Handball-EM 2026: Deutschland verliert gegen Außenseiter Serbien, auch weil Gíslason falsch buzzert

Datum17.01.2026 22:41

Quellewww.spiegel.de

TLDRDeutschland verliert überraschend das Handballspiel gegen Serbien mit 27:30, nachdem sie in der ersten Halbzeit mit 17:13 führten. Bundestrainer Gíslason spielt eine entscheidende Rolle, als er während eines wichtigen Angriffs die Auszeit anordnet, was eine vermeintliche Ausgleichschance gefährdet. Die deutsche Mannschaft zeigte in der zweiten Hälfte zahlreiche Fehler und bleibt nun unter Druck, im nächsten Gruppenspiel gegen Spanien zu gewinnen, um in die Hauptrunde einzuziehen.

InhaltDem Auftakterfolg gegen Österreich folgt für die deutschen Handballer eine bittere Niederlage gegen Serbien. Dabei spielt der Bundestrainer eine Hauptrolle: Mit einer übereilten Aktion verhindert er den Ausgleich seines Teams. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. So weit, so überraschend: Nachdem die DHB-Herren gegen Österreich 30:27 gewonnen hatten, verloren sie unerwartet gegen Serbien. Da die Spanier ihre ersten beiden Partien (29:27 gegen Serbien, 30:25 gegen Österreich) erfolgreich bestritten haben, geht es beim abschließenden Gruppenduell am Montag (20.30 Uhr) gegen den derzeitigen Tabellenführer um das Weiterkommen in die Hauptrunde. Ergebnis: Trotz einer 17:13-Halbzeitführung verliert Deutschland gegen Serbien 27:30. Ändern, weil er es kann: Deutschlands Vorteil bei diesem Turnier soll die Tiefe des Kaders sein. Bundestrainer Alfred Gíslason ist gewillt, dieses Pfund auch zu nutzen. Gegen die Serben tauschte er gleich drei seiner sieben Startspieler. So rückte David Späth ins Tor und Juri Knorr und Rune Dahmke begannen im Feld. Letzterer war beim Auftakt nicht einmal Teil des Spieltagskaders. Wilder Start: Defensiv erneut gut stehen, dazu offensiv schneller und geradliniger agieren. Das war die deutsche Marschroute gegen Serbien. So ganz ging diese Herangehensweise nicht auf, denn bereits nach 14 Minuten hatte der Gegner nach wildem Beginn so viele Treffer erzielt wie die Österreicher nach 30 Minuten. Es dauerte bis zur 18. Minute, dass die Deutschen mit zwei Treffern in Führung gehen konnten. Zwei Tore von Franz Semper sorgten für ein zwischenzeitliches 11:8. Gutes Ende: Beim Stand von 13:16 trafen die Serben zehn Sekunden vor der Halbzeit die Latte, im Gegenzug brachte Miro Schluroff vier Tore Differenz zwischen Deutschland und den Serben. Es ist immer schwer, die Schattierungen der Grimmigkeit in Gíslasons Gesicht zu deuten, aber er sah fast zufrieden aus nach dieser ersten Hälfte. Deutschlands viele Hände: Mit Andreas Wolff hat Deutschland einen der besten Torhüter der Welt in seinen Reihen. Gegen Österreich musste zwischenzeitlich sein Vertreter David Späth in den Kasten, ließ alle Würfe auf seinen Kasten passieren und erntete Kritik vom Bundestrainer. Gegen Serbien durfte er von Beginn an, zeigte direkt eine Parade und stand am Ende der ersten Hälfte bei 35 Prozent abgewehrter Bälle. Das waren noch drei Prozent mehr als sein Gegenüber Dejan Milosavljev, der allein in den ersten zehn Minuten sechs Abschlüsse parierte. Der serbische Keeper der Füchse Berlin wollte sich nach durchwachsener Leistung gegen die zahlreichen Bundesligakollegen rehabilitieren – was ihm gelang. Knorr kommt im Turnier an (eine Hälfte lang): Die Auftaktpartie war für Juri Knorr keine nach Maß. Von der Bank gekommen nahm sich niemand mehr Würfe als der 25-Jährige, der bei acht Versuchen allerdings nur dreimal traf. Zum Vergleich: Seine Teamkollegen Johannes Golla und Lukas Zerbe kamen bei ebenfalls acht Torwürfen auf sieben beziehungsweise sechs Treffer. Gegen Serbien durfte Knorr beginnen – und sah keinen Grund, weniger Abschlüsse zu nehmen. Am Ende standen für ihn fünf Tore bei acht Versuchen zu Buche, dazu ein Weltklasseanspiel in der ersten Hälfte auf Golla, das die Fans im dänischen Herning von den Sitzen riss. Als es in der zweiten Hälfte hart auf hart kam, gab ihm Gíslason nahezu keine Spielzeit mehr – und doch war er an der womöglich entscheidenden Situation unmittelbar beteiligt. Der Riss: So gut Späth in den letzten Minuten der ersten Hälfte hielt, so hilflos musste er in den ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte die Bälle passieren lasse. Vorn schlossen seine Offensivspieler nur jeden dritten Angriff mit einem Torerfolg ab, hinten konnte er nur einen festhalten. Bei 20:20 nahm Gíslason die Auszeit und brachte Wolff für Späth. Es half nichts. Trotz eines parierten Siebenmeters lag Deutschland zwölf Minuten vor Schluss 21:22 hinten. Es muss geklebt werden: Direkt nach dem Treffer brach Hektik bei den Offiziellen aus. Am linken Spielfeldrand ließ sich der Belag anheben. Eine gefährliche Situation, einige Minuten lang wurde geklebt und getüftelt, dann ging es weiter. Und zwar mit einem Treffer der Serben. Deutschland jetzt mit zwei Treffern hinten. Es wogt hin und her – und dann buzzert Gíslason: Lukas Zerbe per Siebenmeter, ein gewaltiger Wurf von Miro Schluroff und ein Durchbruch von Renārs Uščins drehten binnen Minuten die Partie. 24:23 für Deutschland. Drei Minuten vor Schluss gingen die Serben erneut 26:25 in Führung. Dann traf Knorr vermeintlich zum Ausgleich, aber Gíslason hatte mitten in die Wurfbewegung hinein den Buzzer für die Auszeit gedrückt. Ein nicht nachvollziehbarer Fauxpas des Bundestrainers. Als Zerbe bei 25:27 einen Siebenmeter vergab, war das Spiel verloren. Was nun? Diese Niederlage ist ein herber Rückschlag für die deutschen Ambitionen bei dieser EM. Serbien hatte bei der letzten EM nur den 19. Platz erreicht und war für die WM im vergangenen Jahr nicht einmal qualifiziert. Kurzum: Ein Gegner, den man schlagen muss, wenn man um die Medaillen spielen will. Die deutsche Leistung in der zweiten Hälfte war dafür allerdings viel zu fehleranfällig.