Bayern deklassiert RB Leipzig: Erst spielen sie mit ihrem Essen, dann schlagen sie sich den Bauch voll

Datum17.01.2026 21:22

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer FC Bayern München deklassierte RB Leipzig mit 5:1, nachdem sie zur Halbzeit 0:1 hinten lagen. Jamal Musiala feierte sein Comeback mit einer Torvorlage, während Serge Gnabry und Michael Olise entscheidende Akteure waren. Leipzig hatte kurzzeitig geführt, konnte aber dem Druck der Bayern nicht standhalten, die bereits 18 Punkte voraus sind. Trotz eines anfänglichen Rückstands zeigten die Bayern eine starke zweite Halbzeit, angeführt von Olises beeindruckenden drei Assists und einem Tor.

Inhalt6:0 in der Hinrunde, 5:1 in der Rückrunde: Die Bilanz der Bayern gegen Leipzig, einen Top-Vier-Kandidaten. Der frühe Rückstand bleibt eine Randnotiz, Jamal Musiala feiert sein Comeback per Torvorlage. Das perfekte Dinner: Nie war eine deutsche Mannschaft so torhungrig wie der FC Bayern München. Nach der Hinrunde stand ein Torrekord, ein Punkterekord sowieso. Man mochte sich vorstellen, wie sehr der Magen dieses Teams knurrte, als es in Leipzig mit einem 0:1 Rückstand in die Pause ging. Keine fünf Minuten später passierte es: Dayot Upamecano stibitzte den Ball tief in der Leipziger Hälfte von Christoph Baumgartners Fuß, Serge Gnabry schnappte sich den Ball und glich aus (50. Minute). Es folgte Gnabrys wohlbekannter Jubel mit dem imaginären Kochlöffel. Kurz darauf wechselte Vincent Kompany auch noch Michael Olise ein, der Franzose bewarb sich seinerseits mit drei Assists (67., 82., 85.) und einem Tor (88.) auf einen Michelin-Stern. Bon appétit. Das Ergebnis: 5:1 (0:1) wischen die Bayern RB Leipzig aus dem eigenen Stadion. Zwischendurch sah es mal fast so aus, als sei der Hinrundendritte eine Gefahr. Das stimmt natürlich nicht. Deshalb trennen die beiden Klubs nach diesem Spieltag auch bereits satte 18 Punkte. Wie der Kaiser: Was haben Manuel Neuer und Franz Beckenbauer gemeinsam? Beide wurden nicht zuletzt dank ihrer Libero-Qualitäten bekannt. Und beide kommen auf nunmehr 584 Pflichtspiele für den FC Bayern. In der Münchner Allzeit-Rangliste ist das der geteilte fünfte Platz – nicht schlecht für jemanden, der seinerzeit mit "Koan Neuer"-Plakaten in München begrüßt wurde. Jemand zuhause? Den Rahmen dafür bot die Leipziger Arena. Die hatte unter der Woche Unkenrufe provoziert, weil am Mittwoch gegen den SC Freiburg nur knapp mehr als 30.000 Karten verkauft worden waren. Die tatsächliche Zuschauerzahl schätzten manche noch tiefer. Nun ist ein Mittwochabend im tiefen Januar selten ein Verkaufsargument, Kritiker des RB-Modells aber fanden gut begründete Gelegenheit, sich bestätigt zu sehen. Gegen die Bayern machte Leipzig die 45.000 Plätze dann wieder voll – auch, um Kevin Kampl offiziell zu verabschieden. Der langjährige RB-Profi hatte nach dem überraschenden Tod seines älteren Bruders seinen Vertrag in Leipzig frühzeitig aufgelöst. Wo der Musi spielt: Voll war auch die Bank von Vincent Kompany. Dort nahm nicht nur Superstar Olise der Rotation halber Platz, auch Joshua Kimmich (Sprunggelenksprobleme) und Jamal Musiala (Wadenbeinbruch) feierten ihre Rückkehr nach wochen- bis monatelanger Abstinenz. Bis Edeltechniker Musiala sein Topniveau wiederfinden wird, dürfte es zwar noch dauern. Ein echtes Comeback aber könnte zulasten von Shootingstar Lennart Karl gehen, der gegen RB nur einmal auffiel, als er einen Konter unsauber ausspielte (14.). Nicht mit rechten Dingen: Leipzig aber machte Stress. Beim Duell in der Hinrunde war RB noch unter die Räder gekommen, 0:6, es war eine unliebsame Feuertaufe für Trainer Ole Werner. Der ist eigentlich Bayern-Spezialist, warf den Rekordchampion mal mit Holstein Kiel aus dem DFB-Pokal und beendete mit Werder Bremen eine fünfzehnjährige Durststrecke gegen die Münchner. Diesmal hatte Werner den Schwachpunkt des Gegners rechts hinten ausgemacht: Dort verteidigte Tom Bischof, eigentlich Mittelfeldspieler, manchmal Linksverteidiger, heute aufgrund enormer Verletzungssorgen auf der anderen Seite gefragt. Gegen David Raum und Antonio Nusa irrte Bischof verloren umher, hatte aber auch keine Unterstützung von Vordermann Karl. Nationalverteidiger Raum spielte flach und scharf auf Rômulo – 1:0 für RB (20.). Besser geht immer: "Zweite Halbzeit – mein Gott. Ich glaube, wir sind sechs Kilometer mehr gelaufen", sagte Kompany nach Spielende, fast erschrocken von der Leistungssteigerung seines Teams. "Perfekt" sei das Spiel aber trotzdem nicht gewesen, mehrfach musste Altmeister Neuer retten, gegen Rômulo (65.), gegen Yan Diomande (72.). Offensiv aber lief es nach den Einwechslungen von Kimmich (Halbzeit) und Olise (56.) dafür wie an der Schnur gezogen, Harry Kane mit einem lässigen Abschluss (67.), Jonathan Tah per Kopf (82.) und Aleksandar Pavlović (84.) machten das Ergebnis deutlich. Dann kam sogar noch Musiala zu seinem Comeback – und legte den Ball raus auf Olise, der seine Gala per Linksschuss krönte. Der Nächste, bitte: Am Mittwochabend (21 Uhr) tritt der FC Bayern dann in der Champions League an. Das bietet Potential für Härtetests. In der Ligaphase bietet es aber auch: Ein Heimspiel gegen den belgischen Klub Union Saint-Gilloise. Zeit, von Michael Olise die französischen Zahlwörter von vier aufwärts zu lernen.