Datum19.01.2026 13:46
Quellewww.spiegel.de
TLDRBeim Heimspiel von Hertha BSC gegen Schalke 04 kam es im Olympiastadion zu schweren Ausschreitungen, bei denen über 30 Fans und mehr als 20 Polizisten verletzt wurden. Es gibt gegenseitige Vorwürfe von Fans und Polizei bezüglich Provokationen und übertriebener Gewalt. Hertha BSC forderte einen Dialog mit der Polizei und Innensenatorin Iris Spranger, die sich ebenfalls zur Aufklärung der Vorfälle bereit erklärte. Der Konflikt ist die Spitze eines aufgeladenen Verhältnisses zwischen Fans und Sicherheitskräften.
InhaltFans und Polizei geben sich gegenseitig die Schuld: Der Gewaltausbruch beim Heimspiel von Hertha BSC beschäftigt auch die Politik. Berlins Innensenatorin steht in der Kritik, sie lädt zum Krisengipfel. Mehr als 30 verletzte Fans und mehr als 20 verletzte Polizisten, außerdem mehrere festgenommene Fußballanhänger: Die nächtliche Bilanz des Zwischenfalls am Osttor des Berliner Olympiastadions vor dem Zweitliga-Topspiel gegen Schalke 04 hat zu Reaktionen bei Hertha BSC, Fans, Polizei und Politik geführt. Polizei und Fan-Vertreter warfen sich gegenseitig Provokationen, übertriebene Härte und Gewaltbereitschaft vor. Mittlerweile wurden auch Vorwürfe von Schalker Fan-Vertretern gegen die Berliner Polizei laut. Im Internet kursieren zahlreiche Videos, die die Polizeigewalt zeigen sollen. Die Hertha-Führung verurteilte nach einer Krisensitzung von Präsidium und Geschäftsführung jede Form von Gewalt, kritisierte aber auch ungewohnt deutlich das Vorgehen der Sicherheitskräfte. In einer Stellungnahme wurde ein Dialog aller Beteiligten eingefordert. So sei seit mehreren Monaten der "Wunsch nach einem weiterführenden Gesprächsformat mit der Polizei Berlin" geäußert worden, der bislang noch nicht realisiert worden sei. Die Konfrontation ist trauriger Höhepunkt einer seit dem Spiel gegen Dynamo Dresden Anfang November aufgeladenen Stimmung. Aus Polizeikreisen verlautete, dass man selbst von der Problematik überrascht sei, da es lange keine Schwierigkeiten mit der Berliner Fanszene gab. Die Hertha-Fanhilfe bezog scharf Stellung gegen die Polizei und die Berliner Politik – nicht aber gegen die eigene Vereinsführung. "Vertreter des Vereins haben immer wieder im Dialog mit der Polizei versucht, eine Deeskalation herbeizuführen. Dass dies von der Einsatzleitung und der verantwortlichen Innensenatorin ganz offensichtlich nicht gewünscht ist, zeigt der heutige Tag", hieß es in einer Mitteilung. Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich kündigte an, dass man mit allen Beteiligten sprechen werde. Die von den Fans kritisierte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) war am Samstag im Stadion. Man wolle von den Protagonisten "etwas mehr gehört werden, weil das wollte keiner", sagte Görlich zur Position der Vereinsführung. Auch Spranger will nun den Dialog mit der Hertha-Führung und der Polizei aufnehmen. Mitte der Woche werde sie mit Klub-Geschäftsführer Görlich und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel zusammenkommen, teilte sie mit. "Die Vorkommnisse während des Spiels Hertha BSC gegen FC Schalke 04 müssen aufgeklärt werden", sagte Spranger. "Berlin ist ein sportbegeisterter und rechtsstaatlicher Ort. Fußball lebt von Leidenschaft, nicht von Gewalt", hieß es in einer Stellungnahme der Innensenatorin. Ob auch Vertreter der organisierten Fanszene gehört werden, war zunächst unklar. Am Montag berichtete die Hertha-Fanhilfe, dass auch Angestellte des Vereins bei dem Polizeieinsatz im Umlauf des Olympiastadions am Osttor verletzt wurden. Eine Bestätigung des Klubs hierzu lag bislang nicht vor.