Louvre-Coup in Paris: Das sind die spektakulärsten Museumsüberfälle der Welt

Datum20.10.2025 17:10

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Louvre in Paris gelang es unbekannten Tätern, mehrere Vitrinen auszuräumen, wobei sie einen Teil ihrer Beute – eine Krone von Kaiserin Eugénie – auf einem Gehsteig zurückließen. Der Artikel beleuchtet spektakuläre Museumsüberfälle weltweit, darunter den Diebstahl der Mona Lisa 1911, den Kunstraub in Rotterdam 2012 und den rätselhaften Coup im Isabella Stewart Gardner Museum 1990. Ebenso werden der Überfall auf das Grüne Gewölbe in Dresden 2019 und der Diebstahl der "Saliera" in Wien 2003 beschrieben, die zeigen, wie innovativ und riskant Kunstdiebe agieren.

InhaltDie einen nutzen Verkleidung, die anderen die Promillezahl der Wachleute: Auf ihren Beutezügen kommen Kunstdiebe auf die kuriosesten Ideen. Nicht nur was den Tathergang angeht, auch das Diebesgut verblüfft. Der Überblick. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Kaum ein Museum ist so gut gesichert wie der Pariser Louvre: Einlassbeschränkungen, Videoüberwachung, Alarmsysteme, Securitys, Objektschutz. Trotzdem ist es bislang unbekannten Tätern am vergangenen Wochenende gelungen, mehrere Vitrinen im ersten Stock auszuräumen. Auf ihrer Flucht verloren sie allerdings einen Teil ihres Diebesguts: Eine Krone von Kaiserin Eugénie wurde laut Medienberichten auf einem "Gehsteig" gefunden. Ähnlich spektakuläre Überfälle gab es auch andernorts. Hier die aufsehenerregendsten Fälle des 20. und 21. Jahrhunderts. Der letzte große Coup im Louvre liegt bereits ein gutes Jahrhundert zurück und er betraf das bekannteste Exponat des Museums, die Mona Lisa. 1911 ließ sich der Handwerker Vincenzo Peruggia, der zuvor im Auftrag einer Glaserei an mehreren Werken im Louvre gearbeitet hatte, nach Feierabend im Museum einschließen. Er wartete eine Weile, hängte die Mona Lisa – die damals in einer schnöden Reihe zwischen anderen Werken ausgestellt war – ab und stahl sich davon. Den Rahmen montierte er ab und ließ ihn in einem Treppenhaus zurück, das berühmte Bild steckte er sich unter seinen Malerkittel und spazierte aus dem Museum. Einen ganzen Tag lang bemerkte niemand das Fehlen des Gemäldes, wohl auch, weil der Louvre damals montags, kurz nach dem Coup, geschlossen war. Der Diebstahl schlug riesige Wellen, zwischenzeitlich wurde sogar Pablo Picasso verdächtigt, Drahtzieher des Ganzen zu sein. Picasso hatte tatsächlich Raubkunst aus Museen in seinen Besitz gebracht, nicht jedoch die Mona Lisa. Peruggia versteckte das Werk zwei Jahre lang bei sich zu Hause in einer Truhe. Im November 1913 meldete er sich via Brief beim Florentiner Kunsthändler Alfredo Geri und bot ihm das vermisste Werk zum Kauf an. Peruggia, selbst Italiener, war überzeugt, dass die Mona Lisa in ihre Heimat zurückkehren solle. Das Gemälde war Anfang des 16. Jahrhunderts vom aus der Toskana stammenden Multitalent Leonardo da Vinci gefertigt worden. Geri ging zunächst auf das Angebot ein, beide Männer trafen sich einen Monat später in Florenz. Dort begutachtete Geri das Gemälde, stellte aufgrund von charakteristischen Rissen und der aufdruckten Inventarnummer des Louvre dessen Echtheit fest und vereinbarte für den Folgetag den Kauf. Stattdessen informierte der Kunsthändler die Polizei, die Peruggia festnahm und die Mona Lisa sicherstellte. Peruggia wurde aufgrund von mangelnder geistiger Zurechnungsfähigkeit lediglich zu einer kurzen Gefängnisstrafe verurteilt, die mit seiner Untersuchungshaftzeit verrechnet wurde. Er verließ das Gericht als freier Mann und starb an seinem 44. Geburtstag 1925 in Frankreich an einer Bleivergiftung. Im Oktober 2012 drangen in den frühen Morgenstunden mehrere Täter in die Sonderausstellung "Avant-Gardes" in der Rotterdamer Kunsthal ein, für die sich das Museum die Werke mehrerer berühmter Künstler geliehen hatte. In einem irrsinnigen Tempo und mit extremer Präzision lösten sie sieben Gemälde von Weltrang aus ihren Rahmen, darunter Picassos "Tête d’Arlequin", Monets "Waterloo Bridge" und Gauguins "Femme devant une fenêtre". Der Coup war auffallend schlicht und effizient und kam ohne Gewalt aus. Die Täter drangen blitzartig während einer kurzen Nachtlücke im Sicherheitsregime ins Museum ein und verließen es nur Minuten später mit dem Diebesgut wieder. Später wurden mehrere Verdächtige in Rumänien gefasst – und ab da wurde es kurios: Die Mutter von einem der Männer behauptete, die Bilder aus Angst vor Entdeckung und um ihren Sohn zu schützen, im Ofen verbrannt zu haben – eine Aussage, die nie vollständig verifiziert werden konnte. Die Diebesbande hatte zuvor vergeblich versucht, die Gemälde zu veräußern; bis heute gelten die meisten Werke als verschollen. Über den Marktwert der Bilder kursieren in Fachkreisen und Medien Schätzungen zwischen 50 und 100 Millionen Euro. Andere Angaben reichen bis zu 310 Millionen Euro. Der Coup wirkte fast absurd einfach: In der Weihnachtsnacht 1985 verübten zwei junge Männer den größten Kunstraub der mexikanischen Geschichte im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt. Die beiden Studenten kletterten über ein unbewachtes Dach, umgingen die eher primitive Alarmanlage und stiegen mit improvisierten Werkzeugen in die Ausstellungsräume hinab. Anschließend sackten sie 124 Objekte von unschätzbarem Wert ein – darunter die weltberühmte Jade-Maske des Königs Pakal, filigrane Goldschmiedearbeiten und präkolumbische Skulpturen – und transportierten sie in Sporttaschen hinaus. Die Männer hatten das Museum in den sechs Monaten vor dem Diebstahl etwa fünfzigmal besucht. Dabei studierten sie den Gebäudeaufbau, lernten die Überwachungsmuster kennen, machten Fotos, fertigten Skizzen an und recherchierten den Wert bestimmter Kunstwerke. Am Tatabend feierte der Großteil des eingesetzten Sicherheitspersonals, das eigentlich alle zwei Stunden durch die gut zwei Dutzend Räume patrouillieren sollte, gemeinsam Weihnachten: Ermittler fanden später im Museum Kekse und Gläser mit Alkoholrückständen. Die Täter flohen mit den gestohlenen Artefakten mit einem Volkswagen aus dem Museum und brachten sie im Elternhaus eines der Männer unter. Die Suche nach den Männern und ihrer Beute verlief zunächst erfolglos. Einige Jahre nach dem Diebstahl versuchte einer der Täter, einem Drogenboss aus Acapulco die Werke zu verkaufen. Als dieser kurz darauf wegen anderer Vorwürfe festgenommen wurde, gestand er auch, über den Verbleib der Stücke aus dem Nationalmuseum Bescheid zu wissen. Die Ermittler durchsuchten anschließend das Elternhaus und entdeckten 111 der 124 gestohlenen Stücke, eingewickelt in Toilettenpapier und in einer Sporttasche verstaut. Von den restlichen Stücken waren zwei von einem der Täter gegen Kokain eingetauscht worden, vier weitere gelten als verschollen. Die übrigen werden dem anderen Täter zugeschrieben, der bis heute mitsamt seiner Beute verschwunden ist. Das Motiv des Duos wurde nie final aufgeklärt – obwohl der Mann, in dessen Elternhaus die Stücke entdeckt wurden, verurteilt wurde und mehr als ein Jahrzehnt im Gefängnis verbrachte. Nach seiner Entlassung wurde er ermordet. Der vielleicht spektakulärste Kunstraub der Moderne ereignete sich in der Nacht zum 18. März 1990 im Isabella Stewart Gardner Museum im US-amerikanischen Boston. Zwei als Polizisten verkleidete Männer erschienen vor den Nachtwärtern des Museums und behaupteten, sie seien wegen einer Ruhestörung gerufen worden. Die überrumpelten Nachtwärter ließen die beiden Fake-Cops ein und