Datum22.10.2025 10:08
Quellewww.zeit.de
TLDRÖkonom Marcel Fratzscher kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz' Aussage zur "Stadtbild"-Debatte, die seiner Meinung nach die Willkommenskultur in Deutschland schwäche und wirtschaftlichen Schaden anrichte. Fratzscher warnt, dass Merz’ Äußerungen die gesellschaftliche Polarisierung verschärfen und den Fachkräftemangel verschlimmern könnten. Merz hatte Migration mit dem Stadtbild in Verbindung gebracht und die Bundesregierung für ihre Migrationspolitik gelobt, was zu heftiger Kritik, auch von der SPD, führte. Der Leiter des IW betonte die Notwendigkeit, zwischen Fachkräftezuwanderung und humanitärer Zuwanderung zu differenzieren.
InhaltAuch der Ökonom Marcel Fratzscher kritisiert die "Stadtbild"-Aussage des Kanzlers: Sie schwäche die Willkommenskultur und richte erheblichen wirtschaftlichen Schaden an. Der renommierte Ökonom Marcel Fratzscher warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der "Stadtbild"-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). "Seine jüngsten Äußerungen verschärfen die gesellschaftliche Polarisierung und richten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden an", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung dem Handelsblatt. "Die Botschaft des Bundeskanzlers schwächt die Willkommenskultur Deutschlands und wird den Fachkräftemangel in Deutschland in den kommenden Jahren verschärfen." Merz hatte kürzlich die Themen Stadtbild, Migration und Abschiebepolitik in eine Verbindung gebracht und am Montag noch einmal bekräftigt, er habe hierbei nichts zurückzunehmen. Fratzscher sagte dazu: "Der Bundeskanzler scheint ein Problem darin zu sehen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dass das Stadtbild daher natürlich von Menschen mit Migrationsgeschichte geprägt ist." Merz hatte vergangene Woche gesagt, dass die Bundesregierung frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik korrigiere und Fortschritte mache und fügte an: "Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen." An dem Satz gab es viel Kritik, auch vom Koalitionspartner SPD und aus den eigenen Reihen. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um gegen Merz' Aussage zu demonstrieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mahnte zu mehr Differenzierung. "Man kann nicht oft genug darauf hinweisen: In der Migrationsdebatte wird zu wenig getrennt zwischen der Fachkräftezuwanderung einerseits und Menschen, die aus humanitären oder sonstigen Gründen nach Deutschland kommen", sagte der Leiter des IW-Hauptstadtbüros, Knut Bergmann, dem Handelsblatt. Dass Deutschland ökonomisch die Zuwanderung von Fachkräften benötige, sei unstrittig. Transparenzhinweis: Marcel Fratzscher ist Kolumnist der ZEIT.