Deutsche Städte scheitern mit Hilfsangebot für Kinder aus Gaza

Datum21.10.2025 13:12

Quellewww.spiegel.de

TLDRMehrere deutsche Großstädte, darunter Hannover, wollten verletzte Kinder aus Gaza aufnehmen, stießen jedoch auf die Ablehnung der Bundesregierung. Politiker kritisieren die Entscheidung als "grausam" und nicht nachvollziehbar. Das Bundesinnenministerium begründet seine Haltung mit der unübersichtlichen Lage im Gazastreifen und den Schwierigkeiten bei der Ausreise von Kindern. Städte wie Bremen und Frankfurt hatten sich der Initiative angeschlossen, die auf eine verbesserte medizinische Versorgung in Deutschland abzielte. Der hannoversche Oberbürgermeister appelliert an die Bundesregierung, ihre Entscheidung zu überdenken.

InhaltMehrere deutsche Großstädte wollten verletzte Kinder aus dem Kriegsgebiet in Gaza aufnehmen. Die Bundesregierung lehnt das ab. Hilfsbereite Politiker nennen die fehlende Unterstützung nicht nachvollziehbar und "grausam". Die Stadt Hannover ist mit ihrer Initiative zur Aufnahme kranker und verletzter Kinder aus dem Gazastreifen und aus Israel gescheitert. Grund ist die ablehnende Haltung der Bundesregierung. "Wir bedauern die Antwort des Bundesinnenministeriums sehr", sagte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. "Die Absage ist enttäuschend und nicht nachvollziehbar", betonte der Grünenpolitiker. Regionspräsident Steffen Krach (SPD) sagte, mehr als 16.000 Menschen in Gaza seien auf eine Versorgung im Ausland angewiesen: "Diese Hilfe nicht wenigstens denen zu gewähren, die sie am dringendsten brauchen – nämlich den Kindern –, ist grausam." In einem Schreiben des Bundesinnenministeriums, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es, auch nach den Fortschritten bei der Beendigung der Kampfhandlungen sei die Lage im Gazastreifen "sehr unübersichtlich und nicht berechenbar". Das betreffe auch die Behörden auf israelischer undägyptischer Seite, die für eine Ausreisegenehmigung zuständig wären. Die Ausreise von Kindern zur Behandlung in Deutschland sei mit aufwendigen Verfahren verbunden. Die Identität der betroffenen Kinder müsse ebenso geklärt werden wie die mitreisender Familienangehöriger. Zudem müsse man mögliche Sicherheitsrisiken bewerten, Kosten klären und realistische Rückkehroptionen klären. Aus Sicht der Bundesregierung sei es vorteilhafter, die Behandlungen von Verletzten und Schwerkranken vor Ort zu unterstützen. Abschließend heißt es in dem Schreiben: "Ich hoffe, damit deutlich gemacht zu haben, dass uns das Anliegen nach Hilfe für die betroffene Zivilbevölkerung, vor allem auch für die Kinder, in Gaza eint, wir aber einen aus unserer Sicht anderen Weg sehen, möglichst vielen Menschen Hilfe zukommen zu lassen." Hannover hatte zunächst angeboten, bis zu 20 bedürftige Kinder aufzunehmen. Dieser Initiative hatten sich auch Städte wie Bremen, Düsseldorf, Leipzig, Bonn, Frankfurt und Kiel angeschlossen. Auch die evangelischen Kirchen in Niedersachsen unterstützten den Vorstoß. Hannovers Regionspräsident Krach betonte, dass man in Deutschland optimale medizinische Möglichkeiten habe und diese gern zur Verfügung stelle: "Die Kommunen haben alles für die Aufnahme der Kinder vorbereitet." Bürgermeister Onay sagte, ohne die Mitwirkung der Bundesregierung könne die Hilfsinitiative der Städte nicht gelingen. Die Absage nehme vielen verletzten und schwer traumatisierten Kindern die Möglichkeit, professionelle Hilfe zu erhalten: "Wir appellieren an das Bundesinnenministerium, die Entscheidung nochmals zu überprüfen und den Weg freizumachen für humanitäre Hilfe."