So reagiert das Netz auf Merz' Töchter-Aussage

Datum21.10.2025 16:39

Quellewww.spiegel.de

TLDRFriedrich Merz' Aussage, Migranten seien ein "Problem im Stadtbild", hat in den sozialen Medien heftige Reaktionen ausgelöst, besonders von Müttern und Töchtern, die betonen, dass ihre Ängste eher Autos und andere Gefahren betreffen. Viele kritisieren Merz' Sichtweise als spaltend und fordern mehr Fokus auf Themen wie Sicherheit, Klimapolitik und Frauenrechte. Ein neu gegründeter Instagram-Account, "Töchter gegen Merz", mobilisiert Frauen, ihre Erfahrungen zu teilen. Ein Protest unter dem Motto "Wir sind die Töchter" ist geplant.

Inhalt"Fragen Sie Ihre Töchter": So hat der Kanzler seine umstrittene "Stadtbild"-Aussage verteidigt. Zahlreiche Mütter haben genau das getan. Deren Töchter fürchten sich offenbar eher vor Monstern und Autofahrern als vor Menschen mit Migrationshintergrund. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Es hatte wohl kaum jemand gedacht, dass der Aufruhr noch größer werden würde. Angesprochen auf seine Aussage, Migranten seien ein "Problem im Stadtbild", legte Friedrich Merz (CDU) am Montag noch einmal nach. Er habe nichts zurückzunehmen, sagte der Bundeskanzler: "Alle bestätigen, dass das ein Problem ist – spätestens mit Einbruch der Dunkelheit." Man solle seine Töchter fragen, dann verstehe man schon, wie er den Satz meine. Ebendiese Töchter, von denen viele auch Mütter, Schwestern, Freundinnen und Partnerinnen sind, reagierten schnell. Das Netz ist voll von bissigen Kommentaren, Videos und Sharepics zu Merz' Aussage. Zustimmung gibt es selten. Mehr als 70.000 Likes sammelte etwa ein TikTok von Elisabeth Stanzl  , Mitglied der Grünen und Mitarbeiterin beim Nabu. Darin fragt sie ihre Tochter, wie sie das Stadtbild finde. Das Mädchen sagt, es dürfe gern "ein bisschen bunter" sein, außerdem würden "die Autos halt so kacke fahren". Alles in allem fühle sie sich aber sehr sicher. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Stanzls Parteikollege Marcel Emmerich teilt auf Instagram ein scherzhaftes Diagramm : Merz spreche ihm zufolge nur über Töchter, wenn Angst geschürt werden soll. Der Bundeskanzler "spaltet das Land, statt es zusammenzuhalten", heißt es. Auch aus der schwarz-roten Koalition kommt Kritik. Carmen Wegge, Sprecherin der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion, schreibt auf Instagram , sie habe mit ihrer Tochter über Merz' Gedanken gesprochen. "Aber meine Tochter versteht ihn nicht, denn für sie sind migrantisch gelesene Menschen im Stadtbild kein Problem." Einige Stimmen vermissen in der Politik des Kanzlers andere Themen, die junge Menschen oder Frauen bewegen. Die Journalistin und Autorin Teresa Bücker schreibt auf der Plattform Bluesky : "Gebe jemanden ein Eis aus, der Merz bei einer nächsten PK fragt, welche Klimapolitik Deutschland denn machen würde, wenn er sich da auch an jungen Frauen orientiert." In der Kommentarspalte ergänzen die Nutzer: Kinderbetreuung, Pflege, Altersvorsorge, sexuelle Belästigung, Abtreibung. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Zu vielen dieser Punkte äußern sich auch die Hebammenverbände aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Was Töchter wirklich interessiere, seien Kitaplätze, Care-Arbeit und ein faires Gehalt, schreiben sie in einem gemeinsamen Instagram-Post . Und sie fragen: "Wann hört Femizid auf, ein privates Problem zu sein?" Frauen erfahren Gewalt statistisch gesehen am häufigsten durch das eigene Umfeld  . Dass der Kanzler das bewusst außen vor lässt und das Thema mit der Migrationsdebatte vermischt, scheint viele zu bewegen. "Als Töchter wissen wir", heißt es in einem Post  des Deutschen Frauenrats, "der gefährlichste Ort in Deutschland für eine Frau ist ihr eigenes Zuhause." Darüber solle Merz sich "Gedanken machen, wenn er darüber spricht, wie die Sicherheit von Frauen in Deutschland gewährleistet werden kann." Doch es sind nicht nur Frauen aus Politik und Verbänden, die sich gegen Merz wenden. Sondern auch Influencerinnen, Künstlerinnen oder Menschen, die sich laut eigener Aussage in den sozialen Medien "noch nie politisch geäußert haben". Eine Nutzerin mit nur wenigen Hundert Followern schreibt , sie habe ihre Töchter gefragt, wovor sie im Dunkeln Angst haben. "Monster", habe die Siebenjährige geantwortet. Die Frau selbst würde ihrer Mutter antworten: Männer. "Männergruppen, vielleicht noch besoffen, pöbelnd, aufdringlich." Die Sängerin Boviy sagt in einem TikTok , wer nicht in "unser Stadtbild" passe, seien "sexistische und chauvinistische Männer" wie Merz. Andere, wie die Influencerin "fraeulein.oeko", teilen Listen , was sie als Tochter im Stadtbild störe: Müll, unsichere Fahrradwege oder leer stehende Geschäfte. In der Debatte geht es also auch darum, was tatsächlich passieren müsse, um Städte lebenswerter zu machen. A post shared by Svenja | Fräulein Öko (@fraeulein.oeko) Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Einige versuchen nun, diese Stimmen zu bündeln. Der Instagram-Account "Töchter gegen Merz" , vor einem Tag gegründet, hat bereits rund 10.000 Follower. Frauen sollen ein Video an den Bundeskanzler richten und es mithilfe einer Collab-Anfrage auf dem Account posten. "Ihr dürft erzählen, welche Formen von Gewalt ihr erlebt habt – ob physisch, psychisch oder digital", heißt es. Am frühen Dienstagabend soll es zudem einen Protest geben, vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer ruft dazu auf : unter dem Motto "Wir sind die Töchter".