Datum22.10.2025 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Hamburg sind derzeit Mäuse vermehrt ein Thema, insbesondere in Altbauten, wo sie durch Strukturen eindringen können. Ein Kammerjäger gibt Tipps zur Prävention. Zudem wurde ein berühmtes Gemälde von Oskar Kokoschka an der Uni Hamburg wieder installiert. Im politischen Bereich plant der Senat eine Regelabfrage bei Neueinstellungen im öffentlichen Dienst, um verfassungsfeindliche Aktivitäten zu prüfen. Der Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel hat sein Amt niedergelegt, nachdem er eine Zunahme antisemitischer Gewalt festgestellt hat.
InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – mit einem berühmten Kunstwerk an der Uni, einer Weltkriegsbombe am Flughafen und dem scheidenden Antisemitismusbeauftragten im Interview Alfredo kam spätabends. Meine Nachbarin hat ihn gehört. Sie sagt, da war auf einmal so ein Kratzen in der Wohnung. Sie haben dann Lichtfallen aufgestellt und einen Tag später eine Kamera, und siehe da, schon hatten sie ein schickes Video einer kleinen, grauen Maus, die über den Dielenboden huscht (und einen lustigen Namen für den neuen Mitbewohner). Alfredo hat sich nach dem Dreh noch am Mehl in der Küche satt gefressen und ist eine Weile in ihren Wänden herumgewuselt, seither herrscht in meinem Haus-Chat das Mäusefieber: Wie wird man die jetzt wieder los? Und stimmt es, dass ganz Eimsbüttel gerade von Mäusen überrannt wird? Ich habe also den Kammerjäger Thorsten Kindschuh angerufen, seine Firma sitzt in Stellingen. Kindschuh sagt, er habe durchaus viele Aufträge in Eppendorf und Eimsbüttel, aber einen Zuwachs der Mäuseplage nimmt er nicht wahr, das sei das ganze Jahr so. Grundsätzlich seien Gegenden, in denen viele Altbauten stehen, stärker geplagt als Neubausiedlungen. "In den Altbauten gibt es mehr Löcher und Schlitze, durch die Mäuse reinkönnen." Menschen in den Neubauten würden eher von Silberfischen heimgesucht, die nämlich fressen gern Schimmelsporen auf feuchten Oberflächen, und neue Häuser haben eher ein Feuchtigkeitsthema, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hat mir Kindschuh einige Ratschläge gegeben, die auch für all jene interessant sind, die (noch) nicht von Mäusen besucht werden, darum möchte ich sie Ihnen weiterreichen, schließlich sind Maus-Mitbewohner nicht nur etwas gruselig, sondern können manchmal auch krank machen (Salmonellen, Typhus, Parasiten, ja, das reicht schon an Aufzählung). Kindschuh sagt: Wenn Mäuse kommen, gebe es immer "bauliche Mängel". Wer die Tiere nicht (mehr) bei sich haben will, muss also dicht machen – alle Ritzen, Spalten und Löcher, im Keller, im Sockel, in der Fassade, den Fensterrahmen, den Lüftungsgittern und Rohrschächten und überhaupt überall, wo sie durchkönnten, und der Hausmaus reichen dafür sieben Millimeter. Hier werden also oftmals Dinge wie spezieller Mäusedraht, Bauschaum, Mörtel und manchmal auch neue Fenster benötigt, sonst kommen schnell die nächsten. Für mietende Menschen heißt das also: mit der Hausverwaltung sprechen. In den Wohnungen selbst muss man die Abfallbehälter geschlossen halten, die Vorräte in dicht schließenden Behältern aufbewahren, Krümel und Essensreste wegsaugen und so weiter, damit keine Maus was findet und ihre Freunde holt. Und es lohnt sich auch, Löcher und Schlitze zu stopfen. Das mit den Mäusen, es sei wirklich manchmal nervig, sagt er. Aber auch: "Wenn man da wirklich hinterher ist, kriegt man das auch hin." Seinen Job mag Kindschuh übrigens sehr gerne. Hier gebe es keine Krise, die Aufgaben seien sehr unterschiedlich, er sei viel unterwegs. Und am Ende seien ihm die Menschen immer dankbar. