Louvre in Paris: Diebstahl der Kronjuwelen - Viele Säle des Museums laut Bericht nicht videoüberwacht

Datum21.10.2025 07:15

Quellewww.spiegel.de

TLDRNach dem Diebstahl französischer Kronjuwelen im Louvre kritisiert der französische Rechnungshof die mangelhafte Sicherheitsausstattung des Museums. Nur ein Drittel der Ausstellungssäle sind videoüberwacht, und die Modernisierung der Sicherheitstechnik verzögert sich erheblich. Der Einbruch wurde von vier maskierten Tätern verübt, die wertvolle Schmuckstücke entwendeten. Experten heben hervor, dass die Reaktionszeit der Polizei angesichts der zentralen Lage des Museums und der Tageszeit des Einbruchs verbesserungsbedürftig ist.

InhaltOffenbar ist nur ein Drittel der Säle videoüberwacht: Nach dem Diebstahl der französischen Kronjuwelen werden mehr Details bekannt. Insbesondere ein Bericht des französischen Rechnungshofes sorgt für Aufsehen. Nach dem spektakulären Einbruchdiebstahl in den Pariser Louvre nimmt die Kritik wegen möglicher Sicherheitsmängel in dem weltberühmten Museum zu. So werden offenbar nur die wenigsten Ausstellungssäle videoüberwacht. Frankreichs Rechnungshof prangert "erhebliche Verzögerungen bei der Anpassung der technischen Anlagen (im Louvre) an die geltenden Normen" an, wie es in einem noch unveröffentlichten Bericht heißt, aus dem unter anderem der Sender LCI  und die Zeitung "Le Figaro"  zitieren. "Aufgrund der anhaltenden Verschiebung des Masterplans zur Modernisierung der Sicherheitsausrüstung erfolgt die Installation von Kameras im Wesentlichen nur im Rahmen von Umbauarbeiten in den Sälen", heißt es in dem Bericht zur Sicherheitsausstattung des Louvre, der rund 35.000 Kunstwerke auf 73.000 Quadratmetern Fläche beherbergt. Nur ein Drittel der Ausstellungssäle verfügt laut Rechnungshof über eine Kameraüberwachung. "Die bereitgestellten Mittel sind im Hinblick auf den geschätzten Bedarf gering." Dabei hätten "mehrere Vorfälle in jüngster Zeit, bei denen die Kunstwerke gefährdet waren, der Museumsleitung bewusst gemacht, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde". Die Direktorin des Louvre hatte nach dem Einbruch am Sonntag mitgeteilt, dass sie nach der Übernahme ihres Postens im Jahr 2021 auf bessere Sicherheitsvorkehrungen gepocht habe. Der aufsehenerregende Diebstahl aus dem Zentrum des französischen Kulturbetriebs machte weltweit Schlagzeilen. Vier maskierte Täter hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen Lkw mit einer Hebebühne neben dem Museum geparkt. Während zwei von ihnen auf Motorrollern an der Straße warteten, gelangten die anderen beiden demnach mit der Hebebühne auf einen Balkon im ersten Stock und von dort durch ein Fenster in das Museum. Die Diebe brachen zwei Vitrinen auf, nahmen acht kostbare Schmuckstücke früherer Königinnen und Kaiserinnen an sich – darunter mit Edelsteinen übersäte Diademe, Halsketten, Ohrringe und Broschen – und entkamen mit ihrem Diebesgut. Am Sonntag und Montag blieb das als Touristenmagnet bekannte Museum wegen der Ermittlungen geschlossen. Ob Besucher am Dienstag wieder die Ausstellungsräume betreten können, ist nicht sicher. Auch ein deutscher Experte zeigte sich erstaunt über die Tat. "Bei dem Museum sind wir schon überrascht", sagte Remigiusz Plath, Sprecher des Arbeitskreises Gebäudemanagement und Sicherheit beim Deutschen Museumsbund. Er wies allerdings auch darauf hin, dass man die Details abwarten müsse. Sollte sich bewahrheiten, dass das Ganze etwa fünf bis sieben Minuten gedauert habe, dann sei die Reaktionszeit darauf vergleichsweise lang gewesen. Das Museum liege mitten im Stadtzentrum, dort sei viel Polizei unterwegs, sagte Plath. Der Diebstahl sei auch nicht um drei Uhr morgens passiert, sondern um 9.30 Uhr. Plath sieht noch viele offene Fragen. Fiel zum Beispiel nicht auf, dass eine Hebebühne aufgebaut wurde? Warum wurden die Täter nicht spätestens auf der Flucht gefasst? Die Sicherheitsvorkehrungen eines Museums seien grundsätzlich eine Risikoabschätzung: Was stelle man aus und wie viel investiere man? Je nachdem was man ausstelle, brauche man andere Maßnahmen. Eine Möglichkeit sei auch, zu entscheiden, bestimmte Artefakte nicht zu zeigen, weil das Risiko zu groß sei. Bei Einbrüchen sehe man einen Fokus auf Porzellan und auf Rohstoffen, also etwa Diamanten und Gold, sagte Plath. Im Berliner Bode-Museum wurde 2017 etwa eine wertvolle Goldmünze gestohlen, im Grünen Gewölbe in Dresden hatte es 2019 einen großen Juwelendiebstahl gegeben  . Dass die Pariser Schmuckstücke nun im Ganzen auf dem Schwarzmarkt auftauchen, hält der Experte für unwahrscheinlich. "Das würde sofort auffliegen", sagte Plath, der sonst für die Hasso Plattner Foundation arbeitet. Möglich sei, dass jemand die Schmuckstücke für seinen Besitz auf Bestellung stehlen ließ oder sie wegen ihres Rohstoffwerts in Einzelteile zerlegt werden sollen. Lesen Sie hier mehr zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Einbruchdiebstahls im Louvre.