Datum18.01.2026 10:27
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Bundeswehr erhöht die Plätze für die Grundausbildung auf etwa 35.000 bis 40.000, um mehr junge Menschen für den freiwilligen Wehrdienst zu gewinnen. Ab Montag erhalten 700.000 Jugendliche des Jahrgangs 2008 Fragebögen zu körperlicher Fitness und Bereitschaft zur Dienstleistung. Das neue Wehrdienstgesetz reagiert auf Sicherheitsbedenken durch Russland und zielt darauf ab, die Truppe auf 260.000 aktive Soldaten zu vergrößern. Die Musterung folgt dem Fragebogen, der online innerhalb von 15 Minuten ausgefüllt werden kann.
InhaltDie Bundeswehr bietet künftig mehr Ausbildungsplätze an und hofft auf Zulauf. Ab Montag sollen die ersten Fragebögen zum Wehrdienst bei jungen Menschen des Jahrgangs 2008 ankommen. Nächster Schritt kann die Musterung sein. Die Bundeswehr hat die Zahl der Plätze für die militärische Grundausbildung vor dem Start des neuen Wehrdienstes deutlich erhöht. Insgesamt gebe es nun rund 35.000 bis 40.000 Ausbildungsplätze, sagte der Personalchef der Streitkräfte, Generalleutnant Robert Sieger. "Das ist eine deutliche Zunahme gegenüber den letzten Jahren." Diese Ausbildungsplätze seien aber nicht nur für die mindestens 20.000 jungen Männer und Frauen, die in diesem Jahr für den neuen Wehrdienst angeworben werden sollen. Sieger wies darauf hin, dass auch mehr künftige Fach- und Führungskräfte die Grundausbildung durchlaufen werden. Die Bundeswehr hatte am Donnerstag die ersten 5.000 Schreiben mit Fragebögen zum Wehrdienst verschickt. Sie gehen an junge Menschen des Jahrgangs 2008, die seit Jahresbeginn volljährig geworden sind. Diese Briefe werden von Montag an eintreffen. Insgesamt umfasst der Jahrgang 2008 knapp 700.000 junge Männer und Frauen. Die Briefe enthalten einen QR-Code zum eigentlichen Fragebogen sowie eine Broschüre und rechtliche Hinweise. Der Fragebogen wird online ausgefüllt und umfasst Angaben etwa zu Körpergröße und Gewicht, Gesundheitszustand, Fitness, Bildungsabschlüssen, vorhandener Fahrerlaubnis und zur Bereitschaft, freiwillig zu dienen. Junge Männer müssen, junge Frauen können ihn beantworten. Das Gesetz für den neuen Wehrdienst war am 1. Januar in Kraft getreten. Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. So soll die aktive Truppe von zuletzt mehr als 180.000 Männern und Frauen um 80.000 auf 260.000 Männer und Frauen wachsen. Zudem soll es 200.000 Männer und Frauen in der Reserve geben. Der neue Wehrdienst ist freiwillig. Er soll mit zusätzlichen Anreizen attraktiver werden, etwa mit mehr Geld und Zuschüssen zum Führerschein. Nach dem Fragebogen folgt die Musterung . "Bei der Musterung geht es allein um die Feststellung der Wehrtauglichkeit", erklärte Sieger, Präsident des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr ist. "Daneben sprechen wir über ein Assessment, wenn es um eine Einstellung für eine konkrete Verwendung geht. Bei allen Beratungen thematisieren wir sehr klar, dass Soldatin oder Soldat zu sein eben kein Beruf ist wie jeder andere, sondern dass es natürlich auch ein scharfes Ende gibt." Um die Fragebögen zum neuen Wehrdienst auszufüllen, sind nach Angaben der Bundeswehr etwa 15 Minuten nötig. Wenn junge Männer dies fortgesetzt und nach Erinnerungsschreiben verweigern, handelt es sich den Angaben zufolge um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße belegt werden kann. Die Daten werden bei der Bundeswehr automatisiert ausgewertet und aufbereitet. Man sei gespannt auf die Selbstauskünfte, die Rückschlüsse auf den sogenannten Wehrwillen zulassen, so Sieger. "Es gibt Untersuchungen, die sagen, kaum jemand von den jungen Leuten ist bereit, unser Land auch mit der Waffe zu verteidigen", erklärte er. "Und genauso gibt es Untersuchungen mit ganz anderen Ergebnissen. Das heute festzustellen wäre ein Blick in die Glaskugel. Wir werden sicherlich im Laufe des Jahres aus den Antworten ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie es tatsächlich aktuell aussieht." Im Dezember hatten einige Jugendorganisationen zu Protesten gegen die Wehrdienstpläne aufgerufen. Wie Schülerinnen und Schüler einer zwölften Klasse in Hamburg über die Musterung und die neue Wehrpflicht denken, lesen Sie hier.