US-Strafzölle gegen EU: Deutsche Wirtschaft fordert klare EU-Reaktion auf Trumps Zollpläne

Datum18.01.2026 12:28

Quellewww.zeit.de

TLDRNach Ankündigungen von US-Präsident Trump zu Strafzöllen gegen mehrere EU-Staaten fordert die deutsche Wirtschaft eine klare Reaktion der EU. Der Maschinenbauverband VDMA betont, Europa dürfe sich nicht erpressen lassen. Zölle sollen ab dem 1. Februar auf zehn Prozent und ab dem 1. Juni auf 25 Prozent steigen, wenn kein Kauf Grönlands durch die USA erfolgt. Wirtschaftsvertreter kritisieren die neuen Zölle als grotesk und als Belastung für transatlantische Beziehungen. Die EU sollte ihre handelspolitischen Instrumente prüfen und geschlossen reagieren.

InhaltNach der Zollankündigung von Donald Trump erwartet die Wirtschaft eine klare EU-Antwort. "Europa darf sich nicht erpressen lassen", mahnt der Maschinenbauverband VDMA. Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, im Grönland-Konflikt mehrere EU-Staaten mit Strafzöllen zu belegen, fordert die deutsche Wirtschaft eine klare und einheitliche Reaktion Europas. "Europa darf sich nicht erpressen lassen", betonte der Maschinenbauverband VDMA. "Wenn die EU hier nachgibt, wird der amerikanische Präsident nur ermutigt, weitere absurde Forderungen zu stellen und mit zusätzlichen Zöllen zu drohen", erklärte VDMA-Präsident Bertram Kawlath. Solange mit Strafzöllen gedroht werde, sollte das Europäische Parlament keine Zollsenkungen für US-Industriegüter genehmigen. Die EU-Kommission solle prüfen, ihr Instrument gegen handelspolitischen Zwang einzusetzen. Damit kann die EU Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn wirtschaftlicher Druck genutzt wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen. Kawlath betonte: "Grönland ist ein Teil Europas und muss es auch bleiben." Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) forderte Geschlossenheit der EU. "Wirtschaftlichem Druck gegen einzelne Mitgliedstaaten kann Brüssel nur mit einer klaren, gemeinsamen Haltung begegnen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Angesichts der Drohungen sei eine Zustimmung des Europäischen Parlaments zur geplanten Senkung der EU-Zölle auf US-Güter derzeit kaum vorstellbar. Auch Treier betonte, dass alle Instrumente des EU-Handelsschutzes, einschließlich des Anti-Coercion Instruments (ACI), nun geprüft werden müssten. Ihre Anwendung solle jedoch nur als letztes Mittel erfolgen. Im Streit um Grönland hatte Trump höhere Zölle gegen Dänemark, Deutschland, Norwegen, ⁠Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland angekündigt. Die Zölle würden zunächst ab dem 1. Februar zehn Prozent betragen, schrieb Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. Ab dem ⁠1. Juni sollen sie auf 25 Prozent steigen, wenn ⁠kein Abkommen über einen US-Kauf der dänischen Arktisinsel erzielt werde. Trump hat wiederholt behauptet, dass ‌das an Ressourcen reiche Grönland wegen der ​nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. Auch einen Militäreinsatz hat er nicht ausgeschlossen. Zuvor reagierten bereits andere Wirtschaftsvertreter entsetzt auf die Ankündigung. "Die Ankündigung neuer US-Zölle für bestimmte europäische Staaten ist grotesk", sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura. "Die USA bestrafen hier Teilnehmer eines Nato-Einsatzes, das ‍ist eigentlich unvorstellbar." Dies sei ein neuer ​Tiefpunkt in den amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) reagierte bestürzt. "Die Ankündigungen möglicher neuer Strafzölle durch den US-Präsidenten sind eine erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Die Kosten durch diese zusätzlichen Zölle wären für die deutsche sowie europäische Industrie – in ​ohnehin herausfordernden Zeiten – enorm."