Erstmals führt eine Frau Japans Regierung

Datum21.10.2025 10:46

Quellewww.spiegel.de

TLDRSanae Takaichi wurde als erste Ministerpräsidentin Japans gewählt und führt eine Minderheitsregierung. Die Parteichefin der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) erhielt die Mehrheit im Unterhaus und unterzeichnete einen Koalitionsvertrag mit der rechtsgerichteten JIP, um eine innenpolitische Krise zu überwinden. Takaichi plant, die japanische Wirtschaft zu stärken und hat eine harte Haltung gegenüber Einwanderung. Sie hat sich auch für eine Erhöhung des Frauenanteils im Kabinett ausgesprochen. nächste Woche wird sie voraussichtlich US-Präsident Trump treffen.

InhaltSanae Takaichi ist die erste Ministerpräsidentin Japans. Die Parteien überwinden mit der Wahl der nationalistischen Hardlinierin eine innenpolitische Krise. Schon nächste Woche könnte sie auf US-Präsident Trump treffen. Sie ist die erste Regierungschefin Japans: Das Unterhaus des japanischen Parlaments hat Sanae Takaichi, die Parteichefin der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), zur ersten Ministerpräsidentin des Landes ernannt. Die 64-jährige Politikerin erhielt bereits im ersten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen. Nach einem Treffen mit dem japanischen Kaiser Naruhito im Laufe des Tages wird sie ihr Amt offiziell antreten. Takaichi verbeugte sich nach ihrer Wahl mehrmals mit ernster Miene vor den Abgeordneten. Das Oberhaus stimmte in einer Stichwahl ebenfalls für die Politikerin. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der rechtsgerichteten Oppositionspartei JIP, Hirofumi Yoshimura, hatte Sanae Takaichi am Montag einen Koalitionsvertrag unterzeichnet und damit den Weg frei für ihre Wahl zur Regierungschefin durch das Parlament freigemacht. Als Ministerpräsidentin wird Takaichi eine Minderheitsregierung führen, in den vergangenen fünf Jahren führten bereits vier Männer vor ihr die Regierung des Landes. Die LDP ist zwar nach wie vor stärkste Kraft im japanischen Parlament, sie regiert Japan seit Jahrzehnten fast ununterbrochen. Allerdings verliert die Partei zunehmend an Rückhalt – zur Bildung einer Regierungsmehrheit ist sie daher auf andere Parteien angewiesen. Die als nationalistische Hardlinerin geltende Takaichi war Anfang des Monats zur Parteivorsitzenden der regierenden LDP gewählt worden. Ihr Vorhaben, Regierungschefin zu werden, war jedoch zunächst am Zusammenbruch der bis dahin amtierenden Regierungskoalition gescheitert. Die Komeito-Partei hatte nach 26 Jahren die Koalition mit der LPD verlassen und damit eine innenpolitische Krise ausgelöst. Durch das Bündnis mit der JIP konnte Takaichi nun diese Krise überwinden. Der Regierungschefin muss einige Herausforderungen meistern, nicht zuletzt ein für kommende Woche geplanter Besuch von US-Präsident Donald Trump. Sie werde die japanische Wirtschaft stärken und "Japan zu einem Land umgestalten, das Verantwortung für künftige Generationen übernehmen kann", erklärte Takaichi am Vortag der Wahl. Die ehemalige Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit trat wiederholt als lautstarke Kritikerin Chinas und dessen militärischer Aufrüstung im asiatisch-pazifischen Raum auf und priorisierte Themen wie Wirtschaft und Verteidigung. Takaichi vertritt eine harte Haltung gegenüber Einwanderung und ausländischen Touristen. Beides sind Themen, die im Wahlkampf um den Vorsitz der LDP eine zentrale Rolle spielten. Zudem versprach die Politikerin eine Erhöhung des Frauenanteils im Kabinett auf "nordisches Niveau". Unter ihrem Vorgänger, dem scheidenden Ministerpräsidenten Shigeru Ishiba, saßen lediglich zwei Frauen im Kabinett.