Datum22.10.2025 14:21
Quellewww.zeit.de
TLDRDer italienische Fußballclub SS Juve Stabia wurde aufgrund mutmaßlicher Verstrickungen mit der Mafia, insbesondere der Camorra, unter Zwangsverwaltung gestellt. Ermittlungen deckten einen weitreichenden Einfluss der Mafia auf den Klub auf, der alle geschäftlichen Aktivitäten verwaltete. Juve Stabia bestreitet die Vorwürfe, plant jedoch Zusammenarbeit mit den Behörden. Der Präfekt von Neapel warnte vor möglichen Spielverlegungen, während die Staatsanwaltschaft auch in anderen Sportclubs Ähnliches erwartet. Italienische Behörden intensivieren Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität im Fußball.
InhaltDer italienische Fußballclub Juve Stabia aus der Nähe von Neapel soll fast vollständig von der Mafia unterwandert sein. Die Staatsanwaltschaft vermutet weitere Fälle. Der italienische Fußball-Zweitligist SS Juve Stabia ist wegen mutmaßlicher Verstrickungen mit der Mafia unter gerichtliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Bei Ermittlungen sei ein "System mafiaähnlicher Einflussnahme auf die wirtschaftlichen Aktivitäten des Clubs" aufgedeckt worden, teilten italienische Behörden mit. Juve Stabia hat seinen Sitz in der Stadt Castellammare di Stabia in der Nähe von Neapel, wo die Mafiaorganisation Camorra ihren Ursprung hat. Laut dem zuständigen Staatsanwalt verwaltete die Camorra beinahe das gesamte Vereinsgeschäft. "Die Spieler mussten nur spielen, die Camorra kümmerte sich um den Rest", zitierten italienische Medien Staatsanwalt Nicola Gratteri. "Die Reisen der Mannschaft, die Sicherheit, die Verpflegung, die Verwaltung der Eintrittskarten: Alles lag in den Händen der Camorra." Insbesondere die Camorra-Clans der Familien D'Alessandro und Imparato sollen beteiligt gewesen sein. Juve Stabia teilte mit, dass sich die Vorwürfe auf externe Dienstleister bezögen und weder Anteilseigner noch das derzeitige Management des Vereins unter Verdacht stünden. Der Klub beabsichtige, mit den Justizverwaltern zusammenzuarbeiten. Eine Gefahr sportlicher Sanktionen bestehe nicht. Die Maßnahmen der Zwangsverwaltung sehen vor, dass der Verein seine sportlichen Aktivitäten fortsetzen darf. Die Geschäfte werden jedoch unter Aufsicht eines Teams von Fachleuten gestellt. Der Präfekt von Neapel, Michele di Bari, schloss allerdings auch nicht aus, dass die nächsten Heimspiele des Clubs verschoben werden. Der ebenfalls zuständige Staatsanwalt Giovanni Melillo sprach von einem "besorgniserregenden Gesamtbild". Er geht davon aus, dass künftig ähnliche Fälle bei weiteren Sportclubs aufgedeckt werden, nicht nur im Fußball. Demnach könnten auch Regionen betroffen sein, in denen die Mafia traditionell weniger stark auftritt. Bereits im vergangenen Monat hatten Staatsanwälte in der Region Kalabrien ähnliche Maßnahmen gegen den Drittligisten FC Crotone unternommen. Die italienischen Behörden unternehmen derzeit verstärkt Ermittlungen gegen mögliche Infiltrationen des Fußballs durch organisierte Kriminalität und Ultragruppierungen.