Karriere: Hohe Arbeitsbelastung schreckt vor Chefposten ab

Datum18.01.2026 11:26

Quellewww.spiegel.de

TLDREine Studie zeigt, dass viele Unternehmen in Deutschland Schwierigkeiten haben, Führungspositionen zu besetzen, da nur 14 % der Beschäftigten Interesse an solchen Rollen haben. Hauptgründe sind hohe Arbeitsbelastung (77 %), große Verantwortung (75 %) und Einschränkungen im Privatleben (73 %). Finanzielle Anreize allein lösen das Problem nicht; flexible Arbeitsmodelle könnten helfen. Die Fachkräftelücke in Führungspositionen war 2025 mit rund 28.488 unbesetzten Stellen beobachtet worden, wobei der Mangel seit 2015 zugenommen hat.

InhaltViele Firmen klagen laut einer aktuellen Studie über unbesetzte Chefsessel. Dabei liegt es an ihnen, sich auf veränderte Ansprüche einzustellen. Zahlreiche Firmen in Deutschland haben Schwierigkeiten, Chefposten zu besetzen. Laut Fachkräftedatenbank des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft fehlten im Jahr 2025 durchschnittlich 28.488 Fachkräfte in Führungsberufen. Ursache ist offenbar die geringe Bereitschaft vieler Berufstätiger, eine Leitungsfunktion anzunehmen, wie eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa)   ergibt. Laut der repräsentativen Befragung von rund 3100 Beschäftigten, kann sich nur jede oder jeder Siebte vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen, falls der Arbeitgeber dies anbietet (14 Prozent). Weitere 40 Prozent ziehen das nur unter Umständen in Betracht, 43 Prozent lehnen Führungsaufgaben ab. Bei Männern ist die Bereitschaft demnach tendenziell etwas größer. "Dies ist für viele Unternehmen ein Problem, da Vakanzen in Führungspositionen häufig besonders große Folgen für die Geschäftsprozesse haben", sagt Studienautorin Regina Flake. Die Gründe sind vielfältig: Am häufigsten schrecken laut Umfrage die hohe Arbeitsbelastung (77 Prozent), eine große Verantwortung (75 Prozent) und Einschnitte ins Privatleben (73 Prozent) davon ab. Zudem sei die Führungsbereitschaft – unabhängig vom Geschlecht – stark an Vollzeitmodelle gekoppelt. Auch zu geringe finanzielle Anreize und der mögliche Verlust guter Beziehungen zu Kollegen spielen für knapp die Hälfte eine Rolle (je 48 Prozent). Bei Beschäftigten mit Interesse an Führungsverantwortung ist hingegen ein hohes Gehalt der wichtigste Anreiz (95 Prozent). Häufig genannt werden zudem größere Gestaltungsspielräume und Weiterbildungsmöglichkeiten (85 Prozent). Viele legen Wert darauf, einen eigenen Führungsstil entwickeln zu können. Allein mit höheren Gehältern sei das Problem jedoch nicht zu lösen, sagt Studienautorin Flake. "Die Attraktivität von Führungsaufgaben nimmt ab, weil sich ihre Wahrnehmung verschoben hat – weg von Status und Privilegien", sagt Flake. "Ein Führungsangebot wird nicht automatisch als Belohnung wahrgenommen." Führung müsse daher so gestaltet werden, dass sie mit dem Privatleben vereinbar sei. Vor allem Frauen und Teilzeitbeschäftigte würden motiviert, wenn Führungsrollen flexibel ausgeübt werden dürfen, etwa in Teilzeit oder im Homeoffice. Stellvertretende Leitungspositionen, Mentoring und Coaching könnten den Einstieg erleichtern und die Bereitschaft erhöhen, Verantwortung zu übernehmen, sagt Flake. "Viele Beschäftigte schrecken vor Führung zurück, weil sie einen Sprung ins kalte Wasser befürchten." Der Mangel in Führungsberufen ist nicht neu: 2015 lag die Fachkräftelücke noch bei rund 14.000, im Jahr 2022 erreichte sie mit 34.600 ihren Höchstwert. Seitdem zeigt sich – wie auch in anderen Berufen – ein Rückgang. Dennoch sind weiterhin viele Firmen betroffen. In einer Umfrage im Jahr 2023 berichtete jedes zweite Unternehmen von wachsenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Führungspositionen. Die Fachkräftedaten in diesem Bereich erfassen nicht alle Vakanzen. Laut Kofa sind darin nur leitende Führungskräfte enthalten, die vorrangig führen. Unternehmen melden offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit nicht immer als Führungsposition.