Gaza-Friedensrat: Donald Trump lädt auch Wladimir Putin zu Gaza-Friedensrat ein

Datum19.01.2026 12:09

Quellewww.zeit.de

TLDRUS-Präsident Donald Trump lädt Wladimir Putin und etwa 60 weitere Staats- und Regierungschefs ein, Teil seines Gaza-Friedensrats zu werden, der den Wiederaufbau und einen Friedensprozess im Gazastreifen vorantreiben soll. Das Gremium umfasst bekannte Persönlichkeiten wie den ehemaligen britischen Premier Tony Blair und soll auch internationales Konfliktmanagement fördern. Kritiker befürchten, dass es als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen agieren könnte. Während einige Länder wie Ungarn die Einladung annahmen, bleibt die Reaktion der EU und Deutschlands ungewiss.

InhaltDie Liste der eingeladenen Staats- und Regierungschefs zu Trumps Friedensrat für Gaza wird länger. Auch Wladimir Putin ist nach russischen Angaben dabei. Nach Vorstellungen von US-Präsident Donald Trump soll auch der russische Staatschef Wladimir Putin Mitglied im sogenannten Gaza-Friedensrat werden. Das teilte ein Kreml-Sprecher mit und bestätigte die Einladung. Demnach prüfe Russland den Vorschlag und hoffe diesbezüglich mit den USA Kontakt aufzunehmen. Die Einladung ging insgesamt an rund 60 Nationen. Darunter sind auch Türkeis Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi, Jordaniens König Abdullah oder Argentiniens Präsident Javier Milei.  Bei Russland dürfte die Einladung auch deshalb auf Wohlwollen stoßen, weil sich das Land traditionell als wichtiger Akteur im Nahen Osten sieht und dort eigene geopolitische Interessen verfolgt. Außerdem wäre eine Mitgliedschaft für Staatschef Putin eine weitere Eintrittskarte für die internationale Bühne.  Der Friedensrat ist eigentlich für den Wiederaufbau und einen Friedensprozess im Gazastreifen vorgesehen. Das Mandat des ‍UN-Sicherheitsrates dafür gilt nur bis zum Jahr 2027 und betrifft ausschließlich den Gaza-Konflikt. Der Rat ist Teil der zweiten Phase von Trumps Friedensplan für Gaza, die ein dauerhaftes Kriegsende und die Entwaffnung der Hamas vorsieht. Das Gremium soll die neue Übergangsregierung des Gazastreifens beaufsichtigen. Trump selbst hat den Vorsitz. Dem Gremium gehören nach Angaben des Weißen Hauses unter anderem der frühere britische Premier Tony Blair, US-Außenminister Marco Rubio, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff an. Der US-Präsident will aus dem Friedensrat aber laut übereinstimmenden Medienberichten ein Gremium zur weltweiten Konfliktlösung machen. Die Eingeladenen hätten die Ehre, durch "Vorbild zu führen" und "brillant" in eine sichere und wohlhabende Zukunft zu investieren, heißt es in dem Brief. Die Einladung gehe deshalb an "wundervolle und engagierte" Partner. Diese könnten einen Repräsentanten ernennen, der dem von ihm geführten Rat angehören solle. Wenn ein Staat eine Milliarde US-Dollar zahlt, sichert er sich nach den Plänen von Trump unbefristet einen Sitz in dem Rat. Sonst ist die Mitgliedschaft auf drei Jahre begrenzt.  Die deutsche Bundesregierung wurde laut einem Regierungssprecher ebenfalls eingeladen und bedankte sich dafür bei Trump. Der Sprecher ging nicht weiter darauf ein, ob Deutschland die Einladung annehmen würde. Dass sich EU-Staaten anschließen, gilt als unwahrscheinlich. Lediglich Ungarn, dessen rechtsnationaler Ministerpräsident Viktor Orbán ein enger Verbündeter Trumps ist, hat ‍die Einladung angenommen. Der kanadische Regierungschef Mark Carney sagte, er habe Trumps Friedensrat für Gaza im Prinzip ⁠zugestimmt, obwohl die Details noch ausgearbeitet würden. Israel kritisierte die Zusammensetzung des Gremiums. Kritiker sprechen schon von einer möglichen Konkurrenz zu den Vereinten Nationen, die Trump immer wieder als dysfunktional kritisiert. Der Vorschlag ähnelt nach Ansicht eines EU-Diplomaten eher einer Klub-Mitgliedschaft, weil ⁠Trump sich selbst als Chef auf Lebenszeit ernennen und über den Beitritt anderer Länder entscheiden wolle. "Es handelt sich um eine "Trump-Vereinte-Nationen", die die Grundprinzipien der UN-Charta ignoriert", sagte ein anderer Diplomat. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte gelassen. Es stehe den Mitgliedstaaten frei, sich in verschiedenen Gruppen zusammenzuschließen, sagte sein Sprecher am Sonntag. "Die Vereinten Nationen werden ihre ihnen übertragenen Aufgaben weiterhin wahrnehmen", fügte er hinzu.