Datum22.10.2025 14:37
Quellewww.spiegel.de
TLDRDIW-Chef Marcel Fratzscher kritisiert Kanzler Friedrich Merz scharf wegen seiner Äußerungen zur Migrationspolitik, die er als schädlich für die Wirtschaft und gesellschaftlich polarisierend ansieht. Merz' Kommentare über das "Stadtbild" und seine Aussagen zu Rückführungen wurden als diskriminierend wahrgenommen. Andere Ökonomen fordern mehr Differenzierung zwischen Fachkräftezuwanderung und humanitärer Migration. Fratzscher warnt, dass Merz' Position die Willkommenskultur und den Fachkräftemangel in Deutschland gefährdet.
InhaltErst sah er ein Problem im "Stadtbild", dann verwies er auf die "Töchter". Kanzler Merz erntet viel Kritik. Laut DIW-Chef Fratzscher schaden seine Aussagen der Wirtschaft. Auch andere Ökonomen verlangen mehr Differenzierung. Kanzler Friedrich Merz bekommt für seine "Stadtbild"-Aussagen in der Migrationspolitik weiter viel Widerspruch. Die Äußerungen könnten nicht nur gesellschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Folgen haben, befürchtet Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Seine jüngsten Äußerungen verschärfen die gesellschaftliche Polarisierung und richten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden an", sagte der Ökonom dem "Handelsblatt" . "Die Botschaft des Bundeskanzlers schwächt die Willkommenskultur Deutschlands und wird den Fachkräftemangel in Deutschland in den kommenden Jahren verschärfen." In den Ausführungen des Kanzlers sieht Fratzscher eine grundlegende Wahrnehmung des Landes: "Der Bundeskanzler scheint ein Problem darin zu sehen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dass das Stadtbild daher natürlich von Menschen mit Migrationsgeschichte geprägt ist." In der vergangenen Woche war Merz bei einem Termin in Potsdam auf das Erstarken der AfD angesprochen worden. Er sagte daraufhin unter anderem, dass man frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik korrigiere und Fortschritte mache. "Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen." Die Aussage wurde als diskriminierend und teilweise auch als rassistisch kritisiert. Am Montag hatte Merz nachgelegt. "Fragen Sie Ihre Kinder, fragen Sie Ihre Töchter, fragen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis herum: Alle bestätigen, dass das ein Problem ist – spätestens mit Einbruch der Dunkelheit", sagte er bei einer Pressekonferenz. Nicht nur Fratzscher vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sondern auch Knut Bergmann vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mahnt angesichts der hitzigen Diskussion zu mehr Differenzierung. "Man kann nicht oft genug darauf hinweisen: In der Migrationsdebatte wird zu wenig getrennt zwischen der Fachkräftezuwanderung einerseits und Menschen, die aus humanitären oder sonstigen Gründen nach Deutschland kommen", sagte Bergmann dem "Handelsblatt". Dass Deutschland ökonomisch die Zuwanderung von Fachkräften benötige, sei unstrittig. Wie Menschen im Internet auf Merz’ Töchter-Aussage reagieren, erfahren Sie hier.