Portugal: Präsidentschaftswahlen in Portugal haben begonnen

Datum18.01.2026 09:30

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Portugal hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl begonnen, wobei der Rechtspopulist André Ventura von der Chega-Partei als Favorit gilt. Er hat bei der letzten Parlamentswahl 22,8 Prozent erzielt und führt einen polarisierten Wahlkampf mit rassistischen Anspielungen. Die Wahl findet in einer Phase politischer Instabilität statt, mit möglichen Stichwahlen um das Amt. Die Präsidentschaft hat aufgrund der politischen Lage besondere Bedeutung, da der Präsident das Parlament auflösen oder Neuwahlen anordnen kann. Eine Stichwahl könnte im Februar folgen.

InhaltBei der Präsidentenwahl in Portugal deutet sich ein knappes Rennen an. Als Favorit gilt der Rechtspopulist André Ventura von der rechtsextremen Chega-Partei. In Portugal findet am Sonntag die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden über die Nachfolge des konservativen Staatspräsidenten Marcelo Rebelo de Sousa, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der Rechtspopulist André Ventura. Umfragen deuten aber auf eine Stichwahl hin. Insgesamt stehen elf Kandidatinnen und Kandidaten auf den Stimmzetteln. Die Wahl findet in einer Phase politischer Instabilität statt: In den vergangenen vier Jahren gab es drei vorgezogene Parlamentswahlen, im Parlament sitzen viele Parteien, stabile Mehrheiten fehlen. Beobachter rechnen deshalb damit, dass erst eine Stichwahl über das Präsidentenamt entscheidet. Ventura, Gründer und Vorsitzender der rechtsextremen Partei Chega, konnte bei der Parlamentswahl im Mai mit 22,8 Prozent der Stimmen stark zulegen und machte Chega zur größten Oppositionskraft. Seine wichtigsten Rivalen in der Präsidentschaftswahl sind der Sozialist António José Seguro sowie der konservative Kandidat Luís Marques Mendes, der von Ministerpräsident Luís Montenegro unterstützt wird. Trotz Venturas erwarteter Führung in der ersten Runde werden ihm für eine mögliche Stichwahl geringe Chancen eingeräumt. Der Präsident hat in Portugal zwar keine exekutiven Befugnisse, kann jedoch in politischen Krisen das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Ministerpräsidenten entlassen. Zudem verfügt er über ein Vetorecht bei Gesetzen. Diese Kompetenzen verleihen dem Amt in der aktuellen Lage besondere Bedeutung. Ventura polarisiert mit einem teils rassistischen Wahlkampf, in dem er Migration und die Roma-Minderheit mit steigender Kriminalität und sozialen Problemen verknüpft. Gleichzeitig kündigte er an, als Präsident aktiver auftreten zu wollen als seine Vorgänger. Ein zentrales Thema ist dabei auch die Sterbehilfe: Ventura stellte ein Referendum in Aussicht, nachdem das Parlament ein entsprechendes Gesetz beschlossen hatte, das jedoch vom amtierenden Präsidenten blockiert und vom Verfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt worden war. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, ist diese für Anfang Februar angesetzt.