Bildung in Deutschland: Lehrkräfte im internationalen Vergleich schwach in Teamarbeit

Datum21.10.2025 13:19

Quellewww.spiegel.de

TLDREine Studie des Deutschen Schulportals zeigt, dass Lehrkräfte in Deutschland im internationalen Vergleich schwach in Teamarbeit sind. Nur 5 % nehmen monatlich an Fortbildungen teil, während es international 26 % sind. Trotz eines positiven Selbstbildes bezüglich Zusammenarbeit, hospitieren fast 50 % nie im Unterricht anderer. Bildungsdirektor Andreas Schleicher weist darauf hin, dass gemeinsame Unterrichtsentwicklung nicht vorgesehen ist. Kritiker bemängeln, dass das Arbeitsumfeld der Lehrkräfte in Deutschland lückenhaft untersucht wird. Die Studie nutzt Trickfragen, um deutsche Daten mit OECD-Daten zu vergleichen.

InhaltTeamarbeit ist nicht unbedingt die Stärke der Lehrkräfte in Deutschland. Das legen Zahlen nahe, die eine Stiftung erhoben hat. Sie musste dafür die Kultusministerkonferenz austricksen. Lehrkräfte in Deutschland nehmen deutlich seltener an Fortbildungen teil als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern. Und sie kooperieren in den Schulen seltener miteinander – obwohl sie mehrheitlich ein positives Selbstbild im Hinblick auf die kollegiale Zusammenarbeit haben. Zu diesem Schluss kommt das Deutsche Schulportal  , das von der Robert Bosch Stiftung finanziert wird, in einer neuen Datenauswertung. Verglichen wurden dabei Zahlen aus fast 50 Staaten, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2024 erhoben worden waren, mit neueren Umfrageergebnissen aus Deutschland. Demnach nehmen gerade einmal 5 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland monatlich an gemeinsamen Fortbildungen teil – im internationalen Vergleich sind es 26 Prozent. Eine "einheitliche Auffassung über Unterrichten und Lernen" erleben an ihren Schulen 38 Prozent der Lehrkräfte hierzulande, im Ausland sind es dagegen 81 Prozent. Und fast die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Lehrkräfte gab an, "nie" im Unterricht anderer zu hospitieren. International ist es nur etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent). OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher zeigte sich wenig überrascht: Gemeinsame Unterrichtsentwicklung in der Schule oder die Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsergebnissen seien "in Deutschland im Ansatz gar nicht vorgesehen", der Lehrberuf sei daher "zwar finanziell, aber nicht intellektuell attraktiv", sagte er dem Schulportal. Und an deutschen Schulen gebe es häufig "auch gar nicht die Räumlichkeiten für sinnvolle Teamarbeit". Die internationalen Vergleichsdaten stammen aus der OECD-Studie Talis  (Teaching and Learning International Survey), deren jüngste Ergebnisse Anfang Oktober vorgestellt worden sind. Schönheitsfehler aus deutscher Sicht: Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte sich gegen eine Beteiligung an dieser Untersuchung entschieden. Bei den Berufsverbänden war das auf Kritik gestoßen: "Das Arbeitsumfeld der Lehrkräfte in Deutschland wird bisher nur lückenhaft untersucht", bemängelte Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Und Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Philologenverbands, verwies vergebens auf die Talis-Studie als "gute Möglichkeit, um den Ist-Zustand unseres Bildungssystems zu analysieren, bewährte Praktiken zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Lehrkräfte abzuleiten". Dass die deutschen Daten jetzt trotzdem international verglichen werden können, liegt an einem Trick der Bildungsforschenden bei der Robert Bosch Stiftung. Die hatten in ihrer eigenen repräsentativen Umfrage, dem Deutschen Schulbarometer  , einige der OECD-Fragen im Wortlaut übernommen – und konnten diese Ergebnisse damit den Talis-Daten gegenüberstellen. Trotz der schlechten Werte im internationalen Vergleich zeigte sich dabei eine interessante Selbstwahrnehmung: 77 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland finden, dass es an ihren jeweiligen Schulen eine gemeinschaftliche Schulkultur gibt, "die sich durch gegenseitige Unterstützung auszeichnet" (international: 85 Prozent). Und beim gemeinsamen Unterrichten (Deutschland: 32 Prozent, international: 26 Prozent) und dem Austausch von Unterrichtsmaterial (57 Prozent/ 46 Prozent) liegen die Lehrkräfte in Deutschland sogar über dem Durchschnitt der OECD-Studie.