Datum21.10.2025 12:30
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Studie in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" zeigt, dass die CO2-Emissionen des Fleischkonsums in den USA die Gesamtemissionen von Ländern wie Italien übersteigen. Der ökologische Fußabdruck hängt nicht nur vom Verzehr, sondern auch von den Lieferketten ab, die stark variieren. Der durchschnittliche jährliche Hufabdruck pro Person liegt bei über 1000 kg CO2-Äquivalenten, mit regionalen Unterschieden. Maßnahmen zur Reduzierung, wie die Verringerung von Lebensmittelverschwendung, könnten den CO2-Ausstoß deutlich senken.
InhaltDer ökologische Fußabdruck von Fleisch hängt nicht nur vom Verzehr ab – sondern auch vom Futter der Rinder und dessen Transportwegen. Forschende haben die Lieferketten für die USA durchgerechnet. Die Fleischproduktion ist einer der größten CO2-Verursacher, das ist bekannt. Aber Fleisch hat nicht immer dieselbe CO2-Bilanz. Sie variiert, je nachdem, wo man es isst. Für die USA haben Forschende nun untersucht, welche Faktoren es sind, die den Fußabdruck bestimmen. Und wo die Orte mit dem größten Fußabdruck liegen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" erschienen. Dem Team zufolge handelt es sich um die erste Analyse, die systematisch die Umweltauswirkungen der weitläufigen Lieferketten der amerikanischen Fleischproduktion untersucht. Sie unterstreicht einerseits, wie klimaschädlich Fleisch insgesamt ist – zusammengenommen übersteigen die CO2-Emissionen allein aus dem Fleischkonsum in den USA demnach die gesamten CO2-Emissionen, die innerhalb des Vereinigten Königreichs oder Italiens entstehen. Andererseits zeigt die Studie auch, wie stark die Emissionen an verschiedenen Orten in den USA variieren. Für jede Stadt in den USA (ohne Alaska, Hawaii und die Außengebiete) berechneten die Autoren den durch Fleischkonsum verursachten CO2-Fußabdruck – das Team nannte es den "CO2-Hufabdruck". Der durchschnittliche jährliche Hufabdruck pro Kopf liegt demnach knapp über 1000 Kilogramm CO2-Äquivalenten, aber die Spannbreite ist groß. Denn obwohl sich der Fleischkonsum pro Kopf landesweit nicht stark unterscheidet, schwankt der jährliche Pro-Kopf-Hufabdruck je nach Ort stark: zwischen 500 Kilogramm CO2-Äquivalenten in Houghton, Michigan und 1731 Kilogramm in Richmond, Missouri. Das zeigt, dass es in den USA beim verursachten CO2 nicht primär auf die Menge des konsumierten Fleischs ankommt (vorausgesetzt natürlich, man isst überhaupt Fleisch). "Es gibt keinen einheitlichen Emissionswert für das Fleisch, das wir konsumieren", schreibt Rylie Pelton, Umweltforscherin an der University of Minnesota und Co-Autorin der Studie, in einer Mitteilung . "Das liegt daran, dass die Lieferketten an verschiedenen Standorten unterschiedlich sind." Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Den Ergebnissen zufolge stammt Rindfleisch, das in Los Angeles konsumiert wird, aus Verarbeitungsbetrieben in zehn Countys. Das dort verarbeitete Fleisch stammt wiederum von Tieren, die aus 469 Countys stammen, deren Futter aus 828 Countys stammt. An jedem Punkt der Lieferkette variiert der CO2-Fußabdruck, je nachdem, welche Düngemittel oder welches Futter verwendet wird. Und nicht zuletzt, wie weit die Transportwege sind: Rindfleisch wird in den gesamten USA produziert, während sich die Schweinefleischverarbeitung laut der Studie auf Iowa, Illinois, Minnesota und Missouri konzentriert. In der Analyse nutzte das Team zuerst Daten aus einer US-weiten, fortlaufenden Umfrage zu den Ernährungsgewohnheiten der Amerikanerinnen und Amerikaner, um den Konsum von Rind-, Hühner- und Schweinefleisch auf Ebene der mehr als 3000 Countys abzuschätzen. In mehreren Schritten leiteten sie daraus den Fleischkonsum auf Gemeindeebene ab, wobei sie auch unterschiedliche Essensgewohnheiten von Menschen verschiedener Einkommensgruppen oder Ethnien berücksichtigten. Daneben wendete das Team ein Modell, mit dem ursprünglich die Lieferkette von Mais in den USA untersucht wurde, auf die Fleischproduktion an. Diese Arbeit dauerte den Angaben zufolge acht Jahre. Mit dieser Erhebung konnten die Forschenden auch auswerten, wie viel CO2 verschiedene Maßnahmen einsparen würden: Würde die Lebensmittelverschwendung halbiert, die Hälfte des Rindfleischs durch Hühnerfleisch ersetzt und würden Konsumenten an einem Tag der Woche auf Fleisch verzichten, ließe sich zusammen die Hälfte der Emissionen einsparen. Das Team sieht die Verantwortung aber auch bei den Verwaltungen: "Durch die Identifizierung von Emissions-Hotspots in den Fleischversorgungsketten liefert unsere Forschung den Städten das erforderliche Wissen, um gezielte Lösungen umzusetzen, die bei der Produktion ansetzen", schreiben die Autoren. Die Revolution auf dem Teller ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lesen Sie hier , wie wir künftig essen müssen, um die Welt zu retten.