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Maria Rossbauer Im Philosophenturm der Universität Hamburg hängt nun seit gestern wieder ein berühmtes Gemälde des österreichischen Künstlers Oskar Kokoschka (1886–1980). Im Zuge von Sanierungsarbeiten an dem Gebäude wurde es 2019 eingelagert. Weil diese auch die Installation einer neuen Sprinkleranlage beinhalteten – die im Brandfall einen Hektoliter Wasser von der Decke aus im Raum verteilt –, ist das Werk nun auch mit einem wasserdichten, gläsernen Schutz ausgestattet. Das Gemälde mit dem Titel Thermopylae oder Der Kampf um die Errettung des Abendlandes fertigte Oskar Kokoschka 1954 für die Uni Hamburg an. Es zeigt in drei Szenen die griechische Erzählung der Schlacht an den Thermopylen, überliefert vom antiken Geschichtsschreiber Herodot. Der Senat hat einen Gesetzentwurf zur Einführung der Regelabfrage beschlossen. Damit sollen ab kommendem Jahr unter anderem bei Neueinstellungen im öffentlichen Dienst beim Landesamt für Verfassungsschutz mögliche verfassungsfeindliche Aktivitäten abgefragt werden können. "Wer die freiheitliche demokratische Ordnung ablehnt, kann nicht für den Staat arbeiten, der auf diesen Grundsätzen aufbaut", hieß es dazu in einer Mitteilung des Senats. Der Innenexperte der SPD-Fraktion, Sören Schumacher, nannte die Entscheidung einen wichtigen Schritt. Verfassungsfeinde würden gezielt versuchen, demokratische Institutionen zu unterwandern und ihren Einfluss auszubauen. Kritik kam von den Linken und der AfD. "Mit der geplanten Regelanfrage führt der Senat unsere Stadt zurück in die Zeiten der Berufsverbote", sagte der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Deniz Celik. Die Bürgerschaft muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen. Auf einer Baustelle am Hamburger Flughafen ist zwischen einem Parkhaus und einem weiteren Gebäude gestern eine Weltkriegsbombe gefunden worden. Zur Entschärfung kam der Kampfmittelräumdienst, es wurde ein Sperrradius von 50 Metern eingerichtet. Wie der Flughafen mitteilte, wurde der Flugbetrieb davon aber nicht beeinträchtigt. • Ein 53-jähriger Mann ist am Dienstag im Bahnhof in Harburg mit seinem Rollstuhl in ein Gleis gestürzt. Nur wenige Sekunden später fuhr ein Zug ein, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Während der Rollstuhl liegen blieb und vom Zug überrollt wurde, habe der Mann es geschafft, sich neben dem Gleis in Sicherheit zu bringen. Er wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht • Im Hauptbahnhof hat ein Mann versucht, Kosmetik und Parfüms zu stehlen. Der 44-Jährige hat dazu laut Bundespolizei in einem Drogeriemarkt die Waren im Wert von mehr als 1.400 Euro in seiner Reisetasche verstaut und wollte damit unbemerkt den Laden verlassen, ein Ladendetektiv hielt den Mann aber auf und stellte ihn • Die Veolia Towers Hamburg haben gestern im EuroCup gegen das litauische Team Neptunas Klaipeda mit 88:97 verloren. Es war die neunte Niederlage in Folge des Basketball-Bundesligisten Der Hamburger Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel legt sein Amt nieder. Hamburg habe keine Konzepte gegen Judenhass, kritisiert er. Doch das ist noch nicht alles. Oskar Piegsa und Christoph Twickel aus der ZEIT:Hamburg haben mit ihm gesprochen, lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Interview: Im April 2021 berief der Hamburger Senat Stefan Hensel als ersten Antisemitismusbeauftragten der Stadt. In dieser ehrenamtlichen Tätigkeit hat Hensel mehrere Vorhaben begleitet, um das Bewusstsein für Antisemitismus zu stärken, etwa eine große Dunkelfeldstudie zum Thema. Seine Amtsführung blieb nicht ohne Kritik. Nachdem er zusammen mit seiner Tochter im Sommer selbst Opfer eines gewaltsamen Übergriffs wurde, hat sich Hensel nun entschlossen, das Amt abzugeben. DIE ZEIT: Herr Hensel, vier Jahre und drei Monate lang waren Sie Hamburgs erster Antisemitismusbeauftragter. Nun ist Ende des Jahres Schluss. In Ihrer Rücktrittserklärung schreiben Sie, der zeitliche Aufwand und die "anhaltende Konfrontation mit