»Vercoacht« und falsch gebuzzert – Kritik an Handballbundestrainer Gíslason nach Serbien-Niederlage

Datum18.01.2026 14:21

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie deutschen Handballer stehen nach der Niederlage gegen Serbien (27:30) unter Druck, um den Einzug in die EM-Hauptrunde zu kämpfen. Trainer Alfred Gíslason kritisierte sich selbst für einen entscheidenden Fehler bei einer Auszeit, der einen Ausgleich verhinderte. Spieler Juri Knorr äußerte Unzufriedenheit mit der Taktik, während Gíslason seine Personalentscheidungen verteidigte. Vor dem wichtigen Spiel gegen Spanien muss Deutschland mit mindestens drei Toren gewinnen, um die Chance auf das Weiterkommen zu sichern.

InhaltBuzzer-Fauxpas, Pleite gegen den Außenseiter, unzufriedene Spieler: Die deutschen Handballer müssen um den Einzug in die EM-Hauptrunde zittern. Trainer Alfred Gíslason nimmt die Schuld auf sich. Die Niederlage gegen Außenseiter Serbien ist ein Rückschlag für Deutschlands Ambitionen bei der Handball-EM. Ausgerechnet vor dem entscheidenden Vorrundenspiel gegen Spanien am Montag (20.30 Uhr, TV: ZDF, Dyn) wird Kritik an Bundestrainer Alfred Gíslason laut. Dieser hatte die Pleite nach seinem Buzzer-Fauxpas auf sich genommen. "Mein Auszeit-Fehler hat die Mannschaft mindestens einen Punkt gekostet. Ich habe den Fehler gemacht, nach oben zu gucken. Dieses Tor hätte uns extrem gutgetan. Das war ein Schock für die Mannschaft", befand der Isländer einen halben Tag nach dem 27:30 gegen Serbien. Was war passiert? In der 58. Minute hatte Juri Knorr eigentlich den Ausgleich zum 26:26 erzielt, doch Gíslason hatte an der Seitenlinie auf den roten Buzzer gedrückt, um eine Auszeit zu nehmen. Weil der Ball zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Torlinie passiert hatte, zählte der Treffer nicht. "Das ist natürlich fatal aus meiner Sicht und geht völlig auf mich", sagte Gíslason. Den Spielbericht lesen Sie hier Nach der Partie hatte Spielmacher Juri Knorr ungewohnt deutliche Kritik an seinem Trainer geäußert. Diese hatte nichts mit der unglücklichen Schlussphase zu tun. Auslöser war vielmehr die Personalpolitik, die der deutsche Spielmacher nicht nachvollziehen konnte: "Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit überrannt – und dann ändern wir alles. Das verstehe ich nicht. Ich stand in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel auf der Platte", sagte der 25-Jährige. Mit diesen Worten konfrontiert, versuchte Gíslason zunächst, die Brisanz herauszunehmen. "Wir sprechen intern sehr viel, aber was er in der Presse gesagt hat, weiß ich nicht", sagte der 66-Jährige. Erst auf erneute Nachfrage räumte der Isländer Versäumnisse ein: Kapitän Johannes Golla hätte mehr Pausen gebraucht, Justus Fischer kommen müssen. Routinier Lukas Mertens wollte von Unruhe im Team hingegen nichts wissen und nahm auch seinen Trainer in Schutz. "Wenn wir Spieler anfangen, darüber zu sprechen, ich will da spielen oder dort, macht das alles keinen Sinn. Der Trainer entscheidet, wer wann und wo auf der Platte steht", befand der 29-Jährige. Der Bundestrainer musste indes nicht nur Knorrs Kritik aushalten. Auch die Dyn-Experten um Handball-Ikone Stefan Kretzschmar schossen sich verbal auf Gíslason und seine Schützlinge ein. "Alfred, scheiße gecoacht. Vercoacht", kritisierte etwa Ex-Weltmeister Michael Kraus. Kretzschmar ging ebenfalls mit dem deutschen Offensivauftritt hart ins Gericht. Besonders die Außenpositionen seien praktisch nicht eingebunden gewesen. "Da hätten auch der Busfahrer und der Physiotherapeut stehen können – da kam ja gar kein Ball hin", sagte Kretzschmar. Die Lage vor dem Vorrunden-Abschluss ist zwar schwierig, aber nicht aussichtslos. Spanien führt die Tabelle mit 4:0 Punkten an, dahinter folgen Serbien und Deutschland (beide 2:2). Österreich ist mit 0:4 Zählern Letzter. Die ersten beiden Teams kommen weiter. Will sich die DHB-Auswahl nicht auf die Schützenhilfe der Österreicher verlassen, muss gegen Spanien ein Sieg mit mindestens drei Toren Unterschied her. Dann wäre der Olympia-Zweite im Falle eines Sieges von Serbien beim Dreiervergleich definitiv Gruppenzweiter vor Spanien. Optimal wäre, wenn die DHB-Auswahl gegen Spanien gewinnt und Serbien zuvor gegen Österreich maximal unentschieden spielt. Nur dann würde das deutsche Team mit 2:0 Punkten in die Hauptrunde starten. Selbst eine Niederlage könnte bei einer bestimmten Konstellation zum Weiterkommen reichen. Modus, Spielplan, Ergebnisse: Alles Wichtige zur Handball-EM lesen Sie hier.