wurden sogleich gefesselt und im Keller festgesetzt. Anschließend zogen die Diebe knapp eineinhalb Stunden lang durch die Räumlichkeiten und entfernten mit erstaunlicher Zielstrebigkeit mehrere Meisterwerke aus ihren Rahmen. Unter den 13 gestohlenen Bildern waren Rembrandts "Die Sturmfahrt" und "Mann mit Barett" und Vermeers "Konzert". Letzteres ist eines von nur etwa drei Dutzend erhaltenen Werken des niederländischen Malers Jan Vermeer und gilt als das wertvollste verschollene Gemälde der Welt. Insgesamt belief sich der Gesamtwert des Diebesguts auf mehr als 500 Millionen US-Dollar. Damit gilt der Kunstraub von Boston in der Kriminalgeschichte als jener mit der wertvollsten Beute. Die Auswahl der Bilder scheint jedoch rätselhaft, da die Diebe mehrere andere sehr bedeutende und wertvolle Kunstwerke verschmähten. Das zweite Obergeschoss, in dem sich mit Tizians "Raub der Europa" ein Gemälde von unschätzbarem Wert befand, betraten die Täter nicht einmal, obwohl sie sehr lange Zeit für ihren Raubzug hatten. Zurück blieben – bis heute! – leere Rahmen an den Wänden als stumme Zeugen des spektakulären Coups. Die namensgebende Stifterin des Museums hatte vor ihrem Tod verfügt, dass die ausgestellten Kunstwerke ohne jegliche Veränderung in der von ihr bestimmten Weise präsentiert werden. Das schließt auch Verkäufe und Zukäufe aus. Als Erinnerung an die fehlenden Werke und als Platzhalter für deren erwartete Rückkehr wurden deshalb die zurückgelassenen Rahmen wieder aufgehängt. Das FBI rechnet den Raub der Organisierten Kriminalität zu. Tatsächlich ist der Fall bis heute ungelöst: Trotz weltweiter Fahndung, Millionenprämie und zahllosen Spuren blieben sowohl Täter als auch Beute verschwunden. Die Ausstellung im Munch-Museum im norwegischen Oslo war an diesem 22. August 2004 gut besucht, als plötzlich zwei maskierte Männer in den Raum stürmten. Sie zwangen Personal und Besuchende in Deckung und rissen Edvard Munchs "Der Schrei" (Version von 1910) sowie die "Madonna" direkt von der Wand, bevor sie in einem Fluchtwagen entkamen. Der Coup dauerte nur wenige Minuten und legte eine zentrale Schwäche offen: Die Werke hingen – aus konservatorischen Gründen – ohne schweres Panzerglas. Nach den Angreifern wurde im ganzen Land gesucht. Doch erst zwei Jahre später konnten sechs Tatverdächtige geschnappt werden – und zwar bei einem Überfall auf ein Gelddepot in Stavanger. Noch im selben Jahr begann der Prozess gegen die Männer, die vermutlich der Organisierten Kriminalität zugehörig waren. Ebenfalls 2006, fast genau zwei Jahre nach der Tat, konnte die norwegische Polizei die beiden gestohlenen Bilder bei einer Razzia sicherstellen. Die Ermittler hatten zuvor nach Medienberichten einen Hinweis eines der Verurteilten auf den Verbleib der Gemälde bekommen. Die Werke waren bei dem Überfall und wegen der anschließenden, nicht fachgerechten Aufbewahrung in einem ramponierten Zustand. Das Munch-Museum zeigte die Exponate zunächst einige Tage lang unrestauriert, da das Interesse der Bevölkerung riesig war. Später wurde bekannt, dass der "Schrei" durch den Raub derart zerstört wurde, dass eine vollständige Restaurierung nicht möglich ist. Vor allem Feuchtigkeitsschäden am unteren linken Rand seien schwer auszubessern, hieß es vom Museum. Bei der Flüssigkeit handelte es sich sehr wahrscheinlich um Wasser, das deutlich sichtbare Spuren auf dem Gemälde hinterlassen hat. Ebenso gab es Farbabrieb und Risse auf dem Papier. Der restaurierte "Schrei" wird mittlerweile wieder ausgestellt – allerdings mit deutlich verstärkten Sicherheits- und konservatorischen Maßnahmen. In der Nacht auf den 25. November 2019 fiel in einigen Teilen der Dresdner Innenstadt der Strom aus. Wenige Minuten später drangen maskierte Täter ins historische Grüne Gewölbe der Dresdner Residenz ein, schlugen mit einer Axt auf mehrere Vitrinen ein und entwendeten im Schein ihrer Taschenlampen wertvolle Juwelen. Nach wenigen Minuten war der Beutezug schon beendet, die Täter versprühten Feuerlöschpulver, um Spuren zu verwischen, und flüchteten mit einem hellen Audi. