Geldpolitik: Bundesbankchef warnt vor politischer Einflussnahme auf Notenbanken

Datum21.10.2025 04:24

Quellewww.zeit.de

TLDRBundesbankchef Joachim Nagel warnte in New York vor politischer Einflussnahme auf Notenbanken, kritisierte die US-Regierung für ihre Angriffe auf Zentralbanken und wies auf die Wichtigkeit ihrer Unabhängigkeit hin. Nagel betonte, dass nur unabhängige Notenbanken Stabilität bieten konnten und nannte historische Beispiele für die Folgen politischer Eingriffe, wie die hohe Inflation in den USA und der Türkei. Er forderte europäische Länder auf, sich für die Unabhängigkeit der amerikanischen Federal Reserve einzusetzen.

InhaltJoachim Nagel kritisiert während eines Auftritts in New York das Vorgehen der US-Regierung gegen unliebsame Beamte. Nur unabhängige Notenbanken böten Stabilität. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat erneut vor politischer Einflussnahme auf die Arbeit von Notenbanken gewarnt. Er sei zutiefst besorgt über die jüngste "politische Kritik" an den Zentralbanken", sagte Nagel in einer Rede vor der US-Denkfabrik Foreign Policy Association in New York. Diese stelle die Integrität einer Institution in Frage, die den Interessen der Menschen und dem langfristigen Nutzen der Wirtschaft dienen solle. Nagel hatte europäische Länder zuletzt aufgefordert, sich für die Unabhängigkeit der US-Notenbank einzusetzen, und die Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach starken Zinssenkungen kritisiert. Trump hat die Notenbank Federal Reserve wiederholt zu einer deutlich lockereren Geldpolitik aufgefordert und dabei mehrfach den Rücktritt von Fed-Chef Jerome Powell gefordert. Die Unabhängigkeit der Notenbanken sei entscheidend für Stabilität, Vertrauen und sozialen Zusammenhalt, sagte Nagel in New York. Als warnende Beispiele verwies er auf die große Inflation in den USA von 1965 bis 1982 und die hohe Teuerung in der Türkei 2022, die durch die Forderung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach niedrigen Zinsen verstärkt worden sei.  Eng damit verbunden ist laut Nagel die Unabhängigkeit und Verlässlichkeit von Statistiken. Er kritisierte, dass gewählte Amtsträger die Zuverlässigkeit wichtiger Wirtschaftsdaten offen infrage stellten, wenn diese nicht zur Sichtweise der Regierung passten. US-Präsident Trump hatte nach der Veröffentlichung schwacher Arbeitsmarktzahlen die Chefin der Statistikbehörde entlassen und die Zahlen als "gefälscht" bezeichnet.