Hass und persönlichen Übergriffen" seien "im Rahmen eines Ehrenamts für mich nicht mehr vereinbar". Können Sie das ausführen? Stefan Hensel: Was wir seit dem 7. Oktober 2023 und dem Massaker der Hamas in Israel erleben, hätte ich mir nicht vorstellen können. Weil antisemitische Gewalt auf der Straße zugenommen hat, gibt es kein öffentliches jüdisches Leben mehr. Die Davidsterne sieht man nicht mehr. Die Kippot sind unter Basecaps verschwunden. Wenn man zu einer Veranstaltung will, muss man sich aus Sicherheitsgründen vorher anmelden. ZEIT: Werden antisemitische Übergriffe aus Ihrer Sicht nicht ernsthaft genug bekämpft? Hensel: Wir brauchen eine Datengrundlage, wenn wir eine Präventionsstrategie machen wollen. Wer sind die Täter? Wo kommen sie her? Was sind ihre ethnischen Hintergründe, was ihr Sozialgefüge? Auch in Hamburg heißt es dazu oft, man wolle keine "Diskriminierung reproduzieren", so ähnlich argumentiert man auch bei schwulen-, lesben- oder transfeindlicher Gewalt. Wir wissen aber, wovor Juden Angst haben: In westdeutschen Großstädten sind es eher junge muslimische Männer. In Ostdeutschland sind es eher junge Neonazis. Hier in der Stadt gibt es auch eine Gemengelage zwischen Islamisten und Linksextremen, die jüdischen Menschen Angst macht. ZEIT: Sehen Sie auch die Gefahr, dass der Antisemitismusvorwurf instrumentalisiert wird, um migrantische und muslimische Menschen in eine Ecke zu stellen? Hensel: Klares Ja. Es war schon immer so, dass Juden von politischen Kräften instrumentalisiert wurden. Und es macht mir große Sorgen, wenn der Kampf gegen Antisemitismus plötzlich an der politischen Gesinnung hängt. Nehmen wir die USA: Dort war es vor Trump Konsens, sich gegen Antisemitismus und für das Existenzrecht Israels einzusetzen, unabhängig davon, ob man die Republikaner oder die Demokraten wählte. Inzwischen haben sich die Demokraten weitgehend von diesem Engagement verabschiedet, es ist nahezu komplett im Trump-Lager gelandet. Oder wenn sich Marine Le Pen, eine Rechtsextreme, plötzlich als Schutzmacht der Juden geriert, dann ist das ein Problem. Aber es ist nicht das Problem von uns Juden, es ist das Problem der Mehrheit, die die Juden fallen gelassen hat. Was Stefan Hensel in seiner Arbeit als Antisemitismusbeauftragter belastet hat und auf welche Erfolge er stolz ist, lesen Sie in der vollständigen Version des Artikels auf zeit.de. "Sie beherrschen die Kunst der Diskretion meisterhaft. Und sie werden mehr." In Deutschland gibt es 184 Milliardäre. Die meisten leben so diskret, dass Forscher ihr schnell wachsendes Vermögen nur schätzen können. Hamburg hat mit 18 Milliardären die höchste Dichte: rund zehn Milliardäre pro eine Million Einwohner. Unser Bild zeigt den Hamburger Unternehmer und Milliardär Michael Otto. Was wir über all diese Superreichen in Deutschland wissen, haben Marilena Piekser und Julius Tröger in diesem Datenstück auf zeit.de dargestellt. Heute startet die Sonderausstellung Mythos Superhelden – Von Herakles zu Supermanim Archäologischen Museum in Harburg. Die Schau stellt Superhelden aus Film und Comic den antiken Göttern aus alten Sagen und Legenden gegenüber. Passend zur Ausstellung bietet das Museum ein Veranstaltungsprogramm mit einer Mischung aus Führungen, Mitmachaktionen und Vorträgen an. "Mythos Superhelden – Von Herakles zu Superman", Sonderausstellung (bis 26.4.2026), Eröffnung am 22.10.; Archäologisches Museum Hamburg, Museumsplatz 2, Harburg, Di–So, 10–17 Uhr; Eintrittskarten gibt es hier Mutter stolz zur neunjährigen Tochter, nachdem sie eine Konzertankündigung für die deutsche Geigen-Virtuosin Anne-Sophie Mutter gesehen hat: "Ich habe übrigens Anne-Sophie Mutter mehrfach persönlich gehört." Antwortet die Tochter trocken: "Ich nicht – und zwar mehrfach." Gehört von Sven Holger Philippsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.