Datum18.01.2026 12:21
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Weltenburger-Brauerei in Bayern, älteste Klosterbrauerei der Welt, wird 2027 von der Münchner Brauerei Schneider übernommen, was 56 Arbeitsplätze kostet. Dies verdeutlicht die Krise der deutschen Bierindustrie. Über 15 Jahre hat der Bierabsatz um ein Viertel abgenommen, und 2025 war der Rückgang mit fünf Millionen Hektolitern der stärkste seit 75 Jahren. Während größere Marken kämpfen, boomt der Craft-Bier-Sektor. Deutschland führt zwar bei Klosterbrauereien, doch keine deutsche Marke gehört zu den weltweit führenden Brauereien.
InhaltNirgendwo auf der Welt gibt es noch so viele Kloster-Brauereien wie in Deutschland. Jetzt wird die älteste unter ihnen übernommen. Der Vorgang steht symbolisch für eine tiefe Krise der deutschen Bierindustrie. Die im Jahr 1050 gegründete Weltenburger-Brauerei aus dem bayerischen Örtchen Weltenburg bei Kelheim gilt als älteste noch bestehende Klosterbrauerei der Welt, weil sie auf dem Gelände eines noch aktiven Klosters liegt und mittelbar in Kirchenbesitz ist. Bereits seit 1973 rühren aber nicht mehr Mönche die Maische an, sondern Arbeiter, die zur Brauerei Bischofshof gehören. Auch die gehört bisher aber einer Stiftung des Bistums Regensburg. Doch ab Januar 2027 werden die dann noch verbliebenen Brauer auf den Lohnlisten der Münchner Brauerei Schneider stehen und vielleicht auch das Bischofshof-Bier brauen, denn die Regensburger Brauerei wird geschlossen. 56 Arbeitsplätze gehen dabei verloren, während in Weltenburg 21 erhalten bleiben. Das sind keine weltbewegenden Zahlen und doch stehen sie symbolisch für einen Trend, der eine ganze Branche in Deutschland gefährdet: In den vergangenen 15 Jahren hat der deutsche Biermarkt ein Viertel seines Absatzes verloren. Selbst für hiesige Verhältnisse große Marken wanken. Das Tempo scheint sich dabei noch zu steigern: 2025 ging der deutsche Bierabsatz um fünf Millionen Hektoliter zurück – der stärkste Rückgang in 75 Jahren. Bier ist in Deutschland nach wie vor ein zumeist regional vertriebenes Produkt. Einigen Dutzend verhältnismäßig großer, landesweit und international käuflicher Marken stehen laut Deutscher Brauer Bund rund 1500 oft kleine, mittelständische Brauereien gegenüber. Und trotz erheblichen Rückgangs des Bierabsatzes ist die Zahl der Braustätten bisher nicht merklich gesunken. Der hiesige Markt ist damit noch immer stark traditionell geprägt, anders als im Rest der Welt, wo die großen, internationalen Getränkekonzerne den Biermarkt dominieren. Sie sind oft Nutznießer von Konzentrationsprozessen, denn die Bierabsatzkrise ist ein internationales Phänomen. In den meisten Ländern haben Großmarken inzwischen die regionalen Traditionsbrauereien verdrängt oder geschluckt, anhaltend ist dagegen der kleine Boom der Craft-Biere produzierenden Kleinstbrauereien. Unter den Top 10 der führenden Bierbrauereien der Welt findet sich inzwischen keine mehr aus Deutschland. Die Radeberger Gruppe, unter deren Dach rund 60 Biermarken produziert werden, steht als größtes deutsches Brauunternehmen international zurzeit auf Platz 23. Wachstum verzeichnen vor allem Brauereien, die ausdrücklich nicht auf traditionelle Produkte setzen. Treiber sind hier alkoholfreie Sorten, Craft-Biere und "Spin-off-Marken" mit hippem Image. Sie wenden sich gezielt an junge Erwachsene, die traditionelle Biere vor allem als Getränk alter Leute wahrnehmen – Gerstensaft leidet an einem Imageproblem und gilt als altbacken. Für die Brauereien, die bei der älteren Kundschaft gerade wegen ihres Traditionsreichtums punkten können, ist das ein wachsendes Problem. Deutschland führt dagegen bei der Zahl der noch bestehenden Klosterbrauereien: Neben Weltenburg gelten auch die Brauereien der Kloster Andechs, Ettal, Kreuzberg, Neuzelle, Marienstatter, Reutberg, Ridenburger und Scheyern noch als echte Klosterbrauereien. Eine weltweite Ausnahmeerscheinung ist darüber hinaus die Hausbrauerei des Klosters Mallersdorf: Dort brauen nicht etwa Mönche oder Arbeiter, sondern Nonnen. Tatsächlich hat das geregelte Brauwesen und Gewerbe in Klöstern seinen Anfang genommen. Bier wurde für den Hausgebrauch wohl schon spätestens ab der Jungsteinzeit gebraut, doch es waren Klöster, die daraus im Mittelalter ein Geschäft machten. Vorreiter unter den brauenden Mönchen waren die Benediktiner, die wohl schon im sechsten Jahrhundert damit begannen, nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch für die Bewirtung von Gästen und für den Verkauf zu brauen. Der Grund dafür lag in der Ordensregel, die den Mönchen vorschrieb, ihren Lebensunterhalt durch handwerkliche Arbeit zu verdienen – und das Handwerk der Brauerei beherrschten sie. Ihnen folgten im 11. Jahrhundert die Zisterzienser, im 13. die Augustiner und im 17. Jahrhundert die Trappisten: Bis heute sind es diese vier Orden, die das Gros der weltweiten Klosterbrauereien betreiben. Auch in dieser Hinsicht sind die brauenden Nonnen von Mallersdorf die Ausnahme: Sie sind Franziskanerinnen, und noch immer brauen sie vorwiegend für den eigenen Bedarf. Der Überschuss der kleinen Produktion wird verkauft. Nur vor Ort und bei regionalen Getränkehändlern versteht sich.