Michel Friedman in Klütz: Literaturhaus-Chef wegen Ausladung von Michel Friedman freigestellt

Datum21.10.2025 13:22

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Ausladung des jüdischen Publizisten Michel Friedman vom Klützer Literaturhaus hat zu einem Führungswechsel geführt. Oliver Hintz, der Leiter des Hauses, wurde nach der Rücknahme der Einladung auf Druck des Bürgermeisters Jürgen Mevius freigestellt. Unterschiede in der Begründung der Ausladung und bundesweite Kritik, einschließlich Äußerungen des Antisemitismusbeauftragten, haben die Situation eskaliert. Hintz begründete die Absage mit politischen Sorgen, während Mevius finanzielle Gründe angab. Ein Neustart im Literaturhaus wird angestrebt.

InhaltDie kontroverse Ausladung von Michel Friedman im Klützer Literaturhaus wirkt weiter nach. Nach dem Rücktritt des Bürgermeisters muss der Leiter des Literaturhauses gehen. Nach der Absage eines Auftritts des Publizisten Michel Friedman in Klütz in Mecklenburg-Vorpommern trennt sich die Stadt von Oliver Hintz, dem Leiter des dortigen Literaturhauses. Wie aus einer gemeinsamen Erklärung der Stadtvertretung und des Vorstandes des Fördervereins hervorgeht, wurde Hintz mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt. Der jüdische Publizist Friedman war von Hintz für das kommende Jahr zu einer Lesung im Rahmen der Hannah-Arendt-Woche 2026 eingeladen worden. Die Einladung wurde Hintz zufolge dann aber auf Druck von Bürgermeister Jürgen Mevius (Unabhängige Wählergemeinschaft, UWG) wieder zurückgenommen. Nach bundesweiter Kritik hatte Mevius Ende September seinen Rücktritt angekündigt.  Über die genauen Gründe, die zu der Ausladung geführt haben, gibt es widersprüchliche Darstellungen. Hintz begründete die Absage mit einem Anruf von Mevius. Demnach hatte sich die Mehrheit eines städtischen Gremiums gegen eine Lesung von Friedman ausgesprochen, mit der Begründung, man habe Sorge, dass rechte Störer oder Hamas-Sympathisanten nach Klütz kommen und demonstrieren könnten. Mevius widersprach dieser Darstellung und gab stattdessen zu hohe Kosten für Friedmans Honorar und Übernachtung als Grund an. Aufgrund "des nachhaltig gestörten Vertrauensverhältnisses" sei ein Neustart auf der Leitungsebene des Literaturhauses notwendig, heißt es in dem Schreiben der Stadt und des Fördervereins. Die formelle Entscheidung, den bis Jahresende gültigen Vertrag nicht zu erneuern, obliege der Stadtvertretung auf ihrer nächsten Sitzung, die aller Voraussicht nach Ende Oktober stattfinden werde. Friedmans Ausladung hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte, ein vorauseilendes Zurückweichen staatlicher Stellen vor Demokratiefeinden richte sich gegen die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft. Dabei sei es unerheblich, dass der betroffene Redner Michel Friedman jüdischen Glaubens ist.  Friedman selbst reagierte auf die Ausladung mit einem Besuch. Er nahm Ende September an einer von der Autorenvereinigung PEN organisierten Kundgebung in Klütz teil. Dabei sagte Friedman, dass es nicht sein könne, dass ein Bürgermeister sich in die Programmplanung eines Literaturhauses einmische. Auch Oliver Hintz kam bei dieser Veranstaltung zu Wort.