches Bild integriert zu haben, hieß es. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet, die abgebildete Schülerin sei 17 Jahre alt. Nach Informationen der "Offenbach-Post" soll die Betroffene eine Realschülerin sein – und es sei üblich, "dass Realschüler bei Abschluss der zehnten Klasse in der Regel erst 15 bis 16 Jahre alt sind". Der Gießener Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger teilte auf SPIEGEL-Anfrage mit, dass bei einer Wohnungsdurchsuchung mehrere Datenträger wie Computer sichergestellt worden seien. Die würden aktuell ausgewertet. Das nehme "regelmäßig einige Monate in Anspruch", so Hauburger. "Die Ermittlungen, die sich nur gegen den beschuldigten Lehrer richten, dauern an." Weitere Auskünfte könnten derzeit aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht gemacht werden. Sind Sie selbst von Deepfake-Pornografie betroffen? Wurden von Ihnen gegen Ihren Willen falsche Nacktbilder generiert? Haben Sie tiefere Einblicke in das Geschäft mit den Fake-Aufnahmen? Der SPIEGEL recherchiert weiter zum Thema und freut sich daher über Hinweise. Schicken Sie uns bei prinzipiellem Interesse an einem Austausch gern eine E-Mail mit dem Betreff "Deepfakes-Recherche" an Netzwelt-Redakteur Max Hoppenstedt via max.hoppenstedt@spiegel.de. Etwaige Einsendungen dienen uns nur als Rechercheansätze, sie werden nicht veröffentlicht. Das zuständige Staatliche Schulamt für den Landkreis Offenbach äußerte sich auf Nachfrage nicht zur derzeitigen beruflichen Situation des Lehrers oder dazu, wie der Fall bekannt wurde. Es könne aber "grundsätzlich versichern, dass in Fällen, in denen dienst- und/oder strafrechtlich relevantes Verhalten bekannt wird, Schulleitung und Staatliches Schulamt umgehend die erforderlichen Schritte ergreifen". Wie die "Offenbach-Post" berichtet, sei der Pädagoge aufgeflogen, weil er das KI-Foto einem Kollegen gezeigt habe. Der habe den Fall sofort gemeldet, als er erkannt habe, dass die Realschülerin der Gesamtschule darauf abgebildet war. Der beschuldigte Lehrer sei daraufhin mit sofortiger Wirkung versetzt worden. Aktuell arbeite er zwar noch "an anderer Stelle" im Schuldienst, heißt es in dem Bericht – habe dort allerdings keinerlei Kontakt zu Kindern und Jugendlichen mehr.