Datum18.01.2026 08:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Syrien-Konflikt haben kurdische Kämpfer zwei Brücken über den Euphrat gesprengt, während die syrische Armee unter Ahmed al-Sharaa trotz US-Warnungen gegen die Kurden vorgeht. Die Armee eroberte kürzlich die Stadt Tabka und den größten Staudamm des Landes. Die kurdischen Kräfte, die große Teile Nordsyriens kontrollieren, verhängten in Raka eine Ausgangssperre. Der Vorstoß folgt auf Gefechte in Aleppo, wo die Kurden ihre letzten Stadtviertel aufgaben. Die Lage der Minderheiten in Syrien ist seit dem Sturz von Baschar al-Assad 2024 besorgniserregend.
InhaltDie neuen syrischen Machthaber haben den größten Staudamm des Landes eingenommen. Ihre Truppen rücken trotz US-Warnung weiter gegen die Kurden vor, die sich offenbar wehren. Anfang der Woche wird Bundeskanzler Friedrich Merz den neuen syrischen Machthaber in Berlin zu Gesprächen begrüßen. Die Truppen von Ahmed al-Sharaa rücken derweil gegen Kurden vor – und ignorieren damit eine Aufforderung der USA, "jegliche Offensivhandlungen" einzustellen. Im Norden Syriens haben kurdische Kämpfer derweil zwei wichtige Brücken über den Fluss Euphrat zerstört. Die mehrheitlich kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) "sprengten die neue neue Alraschid-Brücke in der Stadt Raka", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag unter Berufung auf die Informationsdirektion der nördlichen Region Raka. Auch eine weitere Euphrat-Brücke sei gesprengt worden. Im Konflikt zwischen syrischen Regierungskräften und kurdischen Kämpfern hatte die syrische Armee zuletzt weite Gebiete erobert, in denen die Kurden bislang de facto Autonomie genossen. In Raka übernahm die Armee Behördenangaben zufolge am Sonntagmorgen die Kontrolle über die Stadt Tabka mitsamt dem größten Staudamm des Landes. Zuvor hatte die Armee mitgeteilt, die Kontrolle über zwei von den Kurden gehaltene Ölfelder nahe Tabka übernommen zu haben. Wegen des Vorrückens der syrischen Armee hatten die kurdischen Behörden für die Region Raka "bis auf Weiteres" eine Ausgangssperre verhängt. Der Vorstoß folgte auf tagelange Gefechte in der Großstadt Aleppo, in deren Verlauf kurdische Kämpfer die letzten beiden Stadtviertel aufgaben, die sie dort noch kontrolliert hatten. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier Die SDF-Kräfte kontrollierten große Gebiete in Syriens ölreichem Norden und Nordosten. Weite Teile davon hatten die SDF während des syrischen Bürgerkriegs in ihrem Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eingenommen. Seit dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen.