Datum18.01.2026 17:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Afrika-Cup 2025/2026 treffen im Finale Marokko und Senegal aufeinander. Marokko, Gastgeber und WM-Vierter, hat hohe Erwartungen, trotz einer durchwachsenen Turnierleistung. Stars wie Sadio Mané und Mohamed Salah könnten zum letzten Mal aufeinandertreffen. Afrikanische Trainer gewinnen an Bedeutung: 15 von 24 Trainern sind Afrikaner. Jüngere Talente aus Europa fallen besonders auf, darunter Spieler von Bayer Leverkusen und RB Leipzig. Der Artikel verdeutlicht die Entwicklungen im afrikanischen Fußball und die Dominanz erfahrener Spieler im Turnier.
InhaltDie alten Granden Afrikas prägten das Turnier, vielleicht zum letzten Mal. Bei der WM muss man mit dem Gastgeber rechnen. Und afrikanische Trainer sind auf dem Vormarsch. Hier sind die Erkenntnisse des Afrika-Cups. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Am Abend entscheidet sich, wer Afrikas beste Fußballmannschaft ist. Im Finale des Africa Cup of Nations in Rabat trifft Ausrichter Marokko auf den Senegal (20 Uhr; TV und Stream: Sportdigital, empfangbar über DAZN). Dass es beide Teams ins Endspiel geschafft haben, ist keine Sensation, beide Nationen gingen als Mitfavoriten ins Turnier. Insbesondere Marokko wurden Topchancen auf den Sieg zugerechnet – und noch viel mehr. Die Sportschau prognostizierte gar , dass die Nordafrikaner im Sommer Weltmeister werden. Ist Marokko wirklich so gut? Und wer waren die prägenden Spieler dieses Afrika-Cups? Hier kommen vier Erkenntnisse zur 35. Auflage des Wettbewerbs. In der griechischen Mythologie ist Atlas der Titan, auf dessen Schultern das Himmelsgewölbe ruht. Ganz so schwer müssen die Atlas-Löwen, wie Marokkos Nationalmannschaft genannt wird, nicht tragen. Trotzdem: Vor heimischer Kulisse erscheinen die hohen Erwartungen an den WM-Vierten wie ein schwerer Rucksack. "Wir müssen das dominante Team sein. Wir müssen das Team sein, das die Tore schießt. Wir müssen das Team sein, das immer gewinnt", betete Marokkos Cheftrainer Walid Regragui nach dem mühsamen Halbfinal-Erfolg im Elfmeterschießen über Nigeria die Ansprüche der Öffentlichkeit herunter. "Jetzt haben wir ein Finale, und ich weiß, dass ich kritisiert werde, falls wir verlieren." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Bei der WM in Katar schaffte es Marokko sensationell ins Halbfinale, das aktuelle Team gilt sogar als noch stärker als das von 2022. Aber: Leicht von der Hand ging den Marokkanern bei diesem Turnier wenig. Ein glanzloser Auftaktsieg über die Komoren, ein Remis gegen Mali, oft tat sich die Offensive enorm schwer. Einzig gegen Sambia und Kamerun wurde geboten, was die Fans sehen wollen: frühe Führungen, souveräne Erfolge. Allerdings hat der Afcon-Gastgeber den Hang zum zähen Sieg nicht exklusiv. Ständige WM-Mitfavoriten wie Frankreich oder England ordnen nunmehr seit Jahren den Rausch der Rationalität unter. Trainer Regragui betont, dass bei ihm auch die Stürmer zuvorderst als Arbeiter gefragt sind. Die Zeiten, als Marokko ein Ensemble flatterhafter Edeltechniker war, sind lange vorbei. Gut möglich, dass das für den ersten Titel seit 1976 reicht. Einem WM-Coup im Sommer würde aber wohl die individuelle Qualität in die Quere kommen: mit Ausnahme von Achraf Hakimi und Brahim Díaz auf dem rechten Flügel fehlt dem Kader die unumstrittene Spitzenklasse. Wer eine große Geste erwartete, wurde enttäuscht. Sadio Mané schritt nach dem Abpfiff in Richtung Mohamed Salahs, es hätte ein besonderer Moment werden können, aber dann klatschte Mané Salah kurz ab und ging weiter. Und das war’s dann. Sechs Jahre bildeten Mané und Salah die legendäre Flügelzange beim FC Liverpool. Gemeinsam gewannen sie die Champions League, rauften sich aber auch mal heftig, wenn der eine dem anderen den Ball nicht zuspielte. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Im Halbfinale besiegten Manés Senegalesen Salahs Ägypter. Und man fragt sich, ob dies das letzte Duell dieser Ausnahmespieler gewesen sein könnte. Beide sind 33 Jahre alt, und Mané deutete nach dem Halbfinale an, dass dieser Afrika-Cup sein letzter werden könnte. Dabei spielt er groß auf. Zwei Assists und zwei Treffer gelangen ihm, darunter das Fernschusstor, das Ägypten ausschaltete. Salah kommt erzielte in fünf Einsätzen vier Tore und gab eine Vorlage. Die alten Granden prägen das Turnier noch immer. Das gilt auch für Riyad Mahrez, 34. Der einstige Schlüsselspieler von Manchester City erzielte für Algerien drei Tore, ehe er im Viertelfinale an Nigeria scheiterte. Danach verkündete er, dass dies sein letzter Afrika-Cup gewesen sei. Mahrez gewann den Pokal 2019. Mané holte ihn 2022 und könnte nun mit einem weiteren Triumph abtreten. Salah wartet noch auf einen Sieg beim Afrika-Cup. Die nächste Chance erhält er 2027. Wenn der Senegal und Marokko am Abend den Sieger ausspielen, werden an der Seitenlinie Pape Thiaw und Walid Regragui coachen. Thiaw, geboren in Dakar, absolvierte als Fußballer 16 Länderspiele für sein Land, seit 2024 ist er Nationaltrainer. Regragui wuchs in Frankreich auf, hat aber marokkanische Wurzeln, er war Nationalspieler Marokkos und trainiert das Team seit 2022. Bereits im Halbfinale fanden sich ausschließlich afrikanische Trainer auf den Bänken, da waren Ägyptens Hossam Hassan und Nigerias Éric Chelle. Insgesamt sind bei diesem Turnier 15 der 24 Trainer Afrikaner. Damit bestätigt der diesjährige Afcon einen Trend. Schon bei der vergangenen Auflage waren es 14 von 24 gewesen. Und das auf dem Kontinent, der viele Jahre lang auf erfahrene Trainer aus Europa setzte, statt Talente aus dem eigenen Land oder solche mit entsprechenden Wurzeln anzustellen. Zum Vergleich: Am Afrika-Cup 2015 nahmen 16 Mannschaften teil, aber die Zahl der afrikanischen Trainer lag bei drei. Die spannendsten Spieler des Kontinents lassen sich derweil in Europa ausbilden. Zwar verbringen Routiniers wie Senegals Mané, Ex-Welttorhüter Édouard Mendy oder sein marokkanischer Gegenpart Yassine Bounou den Spätsommer ihrer Karriere in der saudi-arabischen Pro League, die jungen Entdeckungen des Turniers aber stehen in Deutschland unter Vertrag. Bayer Leverkusens Christian Kofane, 19, entschied den Zweikampf mit Karl Etta Eyong um Kameruns Sturmzentrum bereits zum zweiten Gruppenspieltag für sich. Kofane traf gegen Mosambik per Fernschuss unter die Latte, gegen Südafrika per Kopf. Im Viertelfinale war gegen Marokko Schluss. Ibrahim Maza, 20, ebenfalls von Bayer Leverkusen, war für Algerien gar an drei Treffern beteiligt. In dieser Form darf der gebürtige Berliner darauf hoffen, zum WM-Auftakt im Juni gegen Titelverteidiger Argentinien in der Startelf zu stehen. Es winkt ein Spielmacher-Duell mit Lionel Messi. Auf Deutschland wartet dann die Elfenbeinküste. Mit dabei: RB Leipzigs Yan Diomande und Bazoumana Touré von der TSG Hoffenheim. Beide 19 Jahre alt, beide in der laufenden Bundesliga-Saison mit einem Topspeed von 35,98 km/h notiert, im Nationalteam Konkurrenten um den Startplatz links vorne. Im Gruppenspiel gegen Burkina Faso klappte die Arbeitsteilung prächtig: Diomande startete, traf – und ging für Joker Touré vom Feld, der den 3:0-Endstand besorgte. Ein Bundesliga-Talent hat es sogar bis ins Finale geschafft: Seit Beginn der K.-o.-Phase startet Stuttgarts Bilal El Khannouss für Gastgeber Marokko. Auf seinen persönlichen Glanzmoment wartet der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler, den VfB-Sportdirektor Christian Gentner mal als "technisch sehr, sehr gesegnet" beschrieb, bislang vergeblich. Aber noch bleibt ihm ja ein Spiel.