Datum19.01.2026 11:11
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn Kamtschatka, Russland, herrscht eine "Schnee-Apokalypse" mit extremen Schneefällen, die seit 30 Jahren nicht mehr so heftig waren. Es gibt zahlreiche Opfer, unter anderem zwei Tote durch herabfallenden Schnee. Der Ausnahmezustand ist ausgerufen, und die Infrastruktur ist stark beeinträchtigt, was zu Versorgungsengpässen, insbesondere bei Obst und Gemüse, führt. Meteorologen warnen vor weiteren kalten Temperaturen. Auch in anderen Teilen Russlands, einschließlich Moskau, sind die Bedingungen kritisch, mit Todesfällen durch Schnee und Eis.
InhaltEs ist von einer "Schnee-Apokalypse" die Rede: Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka kämpfen die Menschen mit Schneemassen. Es gibt Tote. Die Menschen auf der russischen Halbinsel Kamtschatka erleben einen Jahrhundertwinter. Seit Tagen gilt in der Pazifikregion der Ausnahmezustand. Russische Medien berichten von einer "Schnee-Apokalypse" mit eingeschneiten Häusern und Autos, Versorgungsengpässen und auch Opfern. In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden laut Behörden zwei Männer von Schneemassen, die von Dächern zu Boden krachten, erschlagen. Meteorologen sprechen von den schwersten Schneefällen seit etwa 30 Jahren. Binnen weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in Monaten. Auch Studenten und Soldaten sind im Einsatz, um Menschen in Not zu helfen. Teils sind Bewohner von den Schneemassen eingesperrt gewesen; besonders ältere Menschen konnten sich nicht selbst befreien. Die tagelangen Niederschläge vorige Woche brachten stellenweise mehrere Meter hohe Schneeverwehungen an Häusern, wie Medien berichten und in Videos zeigen. Wissenschaftlern zufolge sind die extremen Bedingungen auf wiederkehrende Zyklone über dem Pazifik zurückzuführen, die große Mengen an Feuchtigkeit mit sich bringen. Durch die kalte Luft und die komplexen geografischen Gegebenheiten Kamtschatkas verwandelt sich diese Feuchtigkeit in reichlich schweren Schnee. Gouverneur Wladimir Solodow hat für diesen Montag eine Krisensitzung angesetzt, weil es immer wieder auch Klagen über Versorgungsengpässe gibt. In seinem Telegram-Kanal zeigt er sich bei einem Besuch in einem Supermarkt. Seit Tagen gebe es vor allem Probleme mit Obst und Gemüse, weil keine Lieferautos fahren könnten oder Gewächshäuser eingeschneit seien, heißt es. "Der vorübergehende Mangel an einigen Waren in einigen Geschäften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen", sagt der Gouverneur. Betroffen seien kleine Läden. Sobald die Zufahrten und Eingänge freigeschaufelt seien, seien auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel laufe jedenfalls ununterbrochen. Die Lage bleibt angespannt, es herrschen tiefe Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teils auf Fernunterricht umgestellt. Räumfahrzeuge fahren rund um die Uhr Einsätze, um die letzten Straßen freizubekommen. Die Stadtverwaltung von Petropawlowsk-Kamtschatski forderte Eltern auf, ihre Kinder nicht auf die Straßen zu lassen. Die Warnung lautet, sie könnten von Schneemassen von Dächern oder riesigen Eiszapfen erschlagen werden. Das Problem gibt es fast überall in Russland. Immer wieder gibt es deshalb Todesfälle. Auch in der Hauptstadt Moskau, die ebenfalls Rekordmengen an Niederschlag verzeichnete, sind Einsatzkräfte auf Dächern unterwegs, um den Schnee wegzuschaufeln. Am 9. Januar sprachen Meteorologen von einem der heftigsten Schneestürme in den vergangenen 146 Jahren der Wetterbeobachtung. Für die Schneeräumarbeiten auf den Dächern sind ganze Bürgersteige gesperrt. In der Stadt fahren überall Lastwagen, um die Schneemassen an sichere Orte zu transportieren. Sogar am Roten Platz, dem Machtzentrum des Riesenreichs, türmen sich Berge von Schnee an der Kremlmauer und an der Basiliuskathedrale. Der Abtransport lässt auf sich warten. Entspannung ist nicht in Sicht. Für die kommende Woche kündigen Meteorologen für die Hauptstadt auch noch Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius an. Auch in der von Russland angegriffenen Ukraine leiden die Menschen unter der Kälte. Die Bedingungen werden durch die russischen Angriffe auf die Energieversorgung erschwert.