Datum17.01.2026 14:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRMario Draghi, ehemaliger EZB-Chef, wird 2026 mit dem Karlspreis ausgezeichnet für seine bedeutenden Verdienste um die europäische Einigung, insbesondere durch seine legendäre "whatever it takes"-Rede zur Eurorettung. Das Karlspreis-Direktorium fordert die Umsetzung seines 2024 veröffentlichten Berichts zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit, um der EU zu helfen, gegenüber globalen Konkurrenten zu bestehen. Draghi betont die Notwendigkeit, europäische Schwächen zu überwinden und die Zusammenarbeit in militärischen, wirtschaftlichen und politischen Fragen zu stärken. Der Preis wird am 14. Mai verliehen.
InhaltDer Karlspreis wird in diesem Jahr an Mario Draghi verliehen. Der frühere EZB-Chef habe große Verdienste um Europa, lobt die Jury. Zugleich sendet sie eine klare Forderung an die aktuellen Entscheidungsträger. Für historische Verdienste um die europäische Einigung wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Man ehre eine Persönlichkeit, "die zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat", begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung. Als inzwischen legendär gilt Draghis Rede als EZB-Chef von 2012, in der mit den Worten "whatever it takes" (koste es, was es wolle) versprach, den Euro um jeden Preis zu retten und damit die Eurokrise beruhigte. Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai. Das Direktorium hob unter anderem den 2024 von Draghi veröffentlichten und nach ihm benannten Report zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit hervor. Draghi hatte darin gemahnt, dass die Europäische Union dringend innovativer werden müsse, wenn sie nicht den Anschluss an konkurrierende Wirtschaftsmächte wie die USA und China verlieren wolle. Das Karlspreis-Direktorium schließt sich dieser Einschätzung an: "Die Lage ist dramatisch", schreibt es in seiner Begründung. "Europa droht zum Spielball anderer Mächte zu werden." Seine Handlungsfähigkeit könne Europa nur sichern, wenn es wettbewerbsfähiger werde. Wirtschaftliche Stärke sei die Basis für alles andere. Draghi war acht Jahre lang EZB-Chef (2011 bis 2019) und später auch italienischer Regierungschef. Der 78-Jährige selbst hatte sich kürzlich ernüchtert über den Stand der bisherigen Umsetzung seiner Empfehlungen geäußert. "Die Schwachstellen nehmen zu", konstatierte er in einer Rede in Brüssel. Vor diesem Hintergrund bezeichnete das Direktorium die Zuerkennung des Karlspreises an Draghi zum jetzigen Zeitpunkt als "ein bewusst gesetztes" Signal an die Entscheidungsträger in Brüssel: "Wir fordern die Europäische Kommission und europäischen Staats- und Regierungschefs auf, jetzt den Draghi-Report umzusetzen", so das Karlspreis-Direktorium. "Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat – vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde", sagte Draghi selbst in einer eingespielten Videobotschaft während der Verkündung des diesjährigen Preisträgers in Aachen. Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte er. "Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch." Das dürfte auch eine Mahnung an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sein, die im vergangenen Jahr den Karlspreis erhalten hatte. Der Karlspreis wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener Bürgern gestiftet. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite Teile Westeuropas erstreckte und der deshalb auch als "Vater Europas" bezeichnet wird. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten zugutekommen. Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (1955). Der letzte Italiener, der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler und Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi. Lesen Sie hier eine Analyse , wie Europa seine Stärken ausspielen und wirtschaftlich aus der Krise kommen kann.