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus: Die Männer hatten zuvor einen Stromkasten unter dem Dresdner Pegelhaus mittels eines brennenden Kochtopfs abgefackelt, wodurch der Stromausfall ausgelöst worden war. Bereits Tage vor dem Einbruch hatten sie zudem acht Streben eines schmiedeeisernen Fenstergitters durchtrennt und das herausgeschnittene Dreieck anschließend mit Klebematerial wieder eingesetzt, um in der Tatnacht schneller Zugang zum Museum zu haben. Die Täter stahlen Schmuckstücke von teils unbezifferbarem Wert, darunter mehrere hochkarätige Diamant- und Brillantgarnituren aus dem 18. Jahrhundert. Befürchtet wurde, dass die wertvollen Stücke womöglich in Einzelteile zerlegt, eingeschmolzen oder umgeschliffen werden könnten, denn als intakte Stücke schienen sie unverkäuflich. Auch deshalb gab es zunächst keine verlässlich geschätzte Schadenssumme; zwischenzeitlich war von bis zu einer Milliarde Euro die Rede. Der Fall wurde schnell mit dem Berliner Remmo-Clan in Verbindung gebracht. Die Ermittler nahmen mehrere Verdächtige fest, die 2023 zu teils langen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Ein Teil der Beute tauchte Ende 2022 nach einem Deal der Verteidigung mit den Ermittlern wieder auf und wurde nach Prüfung an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurückgegeben. Einige Stücke waren in tadellosem, andere in schwerbeschädigtem Zustand. Ein Teil der Beute, darunter eine große Brustschleife, ist bis heute verschwunden. Die "Saliera", ein filigran vergoldetes Salzfass, von Benvenuto Cellini ist eins der weltweit berühmtesten Goldschmiedewerke. Am 11. Mai 2003 verschwand es aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien und zunächst konnte sich niemand einen Reim darauf machen, wie. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus: Es handelte sich um einen einzelnen Täter, der nachts eins der Fenster einschlug, ins Museum kletterte und die "Saliera" aus ihrer Vitrine nahm. Bis auf das zu Bruch gegangene Glas hinterließ der Dieb keinerlei Spuren, die Ermittler tappten deshalb auf der Suche nach dem Verbleib von Täter und Beute lange Zeit im Dunkeln. Der Fall war so spektakulär, dass sich auch das FBI einschaltete und die "Saliera" auf Platz fünf der wertvollsten gestohlenen Kunstgegenstände listete. Im Juni 2006 gab das österreichische Bundeskriminalamt dann bekannt, dass ihm im vorangegangenen Oktober ein goldener Dreizack zugeschickt worden war. Zudem veröffentlichte es Fotos einer Überwachungskamera, die einen Tatverdächtigen zeigen sollten. Der Mann hatte in einem Mobilfunkgeschäft in Wien ein Wegwerfhandy gekauft, von dem aus eine Erpressungs-SMS an eine Versicherung geschickt worden war. Darin hieß es laut den Ermittlern, dass die "Saliera" eingeschmolzen werde, sollte man sie nicht für 10 Millionen Euro freikaufen. Der Gezeigte wurde nach der Öffentlichkeitsfahndung erkannt und stellte sich tags darauf der Polizei. Er legte ein Geständnis ab und führte die Polizei wenig später zu einem Waldstück, wo er das Salzfass in einer Kiste verpackt vergraben hatte. Es war überraschend gut erhalten. Bei dem Täter handelte es sich um den Besitzer einer örtlichen Alarmanlagenfirma. Er gab an, Schwachstellen im Alarmsystem des Museums entdeckt und die "Saliera", als er betrunken war, daraufhin gestohlen zu haben. Er wurde zu mehreren Jahren Haft verurteilt, aber nach zwei Jahren und neun Monaten vorzeitig entlassen.