Datum21.10.2025 12:08
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie US-Armee sucht private Geldgeber, darunter große Private-Equity-Gruppen, um rund 150 Milliarden Dollar für die Modernisierung ihrer Infrastruktur zu mobilisieren. Angesichts eines begrenzten Budgets von lediglich 15 Milliarden Dollar über zehn Jahre sieht Staatssekretär Daniel Driscoll kreative Lösungen als notwendig an. Diskutiert wurden Partnerschaften mit Big Tech und Start-ups sowie Investitionen in kritische Mineralien. Driscoll plant bis Ende des Jahres mehrere Investitionsgeschäfte abzuschließen und hat bereits schriftliche Vorschläge von Investoren angefordert.
InhaltUS-Präsident Donald Trump gibt sich gern als Friedensfürst. Gleichzeitig wollen seine Minister rund 150 Milliarden Dollar für die Modernisierung der Armee ausgeben. Helfen sollen dabei private Investoren. Die US-Armee hat Private-Equity-Gruppen wie Apollo, Carlyle, KKR und Cerberus gebeten, "substanzielle” strategische Projekte vorzuschlagen, um rund 150 Milliarden Dollar für die Erneuerung und Modernisierung der US-Armee aufzutreiben. Das berichtet die "Financial Times" in ihrer aktuellen Ausgabe. Der im Verteidigungsministerium für die Armee zuständige Staatssekretär, Daniel Driscoll, und Finanzminister Scott Bessent veranstalteten am vergangenen Montag ein Forum mit einigen der einflussreichsten privaten Investoren der Wall Street, um für das Thema zu werben. Driscoll erklärte der "FT", er verfüge für die nächsten zehn Jahre nur über ein Budget von 15 Milliarden Dollar für die Infrastruktur der Armee, benötige aber 150 Milliarden Dollar. "Wir stecken in einer Sackgasse, aus der wir ohne kreative Lösungen von außen nicht herauskommen werden". Ein Teilnehmer sagte, das Forum sei "ernsthaft und sehr breit gefächert gewesen und habe sich mit Möglichkeiten befasst, kosteneffizientes Kapital für die Lieferkette der Armee zu finden". "Die Diskussion reichte von der Suche nach Finanzmitteln für die Sanierung einiger Immobilien bis hin zum Kauf der Immobilien. Daniel Driscoll, Staatssekretär für die Armee im US-Verteidigungsministerium Laut "FT" gab es auch Beratungen über verschiedene Finanzierungsinstrumente für die Lieferkette der Armee und die Gesamtinvestitionen. Eine Person aus einem anderen Unternehmen sagte der Zeitung: "Es war ziemlich klar, dass Bessent und Driscoll es ernst meinen mit der Zusammenarbeit mit privatem Kapital." Driscoll verfolgt seine sogenannte "Army Transformation Initiative", um die Streitkräfte technologisch aufzurüsten – und begrüßt dabei ausdrücklich auch Partnerschaften mit Big Tech und Start-ups aus dem Verteidigungsbereich. "Ich kann eindeutig sagen, dass der Ansatz des Silicon Valley für die Armee absolut ideal ist", erklärte er in der vergangenen Woche in einer Rede vor der Association of the United States Army. Im Juli hatte das Pentagon die Beteiligung an MP Materials angekündigt. Das US-Bergbauunternehmen liefert unter anderem seltene Erden für die Produktion von Rüstungsgütern. Der Minister erklärte der "FT", dass die Armee auf die gleiche Weise Anteile an Unternehmen kaufen könnte. Mit Blick auf die Exportbeschränkungen Chinas für seltene Erden will Driscoll Vorräte an kritischen Mineralien aufbauen und denkt auch dabei an eine Zusammenarbeit mit Investoren. "Sollen wir sie halten und dann an unsere Lieferanten verkaufen, damit diese sie verwenden und dann als Endprodukt an uns zurückverkaufen?", fragte Driscoll. "Alle diese Optionen stehen zur Debatte." Driscoll sagte, die Armee erwarte Vorschläge für mögliche Investitionen und werde in den kommenden Wochen eine Due-Diligence-Prüfung durchführen, bevor sie sich erneut mit Investoren in New York treffe. Er beabsichtige, bis Ende des Jahres mehrere Geschäfte abzuschließen. Cerberus, das Vermögenswerte in Höhe von mehr als 65 Milliarden US-Dollar verwaltet, gehört zu den größten Investoren der Private-Equity-Branche im Verteidigungssektor und hat bereits Milliarden von Dollar für Unternehmen bereitgestellt, die als strategisch wichtig für die nationalen Interessen der USA gelten. Carlyle verwaltet Vermögenswerte in Höhe von 465 Milliarden Dollar und erzielte in den Neunziger- und frühen 2000er-Jahren viele seiner Gewinne mit Pentagon-Auftragnehmern. Zu den anderen Gruppen, die an Driscolls Treffen teilnahmen, gehörten nach Informationen der "FT" Advent International, BDT & MSD und mehrere große Family Offices, wie aus informierten Kreisen verlautete. Eine Stellungnahme lehnten die beteiligten Unternehmen ab.