China sichert sich weitere Rohstoffquellen

Datum18.01.2026 13:56

Quellewww.spiegel.de

TLDRChina hat erfolgreich Eisenerz aus der Simandou-Mine in Guinea importiert, um seine Rohstoffversorgung zu diversifizieren und die Abhängigkeit von Australien und Brasilien zu verringern. Eine erste Lieferung von 200.000 Tonnen erreichte Zhejiang, während China verstärkt in afrikanische Rohstoffprojekte investiert. Die Volksrepublik kontrolliert bereits zwei Drittel des globalen Marktes für seltene Erden und verfolgt eine Strategie, um günstigere Exportbedingungen auszuhandeln, die ihre industrielle Produktion weiter stärken soll.

InhaltAm Wochenende kamen erstmals 200.000 Tonnen Eisenerz aus einer Mine in Guinea in China an. Die Exporte aus Afrika haben das Potenzial, die Gewichte im weltweiten Kampf um Rohstoffe weiter zu verschieben. China sichert sich zur Stärkung seiner Rohstoffversorgung erstmals Eisenerz aus der Simandou-Mine in Guinea. ‌Ein Schiff mit fast 200.000 Tonnen Eisenerz sei nach einer 46-tägigen Reise am 17. Januar im Hafen von Majishan in der ostchinesischen Provinz Zhejiang angekommen, teilte der weltgrößte Stahlproduzent China Baowu Steel Group am Samstag mit. Die Volksrepublik versucht seit Längerem, ihre Abhängigkeit von den ‌Hauptlieferanten Australien und Brasilien zu verringern, aus denen sie bislang 80 ⁠Prozent ‍ihrer Eisenerze importiert. Vor allem in Afrika kauft China Minen, baut vor Ort Infrastrukturen auf und erhält im Gegenzug zu günstigen Konditionen Rohstoffe, die es oft mit eigenen Unternehmen oder über Firmenbeteiligungen selbst fördert. So sind auch an der Simandou-Mine, mit einer geplanten Jahreskapazität von 120 Millionen Tonnen, neben dem britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto auch mehrere chinesische Staatsunternehmen maßgeblich beteiligt. Baowu zufolge hat ‌eine zweite Eisenerzlieferung ⁠aus Simandou Guinea bereits Ende Dezember verlassen. Die höchst erfolgreiche Strategie hinter Chinas Bergbau-Engagements: preiswerten Zugang zu den wichtigsten Rohstoffen zu bekommen. Und anders als zu Zeiten, als China als "Werkbank der Welt" vor allem für andere produzierte, ist es jetzt die eigene Industrie, die Nutzen aus der aus den Rohstoffen produzierten Rohware zieht. 2023 hat China rund 53 Prozent der weltweiten Stahlproduktion für sich verbucht. Allein die Baowu Steel Group, die soeben ihre erste Lieferung aus Guinea erhielt, produzierte im selben Jahr rund 3,7-mal so viel Stahl wie die gesamte deutsche Stahlindustrie. Bei den für die digitale Welt so wichtigen seltenen Erden und Rohstoffen für Batteriebau ist China über den Status eines Weltmarktführers inzwischen sogar weit hinaus – Chinas Kontrolle über bestimmte Rohstoffe grenzt an ein Monopol. Beispiel seltene Erden: Hier kontrolliert China etwa zwei Drittel des weltweiten Abbaus, aber selbst das erfasst nicht, wie weit der Vorsprung der Volksrepublik hier geht. Denn das Know-how und die Produktionskapazitäten für die Verarbeitung dieser Schlüssel-Rohstoffe liegen inzwischen zu mehr als 90 Prozent in China. Auch Eisenerz aus Australien wird dort mit chinesischer Beteiligung gefördert. Doch mit Staaten wie Sierra Leone oder jetzt Guinea ist China in der Lage, günstigere Exportbedingungen auszuhandeln. Das macht klar, warum der einsetzende Erz-Export von Guinea nach China von Relevanz ist: Er hat das Potenzial, die Gewichte weiter zu verschieben. Chinas große Nachfrage nach Rohstoffen zeigt sich auch bei anderen Metallen. So stiegen die Importe von Rohaluminium und Aluminiumprodukten im Dezember im ⁠Jahresvergleich um 7,1 Prozent auf 320.000 Tonnen, wie die Zollbehörde am Sonntag mitteilte. Im Gesamtjahr 2025 beliefen sich ‌die Einfuhren auf 3,92 ‍Millionen Tonnen, ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Einfuhren ‍von Bauxit, einem wichtigen Rohstoff für Aluminium, stiegen 2025 sogar um mehr als ein ‍Viertel.