Von der Leyen warnt angesichts Trumps Grönlandpolitik vor Abwärtsspirale

Datum20.01.2026 13:47

Quellewww.spiegel.de

TLDRUrsula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, warnte in Davos vor den aggressiven Grönlandansprüchen von US-Präsident Trump und betonte die Wichtigkeit stabiler transatlantischer Beziehungen. Sie wies seine Zollankündigungen als Fehler zurück und forderte eine stärkere Zusammenarbeit im arktischen Sicherheitsbereich. Von der Leyen betonte zudem die EU-Solidarität mit Grönland und Dänemark und kündigte Investitionen zur Unterstützung der arktischen Infrastruktur an. Sie forderte Europa auf, sich unabhängig zu gestalten und betonte die Notwendigkeit einer neuen Sicherheitsstrategie.

InhaltTrumps aggressiver Griff nach Grönland sorgt in der EU für Entsetzen. In Davos hat Kommissionschefin von der Leyen den US-Präsidenten ermahnt: "In der Politik wie in der Wirtschaft gilt: Ein Deal ist ein Deal." EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Machtansprüche auf Grönland von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen. Die Spannungen würden nur genau denjenigen Gegnern helfen, die man möglichst von den strategischen Interessengebieten fernhalten wolle, sagte von der Leyen bei einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie warnte den US-Präsidenten davor, die transatlantischen Beziehungen wegen Grönland in eine Abwärtsspirale zu stürzen. Die von Trump angekündigten Zusatzzölle gegen europäische Alliierte seien ein Fehler, sagte sie in Davos. Die EU werde deswegen entschlossen, aber mit Augenmaß reagieren. Von der Leyen erinnerte dabei auch an das im vergangenen Juli vereinbarte Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der EU, das Zollobergrenzen vorsieht. "In der Politik wie in der Wirtschaft gilt: Ein Deal ist ein Deal", ergänzte sie. "Wenn Freunde sich die Hände schütteln, muss das etwas bedeuten." Die Kommissionschefin äußerte sich auch zu Trumps Behauptungen, dass Europa Grönland nicht ausreichend vor Russland und China schützen könne: Man werde mit den USA und allen Partnern an einem umfassenderen arktischen Sicherheitskonzept arbeiten. Dies liege eindeutig im gemeinsamen Interesse, und man werde dafür mehr investieren. "Insbesondere glaube ich, dass wir unsere Mehrausgaben im Verteidigungssektor für eine europäische Eisbrecher-Flotte und andere für die Sicherheit der Arktis lebenswichtige Ausrüstung nutzen sollten", sagte sie. Zugleich betonte von der Leyen, dass zu einem EU-Paket zur Unterstützung der arktischen Sicherheit auch der Grundsatz der vollen Solidarität mit Grönland und Dänemark zähle. "Die Souveränität und Integrität ihres Territoriums ist nicht verhandelbar", sagte die CDU-Politikerin. Die EU strebe auch einen massiven europäischen Investitionsschub für Grönland an. Man werde Hand in Hand mit Grönland und Dänemark daran arbeiten, die lokale Wirtschaft und Infrastruktur noch intensiver zu unterstützen. Zudem werde man prüfen, wie man Sicherheitspartnerschaften mit Ländern wie Großbritannien, Kanada, Norwegen, Island und anderen stärken könne. Von der Leyen forderte die Europäer zu einer gemeinsamen Reaktion auf – ohne Trump zu nennen: "Geopolitische Schocks können – und müssen – eine Chance für Europa sein. Meiner Ansicht nach ist das Erdbeben, das wir gerade erleben, eine Chance, ja, in der Tat eine Notwendigkeit, eine neue Form der europäischen Unabhängigkeit aufzubauen." In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf die laufenden Arbeiten an einer europäischen Sicherheitsstrategie, die noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. "Ich glaube, dass Europa sich an die neue Sicherheitsarchitektur und die neuen Realitäten anpassen muss, mit denen wir jetzt konfrontiert sind", sagte sie. Zu der neuen Sicherheitsstrategie werde auch eine aktualisierte Arktisstrategie gehören. Von der Leyen schloss mit mahnenden Worten: Europa müsse seine Unabhängigkeitsbestrebungen auf allen Ebenen beschleunigen – von der Sicherheit bis zur Wirtschaft, von der Verteidigung bis zur Demokratie. "Denn die Welt hat sich dauerhaft verändert", sagte sie. "Wir müssen uns mit ihr ändern."